Montag, 9. Juli 2018

Weltensammlerinnen: Spektakuläre Reiseabenteuer mutiger Frauen von Armin Strohmeyr

Die dreiundsechzigjährige Amerikanerin Annie Taylor war eine gewitzte Selbstvermarkterin. Bereits zu Beginn des 20. Jahrhundert ließ sie sich auf die Klatschpresse ein, um ihr waghalsiges Abenteuer zu finanzieren: sich in einem Fass die Niagarafälle hinabzustürzen. Die Schweizerin Ella Maillart heuerte gegen alle bürgerliche Vernunft anno 1924 in Seehundmantel und gelben Golfschuhen als Matrosin an und besegelte in den folgenden Jahren die Welt. Etwas eleganter, aber nicht minder waghalsig war Clärenore Stinnes, deren automobile Weltreise in der Adler-Limousine bis heute Maßstäbe im Motorsport gesetzt hat. Diese und weitere Pionierinnen der Extreme porträtiert Armin Strohmeyr und entführt uns ans Ende der Welt, auf höchste Gipfel, in heißeste Wüsten und kälteste Meere.

Die Auswahl der Damen in dem Buch ist mir schleierhaft. Gleich die erste, Annie Taylor, war überhaupt keine Weltreisende. Sie stürzte sich die Niagarafälle hinunter, weil sie hoffte, dadurch berühmt und reich zu werden. Das funktionierte natürlich nicht. Die Welt war auch damals schon zu schnelllebig, um eine einzige heroische Tat länger als ein paar Wochen zu würdigen. Sie stellte sich auch bemerkenswert dämlich dabei an, aus dem Ruhm Kapital zu schlagen - von wegen gewitzte Selbstvermarkterin. Letztlich starb sie in Armut. Und dem Autor scheint es ein geradezu diebisches Vergnügen zu bereiten, darüber zu berichten.
Die zweite Frau, die Schweizerin Lina Bögli, bereiste zwar wirklich die Welt, aber eigentlich nur von einer Schweizerfamilie zur nächsten. Die Einheimischen lernt sie kaum kennen, ihre Vorurteile diesen Fremden Kulturen gegenüber kriegen noch nicht einmal eine Delle. Und es passiert auch eigentlich nichts, was man als ‚spektakuläres Reiseabenteuer‘ bezeichnen könnte.
So geht es weiter, immer begleitet von dem Entzücken des Autors (anders kann ich es nicht nennen), wenn die jeweilige Dame Pech hat oder gar elend zugrunde geht.

Wirklich große Reisende wie zum Beispiel Mary Kingsley, Isabella Bishop, Alexandra David-Néel, Gertrude Bell oder Freya Madeline Stark sucht man vergebens.

Dieses Buch hat mich weder in der Auswahl noch in der Ausführung sonderlich überzeugt.