Montag, 27. Juni 2016

Steinroller: Der Steinzeit-Kommissar von Martin Lassberg


Ein ziemlich platt gedrückter Mensch liegt im Gras. Zertreten von einem Mammut? Sieht nicht so aus. Ermordet? Schon eher. Der erste Fall für den jungen Kommissar Steinroller hat es in sich. Zum Glück hat ihn irgendein Darwinistischer Zufall mit ziemlich viel Grips ausgestattet. In einer Welt, in der Konflikte immer noch mit der Keule ausgetragen werden, eher ein Problem. Aber nützlich, wenn man eine Frau liebt, die Intelligenz erotisch findet. Und wenn man herausfinden will, wer den eigenen Stamm bedroht. Auf der Jagd nach dem Täter macht Kommissar Steinroller seinem Namen alle Ehre und vollbringt nebenbei eine historische Tat: die Aufklärung des ersten Mordfalls der Menschheitsgeschichte.

Ich war ja ein bisschen skeptisch. Muss jetzt auch noch Fred Feuerstein unter die Detektive gehen? Aber da tat ich dem Autor furchtbar Unrecht. Denn statt an die Familie Feuerstein erinnerte mich der Roman in Sachen Witz und Niveau eher an Asterix und Obelix: Humorvoll und manchmal auch ein wenig nachdenklich und philosophisch.

Natürlich kann niemand wissen, wie das Leben damals wirklich war. Dafür gibt es einfach zu wenige Quellen. Und so ist es sicherlich eine gute Idee, gar nicht erst zu versuchen, dieses Leben realistisch nachzubauen. Dabei müsste man letztlich ganz sicher scheitern. Stattdessen geht es der Autor frech und schnurrig an, erfindet mal eben einen schwulen Modedesigner mit einem Schweinchen als Haustier, der von der Sippe eher belächelt wird, eine Ehefrau, die Handtaschen über alles liebt und eine Vegetarierin. Es gibt Probleme mit Drogenabhängigen, Empfängnisverhütung und penetranten Schwiegermüttern. Außerdem wird man Zeuge, wie mal eben der Schlitten erfunden wird, das Taschenmesser oder auch das Spiel „Jäger ärgere dich nicht“. Martin Lassberg schöpft aus dem Vollen, wie man es nur bei einem Erstroman zu einem neuen Thema tun kann. Und er macht es großartig. 
Daneben vergisst er aber auch nicht, dass das Leben damals oft grausam war und der Verlust eines Menschenlebens einen ganz anderen Stellenwert hatte, als heutzutage.
Der zu klärende Mord wirkt mehr als roten Faden, der sich durch die Handlung zieht, denn als Hauptanliegen. Trotzdem ist er spannend, komplett mit falschen Fährten und Nebensträngen und letztlich glaubhaft gelöst.

Alles in allem ist „Steinroller“ ein so unterhaltsamer wie kurzweiliger Roman. Mal sehen, ob da noch mehr kommt. 


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