Montag, 7. August 2017

Ein Festtag von Graham Swift

Jane, das junge Dienstmädchen von Beechwood, und Paul, der Spross aus begütertem Haus, haben ein Verhältnis. Heimliche Botschaften, verschwiegene Treffen, doch heute, an diesem sonnigen Märzsonntag 1924, darf Jane – Familie und Dienerschaft sind ausgeflogen – ihr Fahrrad einfach an die Hausmauer des Anwesens lehnen, durchs Hauptportal herein und ins Bett ihres Geliebten kommen. Ein erstes und ein letztes Mal, denn Paul wird bald – standesgemäß – heiraten. Später, gegen Mittag, wird sie leichtfüßig und nackt durch das weitläufige Haus streifen, beseelt von der rauschhaften Innigkeit dieses herausgehobenen Morgens und nicht ahnend, dass ihr Leben am Ende dieses Tages zu zerbrechen droht.
Viele Jahrzehnte später blickt sie zurück und erzählt: von einer Tragödie und zugleich einer wundersamen Entfaltung. Schwebend verschränkt Swift Gegenwart und Vergangenheit, erzählt fein und makellos von einem Leben, in dem alle Grenzen bedeutungslos wurden. Schillernd, unerhört und sinnlich.


Eines gleich vorweg: Wer Action erwartet oder seine Bücher nur auf Handlung liest, sollte die Finger von diesem Buch lassen.
Dieses Buch lässt sich Zeit. Dem Autor ist es viel wichtiger, den Moment auszukosten und zu beschreiben, als die Handlung voranzutreiben. Das ganze kleine Buch - es ist ein relativ kurzer Text - ist ein einziger innerer Monolog von Jane Fairschild. Dementsprechend springt die Handlung hin und her, dreht sich im Kreis, kehrt immer wieder zu früher gesagtem (gedachtem?) zurück. Dafür findet Swift eine sehr schöne Sprache. Bei der Gelegenheit sei gleich auch ein großes Lob an Susanne Höbel ausgesprochen, die den Text so wunderbar und behutsam ins Deutsche übersetzte. Einzig in den erotischen Szenen hätte ich mir mehr Einfühlsamkeit gewünscht. Wobei ich zugegebenermaßen nicht weiß, ob nicht auch im Original die Begriffe ins Plumpe abrutschen, sobald es aufreizend wird. Um so verwunderlicher ist das Ganze, weil die Handlung nicht von der jungen Jane erzählt wird, die damals ein einfaches Dienstmädchen war und die Welt der Bücher gerade erst für sich entdeckte. Es ist vielmehr die neunzigjährige Jane, die inzwischen eine gefeierte Autorin erotischer Bücher ist.

Schade ist auch, dass das Buch einfach plötzlich endet. Zugegeben, Gedanken plätschern vor sich hin und finden nie ein wirkliches Ende - niemand kann plötzlich aufhören zu denken. Ein etwas bewußterer Schlusspunkt wäre jedoch schön gewesen.

Aber mal abgesehen davon: Dies ist leise Literatur mit viel Tiefgang. Literatur ohne große Höhepunkte und nervenaufreibende Spannung, aber das hat der Autor so auch nicht gewollt.
Ein Wohlfühlbuch, das den Leser nachdenklich zurücklässt. 








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