Montag, 6. Februar 2017

Das Kasermandl

Wie der Name schon vermuten lässt, das Kasermandl – auch Kasermanndl geschrieben - hat mit Käse zu tun. Gemeint ist aber nicht der berühmte Tiroler Hartkäse, sondern ein gefürchteter Bergkobold.
Das Kasermandl lebt in Tirol und den Salzburger Alpen. Mit Vorliebe zieht es in die nach dem Almabtrieb verlassenen Sennhütten ein und ahmt die Tätigkeiten des Senners nach: Es treibt sein eigenes, unsichtbares Vieh  aus, melkt es und – macht Käse (unsichtbaren).
Das alles geschieht unter viel Gejohle und Gepolter des Mandls.
Störungen nimmt das Kasermandl ziemlich übel. Darum ist es ratsam, sich mit Rufen anzukündigen, wenn man an eine leerstehende Almhütte kommt, und niemals einzutreten, ohne vorher anzuklopfen. Damit gibt man dem Kasermanndl Gelegenheit, sich, sein Geistervieh und seinen Geisterkäse zu verstecken. Und dann hat man auch nicht zu befürchten, daß er seinen Ärger an einem ausläßt. Womöglich ist er einem sogar dankbar und zeigt sich erkenntlich.
Ein solches Verhalten ist aber kaum ein ausreichender Grund, um den Berggeist zu fürchten, oder? Oder ist es wirklich gar so schlimm, wenn man das Kasermandl verärgert? Nun, in der Regel heißt das Kasermandl den Störenfried sich hinsetzen und mitzuessen. Das ist doch eigentlich ganz nett! Wenn man dann aber seinen ekelhaft riechenden kohlrabenschwarzen Brei vor sich in der Schüssel hat und ihn allen Ernstes essen soll, dann sieht man das schnell ganz anders. Aber will man blaue Flecken vermeiden, sollte man das Zeug irgendwie hinunterwürgen.
Angeblich soll es ja helfen, wenn man ein Kreuz über dem Brei schlägt. Er verwandele sich dann in einen leckeren Krapfen. Wahr dürfte eher sein, dass das Kasermandl seinem Opfer bald verrät, dass es in Wirklichkeit einen Krapfen vor sich hat und der schwarze Brei nur Blendwerk ist. Oder aber die wahre Natur des Breis wird offenbar, wenn man sich dazu durchgerungen hat, ihn einmal zu kosten – und merkt, dass er süß und köstlich ist.
Dann hat das Kasermanndl seinen schlechten Ruf also zu Unrecht? Irgendwie schon. Es beschenkt einen nicht mit Gold,und nimmt einem keine Arbeit ab. Es will vor allem eins: Seine Ruhe. Aber zu Menschen, die es verdienen ist es eigentlich ganz freundlich. Genaugenommen ist ein altes Volkslied schuld, daß das Kasermandl so in Verruf kam. Dieses hier:

Auf der Umbrückler Alm
 1. Strophe:
Auf der Umbrückler Alm hockt a Kasermandl.
Dös hockt ganz verstohln hinter an Eisenpfandl.
A ganz a kloans Lötterl, dös kocht dir a Muas, ja,
und wenn du davon ißscht, hasch 's Gsicht voller Ruaß.
Den bringscht nimmer weg, do kannst tuan, was du willscht,
wenn d' nit in die Schüssel an Weichbrunnen füllscht.
Vor allen bösen Geistern und bösen Weibern und alls söllen Zuig,
was umalaft, verschone uns in Ewigkeit.
2. Strophe:
Auf der Höttinger Alm hockt a Kaserweibl.
Dös hat auf die Zottlan a wollerns Häubl.
Und wenn d' die z'gleim hinhocksch und 's Gsicht umibiegsch, ja,
da kann da passieren, daß'd in Hexenschuß kriagsch.
Den bringscht nimmer weg, do kannst tuan, was du magst,
wenn d' nit unterm Leibl an Skapulier tragst.
Vor allen bösen Geistern und bösen Weibern und alls söllen Zuig,
was umalaft, verschone uns in Ewigkeit.
3. Strophe:
Aber dös isch no gar nix: im Oberland obn,
da sitzt a kloans Ganggerl ganz gleim bei an Grobn,
mit a kohlschwarzn Larven und glienige Augen, ja,
da siegst bald den Himmel, bald die Höll' außerschaugn.
Der Ruaß und der Hexenschuß, dös war no a Leichts,
aber kimmsch dem in die Kralln, ja, da hilft dir nix G'weichts.
Vor allen bösen Geistern und bösen Weibern und alls söllen Zuig,
was umalaft, verschone uns in Ewigkeit.
 Davon, dass es auch Kaserweibl gibt, ist übrigens nichts bekannt. Die gibt es auch nur in diesem Lied. Ein Kobold, der die Einsamkeit so liebt, wie das Kasermandl, wird sich auch nicht so schnell mit einer Frau einlassen, oder?

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