Montag, 22. Mai 2017

Anima von Wajdi Mouawad

Ein Mann auf der Suche nach dem Mörder seiner Frau. Er fand sie, auf brutale Weise ermordet, in seinem Haus in Montréal vor. Die Polizei kann zwar die Identität des Mörders rasch feststellen, ihn aber aus undurchsichtigen Gründen nicht verfolgen. So begibt der Mann sich selbst auf die Suche nach dem Schuldigen und auf eine Odyssee, die ihn quer durch Nordamerika führt, von Kanada bis nach Neumexiko – und trifft vor allem auf seine eigene erschütternde Geschichte. Von seiner Odyssee erzählen Tiere: Katze, Goldfisch, Fuchs, Möwe, Bär und viele mehr. Sie sind die Zeugen des menschlichen Dramas, sie beobachten aus ihrer Perspektive ein ungeheuerliches Leben. Ein gewaltiges Epos, ein unvergesslicher Thriller, voller Furor und Poesie – abgründig und einzigartig.

Dieses Buch zu beurteilen ist nicht ganz einfach. Die Idee, einen Krimi von Tieren erzählen zu lassen, ist genial. Am Anfang jeden Kapitels nur den lateinischen Namen des Tieres zu setzen ist jedoch ärgerlich. Ständig ist man am Blättern.
Von der Spinne über die Lachmöwe hinzu Hunden, Katzen und sogar einem Affen ist alles dabei. Im Großen und Ganzen ist das auch einigermaßen gut umgesetzt – das Insekten so tiefsinnig sind und mehr über Leben und Welt philosophieren als zum Beispiel Katzen glaube ich allerdings nicht. Und dass alle so ziemlich denselben Wortschatz haben, fand ich auch enttäuschend.

Der Autor kann schreiben, definitiv. Und auch die Story ist im Prinzip recht spannend und fesselnd entwickelt.

Aber!!! Das wirklich Treibende im Buch ist nichts davon. Denn immer, wenn man denkt, jetzt wird es interessant, jetzt geht es voran, denn findet der Autor garantiert, dass es mal wieder Zeit ist, knietief in Blut zu waten, und Ekel, Abscheu, Entsetzen, Scham und Grauen zu verbreiten. Ich kann mich nicht erinnern, jemals so etwas Perverses und Grausames wie dieses Buches gelesen zu haben.
Erst dachte ich ja noch, dass der Hintergrund dafür eine Gegenüberstellung ist – brutale und abartige Menschen auf einer Seite, Tiere mit ihren angeborenen Instinkten und Hemmungen auf der anderen. Aber nein, Grausamkeit und Gnadenlosigkeit auf beiden Seiten.

Will ich wirklich wissen, wie es eine Boa triumphal genießt, wenn in ihrem Inneren ein Kaninchen langsam erstickt (abgesehen davon, dass eine Boa das wohl kaum genießt)? Oder will ich in allen Einzelheiten geschildert bekommen, wie ein Mann Frauen ein Messer mehrfach in den Unterleib rammt, weil er sich langweilt?
Nein, will ich nicht. Ehrlich gesagt glaube ich, dass der Autor ein echtes Problem hat und vielleicht mal mit jemandem über seine Gewaltfantasien reden sollte.

Eigentlich ist dieses Buch nichts weiter als Splatter mit etwas besserem Sprachgefühl und einer faszinierenden Grundidee. Letztere sind auch der Grund, dass es immerhin noch zwei Sterne von mir gibt. Genaugenommen fühle ich mich dabei jedoch alles andere als gut, denn der Inhalt hat keinen einzigen Stern verdient.


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