Montag, 25. Dezember 2017

Ein Mensch brennt von Nicol Ljubic

Aufrüttelnd und provokant, zugleich warmherzig und witzig.
Wenn es um Fußball geht, kann man dem zehnjährigen Hanno Kelsterberg nichts vormachen. In Sachen Protest allerdings auch nicht. Seit zwei Jahre zuvor der asketische Hartmut Gründler ins Souterrain der Familie zog und sich als unbeugsamer Politkämpfer entpuppte, steht Hannos einst heile Welt auf dem Kopf. Statt Fußball zu spielen, muss er nun mit zu Demos und verteilt Handzettel. Während der Vater den Mann im Keller zunächst belächelt, gerät die Mutter in den Bann des kompromisslosen Idealisten, die Ehe zerbricht. Ein provokanter und berührender Roman über eine Familie, die unversehens von der Zeitgeschichte gestreift wird.


Die Hauptfigur des Romans ist Hartmut Gründler, der sich tatsächlich am 16. November 1977 aus Protest gegen die Atompolitik der damaligen Regierung mit Benzin übergossen und angezündet hat Er starb fünf Tage später im Krankenhaus an den Folgen seiner Verletzungen. Erzählt wird die Geschichte aber von einer fiktiven Figur: Hanno Kelsterbach. Zur Zeit von Gründlers Tod ist er gerade mal zehn Jahre alt. Die Geschichte erzählt er als Erwachsener, wobei er eigentlich mehr von seiner Mutter berichtet, einer überzeugten Umweltaktivistin und großen Anhängerin von Gründler. Hanno selbst ist eher skeptisch, wird aber nichtsdestotrotz involviert, schon weil Gründler auch die Ehe von Hannos Eltern entscheidend beeinflusst.

Beim Lesen vergisst man schnell, dass Gründler und auch einige andere Personen wirklich gelebt haben. Das finde ich schade, wenn es auch wahrscheinlich dem Tempo und dem flüssigen Stil gut tut. Die Darstellung ist jedenfalls mitreißend, aber nicht immer wirklichkeitsnah.
Leser, die an geschichtlichen Ereignissen der jüngeren Vergangenheit interessiert sind, werden das Buch aber ganz bestimmt gut finden.