Montag, 23. Juli 2018

Wie man die Zeit anhält von Matt Haig

Wenn Liebe die Zeit besiegt.

Keiner lehrt Geschichte so lebendig wie er ‒ und das hat einen guten Grund: Tom Hazard, Geschichtslehrer und verschrobener Einzelgänger, sieht aus wie 40, ist aber in Wirklichkeit über 400 Jahre alt. Er hat die Elisabethanische Ära in England, die Expeditionen von Captain Cook in der Südsee, die Literaten und Jazzmusiker der Roaring Twenties in Paris erlebt und alle acht Jahre eine neue Identität angenommen. Eines war er über die Jahrhunderte hinweg immer: einsam. Denn die Nähe zu anderen Menschen wäre höchst gefährlich gewesen. Jetzt aber tritt Camille in sein Leben. Und damit verändert sich alles.


Tom wurde im Jahr 1581 - vor über 430 Jahren – geboren. Und er lebt immer noch. Dabei ist er nicht unsterblich, sondern altert nur sehr viel langsamer, als unsereiner – ein gewisser Trost, denn ewig zu leben ist mit Sicherheit ein Fluch. Auch so, das wird beim Lesen schnell klar, ist es schwer genug.

Seine Geschichte wird von Tom selbst erzählt, und wir bekommen einen Einblick in all die Epochen seines bisherigen Lebens. So ist er u.a. ein Zeitgenosse Shakespeares, unterstützt den großen Dichter sogar bei einem Bühnenstück im Globe Theater. Diese und ähnliche, gut pointierte Zwischensequenzen bieten ein besonderes Leseerlebnis und eine gewisse Heiterkeit.Und die ist bitter nötig, denn eigentlich ist Tom sehr einsam.
Zwischenmenschliche Beziehungen sind ja auch kaum möglich. Dabei ist Tom ein wunderbarer Mensch, sehr einfühlsam und sensibel, aufmerksam und rücksichtsvoll. Aber immer mitanzusehen, wie der geliebte Mensch immer älter wird und schließlich stirbt, ist auf die Dauer unerträglich. Falls nicht schon alles vorher in die Brüche geht, weil der andere misstrauisch wird.

Seine Identitäten und die dazu passenden Lebensumstände erhält Tom von einem Mann namens Hendrich. Vor jedem Identitätswechsel muss Tom allerdings einen Auftrag erfüllen und der neueste scheint undurchführbar.
Hendsrich wiederum führt die Albatros-Gesellschaft, in der nur Menschen wie Tom Mitglieder sind. Es gibt also noch mehr Menschen wie Tom – immerhin ein Trost. Warum sich allerdings nie zwei solche Menschen finden und ein Paar werden, hab ich bis zuletzt nicht verstanden.

Das Buch ist spannend und zieht einen schnell in seinen Bann. Es macht aber auch nachdenklich, denn auf den ersten Blick scheint ja doch sehr erstrebenswert, was Tom da hat. Denn sind wir nicht alle bestrebt, möglichst lange zu leben?