Montag, 27. März 2017

Franklin Booth - der Maler mit dem Federhalter


Franklin Booth war ein Illustrator, der Werbeplakate malte und Bücher illustrierte. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts machte er sich mit tausenden Magazin- und Buchillustrationen einen Namen. Ja und? Und - Franklin Booth hatte eine Schwäche für Elfen, Meermädchen und Feen. Und er zeichnete sie auf ganz besondere Weise: Er schuf Gemälde - mit dem Federhalter.


Jeder Ton der enorm detaillierten Bilder ist in unzählige mehr oder minder parallel verlaufende Linien aufgelöst. Aus ihnen erwachsen geheim­nisvolle Strukturen, deren Linien in keineswegs zu­fällig wechselnden Winkeln aneinander gesetzt sind. Eng nebeneinander verlaufende Linien machen einen glau­ben, man habe eine extrem feine Radierung vor sich. Aber es ist nicht nur Booths beeindruckende technische Virtuosität, die einen gefangennimmt. Genauso begeistert er als Komponist geheimnisvoller Träume und Welten, die in ihrer Harmonie durchweg unirdisch, aber keineswegs kitschig erscheinen. Franklin Booth war nicht bloß Illustrator, sondern Schöpfer von Visionen, die fast schon musikalische Anklänge haben.

Jay Franklin Booth wurde am 8. Juli 1874 in Carmel, Indiana (USA) ge­boren und wuchs dort auf einer Farm auf. Sein Interesse fürs Zeichnen und Malen zeigte sich bereits früh, und er verbrachte viel Zeit damit, Gebäude und Tiere der Ge­gend zu skizzieren. Bereits als Teenager hatte er ein derart hohes zeichnerisches Niveau erreicht, daß er an einer örtlichen Sonntagsschule unterrichten durfte.

In dieser ländlichen Gegend, die kaum Möglichkeiten für Abwechslung und Un­terhaltung bot, verbrachte der junge Frank­lin seine Freizeit gerne mit der Lek­türe der damals üblichen Magazine, also etwa „Scribner's" oder „Harper's“. Die Bilder, die er in diesen Magazinen sah - etwa von Gustave Doré, Howard Pyle, Edwin Austin Abbey -, entsprachen keineswegs dem, was die Illustratoren ab­ge­liefert hatten, denn die photographische Reproduktion steckte noch in den Kin­derschuhen. Die Halbtonbilder mußten von Graveuren in Holzplatten geschnitten werden, jeder Ton in parallele Linien und Kreuzschraffuren aufgelöst - das erforderte eine sichere Hand und ließ keine Fehler zu. Schaut man sich heute etwa Illustrationen von Bildern Gustave Dorés an, staunt man, welch handwerkliches Können dahinter steckt. Von Künstlern, die nie genannt wurden und in der Anonymität wahre Meisterwerke schufen.
Franklin Booth aber, der von den technischen Hintergründen der Bildreproduktion keine Ahnung hatte, begann diese faszinierenden Linienstrukturen, die er da sah, mit Feder und Tusche zu imitieren und so seinen detailierten Stil zu ent­wickeln. Als Booth um die Jahrhunderwende be­gann, professionell als Illustrator bei der "Indianapolis News" zu arbeiten, war die Technik gerade reif für ihn: Endlich war es mög­lich, dank photographischer Technik lineare Illustrationen auf Druckplatten zu übertragen und dabei auch noch in der Größe anzupassen. Nun war jede ge­zeichnete Linie druckbar, also auch Booths detailliertes Linienwerk.
Franklin Booth enormes Können wurde bald auch von anderen Verlegern ent­deckt; bald illustrierte er unzählige Magazine und Bücher, wobei er gelegentlich auch eigene Lyrik dekorierte.
1913 erreicht er den Höhepunkt seiner Karriere, als er für das Buch "The Flying Islands of the Night" von James Whitcomb Riles neben einigen Federzeichnungen 16 farbige Bilder beisteuerte. Danach wurden seine Veröffentlichungen langsam weniger und nach 1917 sogar ziemlich selten. Er konzentrierte sich auf Cover und Anzeigenillustrationen für "Cosmo­po­litan", "Elks Magazine", "Harper's Magazine", "The Ladies' Home Journal", "Pictorial Review", "Redbook", "The Saturday Evening Post" und "Scribner's Magazine", die damals führenden Magazine. Seine Anzeigen für die Estey Organ Company zählen zu seien herausragendsten Bildern.

Nach 1930 gibt es praktisch gar keine neuen Arbeiten mehr von Franklin Booth. Sein Augenlicht ließ mehr und mehr nach und er konnte nicht mehr in dem gewohnt detaillierten Stil arbeiten. Deshalb wandte er sich mehr und mehr der Lehrtätigkeit zu. Über 20 Jahre lehrte Frank­lin Booth an der News York Phoenix School of Design, deren Mitbegründer er 1925 war. 1946 ging er aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand und starb am 25. August 1948.

Obwohl heute eigentlich nur Kennern ein Begriff, wurde Franklin Booth nicht nur zu seiner aktiven Schaffenszeit häufig imitiert; seine Bedeutung reicht bis in die heutige Zeit. Bernie Wrightsons "Frankenstein“-Bilder sind ohne ihn undenkbar, ebenso wie der holzschnittartige Stil eines Alfredo Alcala. Auch Roy Krenkel, Mark Schultz, Gary Gianni, Frank Cho nennen Franklin Booth ihr wichtigstes Vorbild.

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