Montag, 14. November 2016

Die zehntausend Dinge von Maria Dermout

Eine alte Gewürzplantage auf einer indonesischen Insel, die wispernde und raschelnde tropische Pflanzenwelt, das geheimnisvolle Säuseln des Meeres – dieses paradiesische Fleckchen Erde muss Felicia als Kind verlassen. Doch niemals wird sie die Worte ihrer Großmutter, der Plantagenbesitzerin, vergessen, die ihr zum Abschied sagt: »Auf Wiedersehen, Enkeltochter, ich warte hier auf dich.« – Jahre später kehrt Felicia, inzwischen Mutter eines kleinen Sohnes, in den »Kleinen Garten« zurück: Auch Himpies wächst unbeschwert heran, streift über die Plantage und lauscht den Geschichten der einheimischen Dienstboten, bis sich eines Tages eine Tragödie ereignet. In ihrem Roman beschwört Maria Dermoût eine exotische Welt, in der die zeitlichen Grenzen aufgehoben sind, die Vergangenheit so mächtig ist wie die Gegenwart, die Toten kommen und gehen und kleine Objekte große Geschichten erzählen. Ein traumverlorener Blick auf ein weit entferntes, exotisches Land, auf eine längst untergegangene Welt – Wehklage und Ode auf das Leben zugleich.

Eines ist klar: Diesem Buch muss man Zeit lassen.Erst auf Seite 29 beginnt die eigentliche Handlung und die wird gemächlich erzählt, mit ein paar Schlenkern, ein paar Kurven, einigen Ablenkungen.
Wer also ein Buch nur auf Handlung und auf Spannung liest, wird mit diesem hier gar nichts anfangen können.
Liebhaber jedoch von bildlicher Sprache und sprachlich eingefangenen Atmosphären, Stimmungen und Flair werden dieses Buch lieben. Man kann die Gewürze auf der Insel förmlich riechen, die Wellen des Meeres an die Prau schlagen hören oder die Menschen vor sich sehen, die abends beisammen sitzen und über die Frau vom Kleinen Garten tuscheln.
Und doch – Wieviel Stimmung und Atmosphäre kann ein Mensch ertragen? Ich muss zugeben, dass es mir manchmal doch ein wenig sehr lang wurde, auf den nächsten Handlungsschritt zu warten. Und dann musste ich feststellen, dass tatsächlich schon etwas passiert ist, aber weil die Sprache keinen Unterschied machte und immer weiter gleichmütig dahinfloss, ging das völlig unter. Das hier ist ein Buch. Kein Film, keine Urlaubsreise.
Und so sehr ich die Beschreibungen genossen habe, ein kleines bisschen mehr Gewicht auf das Geschehen zu legen, hätte dem Buch nicht geschadet.


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