Montag, 26. Februar 2018

Woman in Cabin 10 von Ruth Ware

Wie kann eine Frau verschwinden, die es nie gegeben hat?

Die Journalistin Lo Blacklock nimmt an der Jungfernfahrt eines exklusiven Luxuskreuzfahrtschiffs durch die norwegischen Fjorde teil. Ein wahr gewordener Traum. Doch in der ersten Nacht auf See erwacht sie von einem Schrei aus der Nachbarkabine und hört, wie etwas ins Wasser geworfen wird. Etwas Schweres – wie ein menschlicher Körper. Sie alarmiert den Sicherheitsoffizier. Aber die Nachbarkabine ist leer, ohne das geringste Anzeichen, dass hier jemand wohnte. Die junge Frau aus Kabine 10, mit der Lo noch am Vortag gesprochen hat, scheint nie existiert zu haben.


Erst einmal eins vorweg: Warum muss der Titel denn englisch sein? „Die Frau aus Kabine 10“ klingt doch genauso gut und man muss sich nicht erst fragen, ob man nun die englische Versioan erwischt hat oder nicht.
Nun, ich hatte die deutsche Version. Und als ich die erste Seite las, schwante mir wirklich Übles. Es ging um einen Traum und kein Satz, oder fast kein Satz, kam ohne Adjektiv aus. Mindestens eins, möglichst zwei. Klar, wir haben alle in der Grundschule mal gehört, dass Adjektive einen Text lebendig machen. Aber inzwischen sind wir älter und wissen, dass ein Zuviel des Guten auch vermieden werden sollte. Diese Schwemme von Adjektive erschlägt den Text.
Ich las aber tapfer weiter und wurde damit belohnt, dass der eigentliche Thriller mit weniger Adjektiven auskam.

Die Grundidee des Plots ist wirklich gut und hat eine Menge Potential. Auch der Schreibstil ist sehr gut.
Leider fängt die Protagonistin schon nach kurzer Zeit an, zu nerven. Ihre seelischen und privaten Probleme sind nicht nur breitgetreten, sondern zum Teil einfach nur dämlich. Lo ist hysterisch, ständig betrunken, aufbrausend und stark übertrieben in ihren Reaktionen. Wie bei den Adjektiven am Anfang ist es auch hier einfach Zuviel des Guten.

Die Handlung an und für sich ist interessant, die Wendungen manchmal überraschend. Aber manches wirkt holprig und unglaubwürdig. Es scheint, dass die Autorin einfach zu einem Ergebnis kommen wollte und das Geschehen dann irgendwie so zusammengeschustert hat, dass es passt.

Das Ende ist dann doch ziemlich vorhersehbar, und abgeschmackt ist es obendrein.