Montag, 1. Januar 2018

Durch die Nacht: Eine Naturgeschichte der Dunkelheit von Ernst Peter Fischer

Das faszinierende Panorama der dunklen Seite unseres Lebens

Jedes Licht braucht die Dunkelheit, um aus ihr zu entspringen, so wie ein Laut erst hörbar wird durch die Stille der Welt. Und das Gleiche gilt für das Leben, die menschliche Existenz überhaupt: Die Nacht ist es, die alles werden lässt. Ernst Peter Fischer erzählt nun die Geschichte dieser »Gegenzeit«, eine faszinierende Reise durch die dunklen Gefilde unseres Lebens.

Der Heidelberger Wissenschaftshistoriker Ernst Peter Fischer entfaltet in seinem neuen Buch ein facettenreiches Panorama der Nacht, das vom Anbeginn der Welt bis in unsere Gegenwart reicht. Wie schon in »Die Verzauberung der Welt« gelingt es ihm, Naturwissenschaft und Kulturgeschichte auf meisterhafte Weise zu verknüpfen und den Fragen nachzugehen, die die Dunkelheit an uns stellt: Wie entsteht Licht? Wie können wir die Farbe Schwarz wahrnehmen? Aber auch: Warum haben wir Angst im Dunkeln? Woraus bestehen unsere Träume? Und ist die Nacht auch für das Böse in uns verantwortlich?

Auf anregende, lustvolle Weise beleuchtet, ja illuminiert Ernst Peter Fischer die Nacht und führt uns durch ihre Geschichte – die so noch nie erzählt wurde.


Nach dem Versuch einer wissenschaftlichen Erläuterung, was Dunkelheit ist, geht es flott zum geschichtlichen 'Werdegang' der Nacht. Es wird gezeigt, was in den verschiedenen Jahrhunderten in der Nacht passiert ist, wie die Nacht mehr und mehr ihre Schrecken verlor und aktiv von den Menschen genutzt wurde. Auch ein Kapitel über das Schlafen fehlt nicht. Und das Träumen. Ich hatte den Eindruck, dass das träumen den größten Teil des Buches füllt. Wobei das eigentlich falsch ist – es geht eher darum, welche großartige Ideen nachts im Traum schon über bekannte Persönlichkeiten hergefallen sind. Der Großteil dieser im Traum beglückten waren dabei Wissenschaftler. Und bei denen angekommen geht der Autor dazu über, sich lang und breit mit der Verantwortung bzw. Verantwortungslosigkeit der Wissenschaften auseinander zu setzen. Und von da ist es nur ein kurzer Weg zum menschlichen Charakter und zur bösen Seite des Menschen.

Ok. Die böse Seite des Menschen kann man natürlich auch seine dunkle Seite nennen. So weit, so gut. Aber … lautete das Thema des Buches nicht eigentlich „Die Nacht“?

Gut, man kann dem Autor zugute halten, dass er den Begriff eben sehr weit fasst und sich eben mit verschiedenen Arten der Dunkelheit, auch der im metaphysischen Sinne, beschäftigt. Aber dann hätte er einen anderen Titel wählen sollen – so ist es doch sehr irreführend. Ich habe nämlich tatsächlich eine Art Historie der Nacht erwartet. Und da hätte es doch noch so viel zu sagen gegeben! Die Bett- und Schlafkultur verschiedener Völker zum Beispiel. Rituale, Herangehensweisen, Aberglauben … so viel war und ist eng mit der Nacht verbunden!

Meiner Meinung nach hat der Autor klar sein Thema verfehlt. Und auch wenn das, was er geschrieben hat, durchaus seinen Reiz hat und interessant geschildert ist, bleibt doch eine gewisse Verstimmtheit, weil man sich getäuscht fühlt.