Montag, 25. September 2017

Die Tote im Badehaus von Sujata Massey

Eigentlich wollte die junge Rei Shimura nur ein paar entspannte Tage in den japanischen Bergen verbringen. Doch dann geschieht in dem kleinen Badehaus ihrer abgelegenen Pension ein mysteriöser Mord – und niemand scheint ein Interesse an der Lösung des Falles zu haben. Reis detektivischer Ehrgeiz, aber auch die Neugier auf einen charmanten Engländer sind geweckt …

Dieser Krimi entführt in eine eigene Welt – denn was weiß der durchschnittliche Europäer schon über Japan? Dass man dort mit Stäbchen isst und Kimonos trägt … ok, das ist jetzt übertrieben, aber die japanische Kultur und deren Ansichten und Hintergründe sind doch ziemlich unbekannt. In diesem Krimi erfährt man darüber so einiges.
Die Autorin nimmt sich die Zeit, einem die japanische Welt näher zu bringen, und das macht sie ausgesprochen gut. Vieles fasziniert, manches ruft Kopfschütteln hervor, einiges bleibt unverständlich. Insgesamt jedenfalls ein guter Einstieg.

Der Krimi als solcher ist auch nicht schlecht. Zwar habe ich mich das halbe Buch lang gefragt, warum keiner die Person, die mir sofort als Hauptverdächtige ins Auge sprang, so rein gar nicht hinterfragte. Aber zugegebenermaßen war das Motiv alles andere als offensichtlich.

Die Personen sind meistens auch gut gewählt. Vor allem Richard, der schwule Mitbewohner der Heldin, hat es mir angetan. Die Heldin und Ich-Erzählerin Rei Shimura jedoch überzeugt mich nicht so ganz. Sie ist das Kind eines Japaners und einer Amerikanerin, also bestens geeignet, die zwei Seiten der japanischen Welt zu zeigen. So weit, so gut. Auch dass sie temperamentvoll ist, finde ich wunderbar. Aber muss sie so dämlich sein, was Männer betrifft? Sie ist scharf auf den Anwalt Hugh und schläft mit ihm, nur um sich am nächsten Tag Gründe auszudenken, dass er sie nur benutzt hat und sich so da hineinzusteigern, dass man sie ohrfeigen möchte!
Auf der anderen Seite ist sie manchmal derartig schwer von Begriff, dass man nur noch die Augen verdrehen kann.
Es würde dem Buch zweifelsohne gut tun, wenn der Hauptcharakter des Buches etwas durchdachter wäre. Aber vielleicht entwickelt sie sich ja noch, denn das hier ist der Auftakt einer Serie.

Die Lovestory, ohne die es heutzutage offenbar nicht mehr geht, ist ein wenig grenzwertig, aber erträglich.
Insgesamt also nette Unterhaltung. Und mehr muss es ja auch nicht sein.