Montag, 16. April 2018

Louis oder Der Ritt auf der Schildkröte von Michael Hugentobler

Als Hans Roth wurde er 1849 in einem Bergdorf geboren, als Louis de Montesanto – Weltreisender, Bestsellerautor und Hochstapler – stirbt er 1921 in London. 13-jährig floh er in die Welt: Mit einer Schauspielerin wohnte er in Paris, in London wurde er zum Butler, mit einem Gouverneur schiffte er sich nach Perth ein. Er verliebte sich bei den Aborigines, jagte Warane, heiratete in Sydney und zog mit einem Wanderzirkus durchs Land. Zurück in London dichtete er seinem erstaunlichen Leben noch so einiges hinzu. Michael Hugentobler erzählt das Leben eines wagemutigen Exzentrikers, der stets darauf bedacht war, frei und unabhängig zu bleiben in der großen weiten Welt.

Es handelt sich hier um einen fiktiven Roman, den Erstling des Autors. Fiktiv, doch mit auffälligen Parallelen zum Leben von Louis de Rougemont, einem als Henri Louis Grin 1847 geborenen Schweizer. Insofern hatte der Autor also eine Menge Stoffe, den er übernehmen konnte.

Die Inhaltsangabe lässt auf eine spannende Geschichte hoffen, der Anfang auch. Überhaupt hätte das Ganze das Zeug zu einem fesselnden Roman, wenn, ja wenn der Stil nicht wäre. Das ganze Buch über wird alles in einem gleichmäßig dahinplätschernden Ton berichtet. Es gibt kaum wörtliche Rede, und selbst ein Mord an einem Aborigini wird so gleichmütig erzählt, dass man ihn fast überliest. Man wünscht sich bald, dass der für jeden Schriftsteller so wichtige Grundsatz „Zeigen, nicht erzählen“ auch bis zu diesem Autor durchgedrungen wäre.

Die Geschichte wird nach und nach auf zwei Ebenen erzählt, nämlich als Reisebericht über Hans Roth und als Rückblick aus der Nachforschungen von Old Lady Long, die die Tochter von Roth und einer Aborigini ist und mehr über ihren Vater erfahren will. Leider wird bei beidem der gleiche Stil verwendet, so dass auch hier keine Abwechslung zu finden ist.
Und das ist schon deswegen so unheimlich schade, weil der Aufbau der Geschichte wirklich toll ist. Wie der Autor nach und nach das Leben von Hans Roth enthüllt, die einzelnen Fakten auffächert und erst so nach und nach preisgibt, bis man endlich das ganze Bild hat, das ist hervorragend. Wenn nun noch eine mitreißende Sprache dazukäme, könnte das einer meiner Lieblingsromane werden. So aber war mir irgendwann einfach nur noch völlig egal, was aus dem Schweizer wurde.