Montag, 9. Oktober 2017

Gebrauchsanweisung für den Wald von Peter Wohlleben

Die Wälder sind sein berufliches Zuhause, und die Arbeit mit Bäumen ist sein Leben. Bei geführten Waldwanderungen gibt der passionierte Förster und Autor Peter Wohlleben sein enormes Wissen über Bäume weiter. Seine Gebrauchsanweisung ist eine ebenso handfeste wie stimmungsvolle Entdeckungstour. Fundiert und unterhaltsam weist er ein in die wichtigsten Laub- und Nadelbaumarten: was sie kennzeichnet, welchen die Zukunft gehört, welche bei Gewitter wirklich Schutz bieten. Wie man sich im Wald auch ohne Kompass oder GPS orientiert. Welche Beeren und Pilze zu empfehlen sind; wo und was Sie sammeln, pflücken und essen dürfen. Wo Campen, Feuer machen und Grillen erlaubt sind. Wie Sie Tierspuren richtig lesen - und die besten Zeiten und Plätze, an denen man Wild beobachten kann. Wie Sie sich am natürlichsten gegen Mücken, Waldameisen und Zecken schützen. Was man mit Kindern erlebt und was bei einer Nacht allein im Wald. Wie ein Waldspaziergang im Frühjahr, im Sommer, im Herbst und im Winter zu einer besonderen Erfahrung wird.

Um es gleich vorweg zu sagen: Dieses Buch ist eine Mogelpackung. Der Inhalt hat herzlich wenig mit dem zu tun, was Titel und Klappentext versprechen. Informativ und gut geschrieben – aber eben nicht, was verheißen wird. Oder fast nicht.

Es beginnt eigentlich ganz passend: Man erfährt, wie man über einen Bach kommt, ohne nasse Füße zu kriegen. Prima. Weiter so! Doch dann wird abgeschweift. Man erfährt, dass der sog. Naturschutz eigentlich gar keiner ist, dass der sog. Wald hier in Deutschland eigentlich nur noch eine Plantage ist, dass es kaum noch einheimische Bäume gibt, dass durch Winterfütterung der Wildbestand viel zu hoch ist, weil man dann mehr zum Abschießen hat usw.
Forstwirtschaft ist inzwischen genauso auf Profit ausgerichtet, wie alles andere in unserer Welt auch. Wenn dabei etwas auf der Strecke bleibt, Pech für dieses Etwas. Das ist schlimm und ich bin da ganz beim Autor – nur, das ist nicht das, was das Buch mir versprochen hat.
Ich habe es ja gewählt, weil ich wissen wollte, was ich machen soll, wenn ich mich im Wald verlaufe. Das mit dem Moos an Baumstämmen und dass da dann Westen ist, konnte ich nach eigener Beobachtung nicht bestätigen. Und es stimmt auch tatsächlich nicht, wie ich nach 150 Seiten erfahre. Was ich dann machen soll, wenn ich mich verlaufe? Tja, da erfahre ich, dass ich mich in unseren aufgeräumten Plantagenwäldern sowieso nicht verlaufen kann! Ach ja, es hilft, wenn man immer bergab geht. Logisch, zu dieser Erkenntnis hätte ich das Buch nicht gebraucht. Aber vielleicht treffe ich im Tal dann wenigstens auf ein Bächlein, dass ich dann gemäß Kapitel 1 überspringen kann …

Ok, ein wenig Survival kommt auch vor. Aber mal ehrlich – dieses Buch ist meiner Meinung nach ein Nachklapp, um nach dem Verkauf des Bestsellers „Das geheime Leben der Bäume“ noch ein paar Cent mehr aus dem Leser zu leiern. Ja, auch hier zählt eben vor allem eins: der vom Autor doch eigentlich so angeprangerte Profit!