Montag, 6. November 2017

Die Selbstmord-Schwestern von Jeffrey Eugenides

Im Vorstadthaus der Familie Lisbon leben fünf schöne Töchter: die gescheite Therese, die pingelige Mary, die asketische Bonnie, die scharfe Lux und die blasse, lammfromme Cecilia. Als sich die jüngste von ihnen aus dem Fenster stürzt, beginnt das „Jahr der Selbstmorde“, das alle Beteiligten und Beobachter für immer verändern wird. Schaurig-ironisch und zärtlich zugleich zeichnet der Pulitzer-Preisträger das Porträt einer Jugend, die ihre Unschuld verloren hat. 

Nachdem ich von allen Seiten gehört habe, wie großartig, wie verstörend, wie lebensnah, wie meisterhaft dieser Roman ist, waren meine Erwartungen natürlich entsprechend hoch.
Und wirklich, das Buch ist meisterhaft geschrieben.
Hinsichtlich all der anderen Lobeshymnen bin ich aber doch ziemlich irritiert. Das Buch ist verstörend, ja. Aber vor allem anderen ist es trist und unmenschlich. Und es ist kein bisschen schaurig-ironisch oder gar zärtlich. Ich finde es im Gegenteil ziemlich brutal.

Aber der Reihe nach. Es geht hier um fünf Schwestern, die streng bewacht von ihrer Mutter nicht viel Kontakt zu ihren Mitmenschen haben. Die fünf werden Schönheiten genannt, aber wenn man die näheren Beschreibungen der einzelnen Mädchen liest, fragt man sich, warum. Eigentlich sind sie alle bestenfalls Durchschnitt, eher darunter. Vielleicht mal abgesehen von Lux.
Die Mädchen sind außerdem schlampig, alles andere als reinlich, haben schlechtes Benehmen und sind auch keine Intelligenzbestien. Sie sind weder anmutig, noch charmant oder in irgendeiner Form liebreizend. Sie sind lediglich nicht leicht zu haben, weil sie einerseits von Mama streng bewacht werden und andererseits mit der eigenen Gesellschaft genug haben. Ok, einem männlichen Teenager mit Testosteronüberschuss mag das schon begehrenswert genug sein. Andererseits sind die fünf beileibe nicht die einzigen Mädchen der Gegend. Warum die Jungs – oder ein paar Jungs, das ist nicht so recht klar – sich so derart auf sie versteifen, bleibt unverständlich. Dass sie dann auch noch Jahre später der Schwestern gedenken und eine Art Schrein in einem Baumhaus bauen ist aber schlicht und ergreifend unrealistisch!

Anfangs habe ich das Buch mit Begeisterung gelesen, denn wie gesagt, es ist hervorragend geschrieben. Aber dann stieß es mich immer mehr ab und am Ende fand ich es einfach nur widerwärtig. Die im Buch beschriebenen Personen sind keine Menschen, sondern eher Vieh, das in einer Welt agiert, die nichts Freundliches hat. Über allem liegt eine bleierne Stimmung, die den Leser auf Dauer abstößt und ihn mit einem kalten Grausen zurücklässt. Und mit Unverständnis, denn es gibt noch nicht einmal den Ansatz der Erklärung für die Ereignisse. Das Buch plätschert einfach so aus.

Am Ende habe ich mich jedenfalls gefragt, warum ich das Buch überhaupt gelesen habe. Die Mädchen waren mir unsympathisch, die Jungs fand ich dämlich, die Tragik der Ereignisse hat mich bis zuletzt kaum berührt. Klar ist mir nur, dass ich in einem Ort, in dem der Sumpf im Sommer stinkt, alles voller Fliegen ist, und die Nachbarn wie plumpe Holzfiguren agieren, nicht leben wollte. Aber das habe ich auch schon vor der Lektüre gewußt.