Montag, 2. Januar 2017

Wassermusik von T. C. Boyle

Der schottische Afrikaforscher Mungo Park begibt sich Ende des achtzehnten Jahrhunderts auf die Suche nach dem Niger. Auf der Tour de Force sind außerdem dabei: Huren, Schläger, Kannibalen, Stammesfürsten und Glückritter. Eine humorvolle groteske Abenteuerreise durch das ferne Afrika.

Eines kann man sagen: T. C. Boyle kann schreiben. Die sprachliche Schönheit, kombiniert mit einer Erzählweise, die die Gradwanderung zwischen Beschreibungen bis ins kleinste Detail geht und humoristischen (manchmal recht derben) Einwürfen perfekt beherrscht, ist schon etwas Besonderes. So verschachtelte Sätze wie den eben jetzt findet man übrigens häufig. Ich mag so etwas.
Aber ich mag auch Bücher, bei denen ich mich am Ende nicht fragen muss, warum ich das eigentlich gelesen habe. Eine Story mit einem richtigen Ende? Ein Höhepunkt, auf den alles zusteuert? Spannung mit einer Lösung am Ende? Nicht wirklich. Faszinierende neue Einblicke? Wirklich Wissenswertes? Nein.

Die Handling hat drei Stränge. Zwei hängen zusammen, warum es den dritten gibt, wurde mir bis zum Schluss nicht klar. Interessante Ansätze gab es auch eine menge. Zum Beispiel als Ailie die Welt des Mikroskops entdeckt. Aber anstatt daraus etwas zu machen setzt sie sich lieber hin und macht, was sie eigentlich das ganze Buch hindurch macht. Sie wartet auf Mungo Park.
Und der sucht den Niger, findet ihn, scheitert aber eigentlich, zieht nochmal los … und lernt dabei nichts dazu. Sein Charakter ändert sich nicht, er wächst nicht an seinen Problemen, entwickelt sich nicht weiter. Und der dritte im Bunde, Ned Rise, von dem ich, wie schon gesagt, nicht weiß, warum er überhaupt vorkommt, bleibt auch immer der kleine Lump, der er von Anfang an war. Auf 700 Seiten wird letztlich von Menschen berichtet, die einem am Ende so egal sind wie am Anfang.
Die einzige wirklich berührende Figur im Buch ist Johnson. Er atmet und lebt, man nimmt Anteil an seinem Schicksal – das aber schon im ersten Drittel des Buches damit zu enden scheint, dass ihn ein Krokodil frisst.

Insgesamt hat dieser Roman für mich nicht so recht einen Sinn gemacht. Da hilft auch die Schönheit der Sprache nicht. Ein eher enttäuschendes Leseerlebnis also. 


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen