Montag, 18. Juli 2016

Tante Poldi und die Früchte des Herrn von Mario Giordano


Tante Poldi ist sauer: Zuerst wird ihr das Wasser abgestellt, dann auch noch der Hund ihrer Freundin um die Ecke gebracht. Kreizsacklzement! Erste Ermittlungen führen sie zum Winzer Avola. Und der ist auch noch so hammer-attraktiv, dass die Poldi nach einer heißen Nacht prompt ihre Ermittlungen vergisst.

Bis am nächsten Morgen die Polizei vor Avolas Tür steht. Denn zwischen seinen Reben wurde eine Leiche gefunden, und Commissario Montana ist alles andere als erfreut, dass ausgerechnet Poldi Avola ein Alibi geben kann. Außerdem bleibt die Frage: Wer hat Giuliana getötet - und warum?

Erstmal muss ich gleich gestehen, dass ich den ersten Teil dieser Krimireihe nicht gelesen habe. Gestört hat es nicht allzu sehr.

Die Protagonistin ist ein bayerisches original mit Ecken und Kanten, erfrischend geradeheraus und mit ihren sechzig Jahren erfreulich aktiv, auch was das zwischenmenschliche, und vor allem „Dings“, wie sie es nennt, angeht.

Erzählt wird das Ganze von ihrem Neffen, dem sie wiederum alles berichtet und das kann schon mal nerven. Ein Ich-Erzähler, der bei Dreivierteln des Buches nicht dabei ist und eine Tante, die einschließlich Dialoge anscheinend alles wie ein Computer abgespeichert hat, na ja.
Aber wirklich nervig fand ich, dass mit den 'humorvollen' Bemerkungen so übertrieben wurde. Wobei ich genaugenommen die unsäglich vielen Wiederholungen meine. Ich hab schon kapiert, dass die Tante etwas von Liebe versteht. Und dass sie etwas von Lebensart versteht. Und das sie etwas von Kerlen versteht …und von Kunst, von Freiheit, von Improvisation, vom Essen, vom Trinken (das ganz besonders), von sachlicher Kritik (sicher nicht) usw.
Und weil wir schon bei Wiederholungen sind: Muss ihre französische Freundin denn unbedingt in jeden Satz „mon dieu“ einflechten? Die Tante selbst hätte ich am Ende liebend gern gewatscht für ihr ständiges „gell“ (kein Bayer sagt 'gell' – das sind die Schwaben!).

Außerdem wäre es schön, wenn der Autor bei der Sache bleiben könnte. Hin und wieder ins Nebensächliche abschweifen ist ja ganz schön, aber wenn es zu oft geschieht, so wie hier, stört es einfach den Lesefluss. Ich gestehe, ich habe diese Episoden auch öfter mal übersprungen.

Der Krimi selbst ist eigentlich Nebensache. Die Aufklärung zieht sich hin, obwohl die Lösung offensichtlich ist, spätestens, wenn zum ersten Mal die Geschichte vom Hasen und dem Igel erwähnt wird. Auch dieser Hinweis wird übrigens ständig wiederholt. Anscheinend traut der Autor seinen Lesern nicht sonderlich viel zu.
Wer aber nicht viel Wert auf die Handlung legt, sondern lieber von einer krachledernen Bayerin in Sizilien liest (warum die sich übrigens immer zusaufen muss, geht mir nicht ein, dabei bin ich selber Bayerin), und nicht allzu viel Tiefe sucht, der ist hier gut bedient.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen