Montag, 5. März 2018

Herrn Petermanns unbedingter Wunsch nach Ruhe von Michael Böhm

Leo Petermann geht seinen Neigungen nach: der vermögende Privatier genießt die absolute Ruhe seines Landsitzes und widmet sich seinen Hobbys. Das nötige Kleingeld dafür fließt aus den Anteilen seines Konzerns, für den er nur noch sporadisch als Berater tätig ist. Die friedliche Welt des ehemaligen Managers wird allerdings empfindlich gestört, als sein Nachbar stirbt. Kaum ist der alte Mann unter der Erde, übernimmt dessen Enkel das Regiment auf dem Anwesen, mit seinen Kumpanen terrorisiert er die Bewohner des Weilers mit endlosem Dauerlärm. Leo Petermann wird schnell klar, dass weder Geld noch gute Worte den jungen Mann zur Einsicht bringen werden. Und dann ist da noch sein Stiefsohn. Dieser hat sich mit einem zwielichtigen Geschäftspartner eingelassen, der offensichtlich mit kriminellen Finanzgruppen kooperiert. Eine radikale Lösung muss her, hier wie dort. Wie gut, dass Petermann nach wie vor über ein exzellentes Netzwerk verfügt, das sich darauf spezialisiert hat, Probleme ganzheitlich anzugehen und final zu beseitigen …
Ich bin mir nicht ganz sicher, ob man dieses Buch wirklich als Krimi bezeichnen kann. Aber eines ist sicher: Es ist ein außergewöhnliches Buch.
Am Anfang hatte ich einige Probleme mit dem Protagonisten, den ich als ziemlich arrogant und überheblich empfand. Das änderte sich aber mit der Zeit. Wenn ich auch niemals mit ihm mitfieberte, -feierte oder -litt, so begann er mich doch zu interessieren. Da er gleichzeitig der Ich-Erzähler und der Mörder ist, bekommt man als Leser eine erstaunliche Innensicht seines Charakters, die wenn auch nicht sympathisch, so doch faszinierend ist.

Was mich anfangs auch ein wenig Mühe kostete, war der Schreibstil des Autors. Es gibt keine Dialoge, sondern nur die Gedanken des Erzählers, wiederholt, zusammengefasst und vielleicht auch geschönt durch seine Ambitionen, ein Buch über sich zu schreiben.
Die Sätze sind sehr komplex und mit Bedacht formuliert. Manchmal kristallisiert sich der Kern der Aussage erst langsam heraus. Dies ist kein Buch zum schnell in sich hineinschlingen, es muss mit Achtsamkeit gelesen werden. Dafür wird man nicht nur mit einem ungewöhnlichen Plott, sondern auch mit wirklich schöner Sprache belohnt. Und obwohl man im Kopf des Ich-Erzählers ja eigentlich alles schon vorher wissen müsste, wird es stellenweise doch ganz schön spannend.

Wer also einmal etwas völlig anderes und fesselndes lesen möchte, ist hier genau richtig.