Montag, 19. Juni 2017

Somnia von Christoph Marzi

New York: die Stadt, die niemals schläft. Gotham: die uralte Metropole an den Gestaden der neuen Welt. Schneesturmgeborene Wölfe streifen durch Manhattan, Kinder verschwinden vom Antlitz der Stadt, Träume werden zu tödlichen Fallen, Eis befällt klirrend die Flüsse. Scarlet Hawthorne, die orientierungslos und ohne Gedächtnis in einem Park erwacht, wird durch die Nacht gejagt und findet Zuflucht bei Anthea Atwood, einer liebenswürdigen alten Dame, die sie hinab in die Tunnel jenseits der U-Bahn führt. Dort stößt Scarlet auf das Geheimnis, das hinter ihrer eigenen Herkunft steckt, und sie muss erkennen, dass es keine Zufälle gibt, nicht in ihrem Leben und auch nicht im Schicksal der ewig schlaflosen Stadt ...

Nach der Lektüre der drei Vorgängerbände Lycidas, Lilith und Lumen ist Somnia doch ziemlich enttäuschend. Das hat drei Gründe: Erstens sind die Whitechapel-Aufstände und die Revolte in London 10 Jahren hinlänglich bekannt und hätte kürzer behandelt werden können. Zweitens fiel dem Autor nichts Besseres ein, als wieder einmal Kinder verschwinden zu lassen. Und drittens trifft man zahlreiche alte Bekannte, aber sie benehmen sich jetzt oftmals völlig anders, haben zum Teil ganz andere Charakterzüge. Natürlich ist klar, dass sie älter geworden sind, und sich weiterentwickelt haben, aber damit lässt sich das nicht erklären. Die früher recht sympathische Emily zum Beispiel ist jetzt eine misstrauische und arrogante Lady geworden. Schade. Aber so schlecht sollte das Gedächtnis eines Autors ja nun wirklich nicht sein.

Andererseits sollte man die Teile 1-3 wirklich schon gelesen haben, um überhaupt mitzukommen. Da werden etwa offene Zusammenhänge aus den letzten Büchern geklärt, mit denen man ohne Kenntnis der Vorgeschichte überhaupt nichts anfangen kann.

Dazu kommt, dass die Heldin dieses Buches, Scarlet Hawthornes, mich nicht wirklich berührt hat. Vielleicht liegt es daran, dass ich das Buch als etwas langatmig empfunden habe. Nach den ersten zwei Dritteln wird es dann turbulent, ja, sogar überstürzt. Das Ende ist dann unbefriedigend und unspektakulär.

Alles in allem, wie schon gesagt, enttäuschend.



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen