Montag, 30. Juli 2018

Geister auf der Metropolitan Line: Eine Peter-Grant-Story von Ben Aaronovitch

Geistersichtungen auf der Metropolitan Line der Londoner U-Bahn! Unflätige Bemerkungen geben die Gespenster auch noch von sich. Aufruhr und Chaos unter den Pendlern sind die Folge. Police Constable und Zauberlehrling Peter Grant nimmt, gemeinsam mit ein paar guten alten Bekannten, die Ermittlungen auf.

Ok, viel zum Inhalt des Buches sagt der Klappentext ja nun nicht. Also hier ein wenig mehr dazu: In den U-Bahn-Zügen der Metropolitan Line werden Fahrgäste von Geistern belästigt. Entsprechende Notrufe häufen sich, doch wenn die Beamten der British Transport Police vor Ort eintreffen, können sich die Anrufer schon gar nicht mehr an den Vorfall und ihren eigenen Anruf erinnern. Natürlich landet der Fall im Folly. Also quetscht sich Peter Grant zusammen mit seinem Kollegen Jaget von der British Transport Police in die überfüllten Züge des Berufsverkehrs. Tatsächlich hören sie eine Frau panisch aufschreien, doch bevor sie sich durch die Menschenmassen zu ihr durchgedrängt haben, verblasst bereits langsam die Erinnerung. Allmählich lässt sich allerdings ein Muster erkennen: Es handelt sich immer wieder um andere Geister, die eigentlich nur um Hilfe bitten wollen, bevor sie in ihre Einzelteile zerfallen. Bald keimt der Verdacht auf, dass es sich hier in Wirklichkeit um einen realen Kriminalfall mit lebenden Menschen dreht.

Das Buch ist kurz, sehr kurz, das stimmt. Aber ist das ein Qualitätsmerkmal? Nein. Ich finde sogar, dass es nach langer Zeit endlich mal wieder ein richtig guter Peter-Grant-Fall ist! Er ist in sich abgeschlossen. Weder der Gesichtslose, noch die nervtötende Lesley tauchen auf. Eine wahre Wohltat. Allerdings deutet sich an, dass Abigail, Peters Nichte, sich zu einer ähnlichen Nervensäge entwickelt, die alles besser kann und besser weiß. Ich hoffe sehr, der Autor kriegt da noch die Kurve.
Dieses Titel hier ist jedenfalls ganz auf Peter konzentriert, was der Sache guttut. Nightingale kommt leider ein bisschen zu kurz, aber insgesamt ist Ben Aaronovitchs locker-ironischer Stil mit zahlreichen Anspielungen auf die Polizeiarbeit und architektonische Missgriffe realer Gebäude wieder mal so voll und ganz zurück. Auch das typische Um-die-Ecke-denken ist wieder da. Das lässt hoffen.

Mir jedenfalls hat das Lesen Spaß gemacht, auch wenn das Buch kurz war. Ich muss allerdings auch noch anmerken, dass es keinen Sinn hat, das Buch zu lesen, wenn man nicht schon die sechs Vorgängerbände der Reihe gelesen hat. Aaronovitch hält sich nämlich nicht damit auf, das eine oder andere Wort über seine Protagonisten zu verlieren, um die Erinnerung aufzufrischen. Entweder man kennt die Figuren schon - und hat ein ausgezeichnetes Gedächtnis - oder man versteht eben die Hälfte der Anspielungen nicht.