Montag, 21. November 2016

Augustus von John Williams

Octavius ist neunzehn, sensibel, wissbegierig, und er will Schriftsteller und Gelehrter werden. Doch als Großneffe und Adoptivsohn Julius Cäsars fällt ihm nach dessen Ermordung ein gewaltiges politisches Erbe zu: Ihm, der von schwächlicher Konstitution aber enormer Willenskraft ist, wird es durch Glück, List, Intelligenz und Entschlossenheit gelingen, das riesige Römische Reich in eine Epoche des Wohlstands und Friedens zu führen.

Williams schildert das Wirken und Leben dieses außergewöhnlichen Mannes, des späteren Kaiser Augustus‘, in dramatischen Szenen, so plastisch, so mitreißend, als würden die Geschehnisse sich in unseren Tagen ereignen.
Überwiegend fiktive Briefe und Notizen, Erinnerungen und Senatsprotokolle lassen die Person eines Herrschers lebendig werden, dem das Schicksal Macht und Reichtum in vorher ungekanntem Ausmaß zuspielte. Aber er, der sich zum Gott erheben ließ, sieht am Ende, von Frau und Tochter entfremdet, dem Tod so ungeschützt entgegen, wie jeder Mensch – als das »arme Geschöpf, das er nun einmal ist.« Auch dieser historisch-biographische Roman fügt sich in das schmale aber außerordentliche Werk des posthum durch ›Stoner‹ weltberühmt gewordenen Autors, in dessen Mittelpunkt die tiefgreifende Frage steht, was es heißt, ein Mensch zu sein.

Ich habe bisher lediglich ‚Stoner‘ von diesem Autor gelesen und ich muss gestehen, ich fand ihn etwas langatmig und längst nicht so spannend, wie alle Welt behauptet.
Mit Augustus wollte ich ihm aber eine zweite Chance geben. Wenn die Mehrheit der Leser von ihm begeistert ist, liegt es ja vielleicht an mir … nein, tat es nicht.
Der Anfang war ja wirklich noch ganz interessant. Ein wenig anstrengend, ja, weil man praktisch haufenweise mit Figuren bombardiert wird. Aber die Zeittafel und das Personenregister am Ende des Buches helfen und mit der Zeit liest man sich ja ein und lernt die einzelnen Personen kennen.
Aber es dauerte nicht lange, da wurde das Ganze zäh wie alter Kaugummi. Briefromane sind zugegebenermaßen nicht gerade leicht zu schreiben – und das hier ist noch nicht einmal ein Briefroman. Es ist eine Sammlung von Briefen verschiedener Personen an verschiedene Personen sowie Eintragungen in Tagebücher, Protokolle, Fragmente, Gedichte usw.
Alle – und das ärgert mich am meisten – klingen gleich. Wenn man verschiedene Personen zu Wort kommen lässt, sollten sie unterschiedlich klingen. Kein Mensch schreibt wie der andere, und damit meine ich nicht die Handschrift, sondern dass jeder sich anders ausdrückt. Auch bei den alten Römern hatte jeder so seinen Stil. Dass man sich durch die Bank möglichst sperrig ausdrückt, macht es nicht authentischer.

Ich wusste schon bei 'Stoner' nicht, warum der Autor so mit Lorbeeren überhäuft wird. Ich weiß es jetzt noch weniger als zuvor.


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