Montag, 2. April 2018

Kaiserschmarrndrama: Ein Provinzkrimi von Rita Falk

Im Wald von Niederkaltenkirchen wird eine nackte Tote gefunden. Sie war erst kurz zuvor beim Simmerl in den ersten Stock gezogen und hat unter dem Namen ›Mona‹ Stripshows im Internet angeboten. Der Eberhofer steht vor pikanten Ermittlungen, denn zum Kreis der Verdächtigen zählen ein paar ihrer Kunden, darunter der Leopold, der Simmerl und der Flötzinger. Harte Zeiten für den Franz, auch privat: Das Doppelhaus vom Leopold und der Susi wächst in dem Maße wie Franz’ Unlust auf das traute Familienglück. Dann: die zweite Tote im Wald. Das gleiche Beuteschema. Ein Serienmörder in Niederkaltenkirchen?

Das ist der 9. Provinz-Krimi um Franz Eberhofer von Rita Falk und mein erster. Ich fürchte, es ist auch mein letzter. Mag sein, dass die vorherigen besser waren, jedenfalls habe ich mich doch stellenweise sehr gelangweilt.

Der Zugang zu den Figuren war einfach, obwohl es schon acht Bücher davor gab. Es geht sehr bayrisch zu, oder zumindest so, wie man es vom 'urigen' Bayern erwartet. Der umgangssprachliche Stil ist ganz lustig, aber manchmal drückt sich die Autorin schon sehr umständlich aus. Es gibt außerdem ein paar Szenen, die sehr durchschaubar auf die Situationskomik geschrieben sind, z.B. der Flug mit dem Hubschrauber. Aber wie schon Goethe sagte: „Kaum merkt man die Absicht, ist man verstimmt.“
Man fühlt sich für dumm verkauft, sonst nichts.

Der Protagonist ist sehr gewöhnungsbedürftig. Anders gesagt, er kommt rüber wie ein grober Klotz, den Mama zu sehr verhätschelt hat, und der vor allem der Arbeit gern aus dem Weg geht. Der Bau seines Hauses ist ihm eigentlich Wurst, da rührt er keinen Finger. Kochen muss die Oma und seine Freundin Susi darf ihn in allen anderen Bereichen bemuttern.
Genau genommen ist ihm als Klischee des gestandenen Bayern vor allem eins wichtig – genau: Leberkässemmeln, Weißwürste und Bier. Danach kommen dann sein Hund Ludwig und die Gemütlichkeit, also möglichst wenig Arbeit und immer alles langsam angehen. Überhaupt. ein wenig origineller hätte es schon sein dürfen. Man MUSS nicht immer jedes Vorurteil bedienen. Für die Spannung ist das auch nicht gerade förderlich.

Das eigentliche Geschehen fängt erst spät an. Als eine Frauenleiche im Wald gefunden wird, sind bereits Wochen im Buch vergangen. Die Ermittlungen beginnen und dann – nichts. Denn der gute Franz hat wichtigere Dinge zu tun: Sein Saustall soll bleiben, wie er ist. Neue Möbel müssen trotzdem eingekauft werden, und zwar in Begleitung der Oma und der Freundin. Das eigentliche Drame scheint im Möbelhaus stattzufinden, weil jeder etwas anderes will.
Von der versprochenen Brisanz habe ich jedenfalls wenig gefunden.
Vielmehr plätschert das ganze einfach so vor sich hin. Eine zweite Leiche wird gefunden, ein Ermittlungsteam aus München rückt an und macht die ganze Arbeit.
Franz selbst ist eher halbherzig bei der Sache, weil ja das Familienleben und die Verwicklungen um das neue Haus viel wichtiger sind. Auch das Auftauchen von Rudi, einem Freund von Franz, der früher Polizist war und jetzt Privatdetektiv, scheint viel mehr Bedeutung zu haben, als die Morde.

Spannung findet man eher wenig. Und dabei dachte ich immer, die wäre ein wesentlicher Bestandteil eines Krimis. Tja.