Montag, 30. Mai 2016

Apollo (Alex-Benedict-Roman, Bd. 7) von Jack McDevitt


Der Fund eines alten NASA-Artefakts im Nachlass eines Archäologen bringt den Antiquitätenhändler Alex Benedict auf den Plan. Warum hat der Verstorbene den Fund nie öffentlich gemacht? Und gibt es noch weitere? Mit seiner Assistentin Chase Kolpath fliegt Alex Benedict zur Erde, doch schnell wird klar, dass jemand mit allen Mitteln versucht, sie an dem Erfolg ihrer Mission zu hindern. Und die Zeit drängt: Alex Benedict muss rechtzeitig zurück im Rimway-System sein, wo das Raumschiff Capella, das vor sechzehn Jahren in einer Raum-Zeit-Schleife verschwand, für kurze Zeit wieder auftauchen soll — eine Chance auf Rettung der Capella, die sich nur alle 5,5 Jahre bietet …

Dies ist nicht mein erster Alex-Benedict-Roman. Ich bin zwar kein eingefleischter Fan, aber bisher hat mir, was ich von Jack McDevitt schon gelesen habe, immer gut gefallen. Ich habe mich dementsprechend schon sehr auf dieses Buch gefreut.

Aber dieser Roman ist eine Zumutung. Ein extrem dünner Plot, der noch nicht einmal zufriedenstellend aufgelöst wird, aufgepumpt mit Landschaftsbeschreibungen und einer Hymne, wie toll doch die Amerikaner sind. Ach ja, und mit Beschreibungen des 'Goldenen Zeitalters'. Das ist die Zeit, in der wir gerade leben und mal ehrlich: Wozu brauche ich eine Beschreibung der Erfindungen, die in unseren Tagen gemacht werden und die ich täglich nutze? Und nach der fünften Erwähnung, dass die Apollo 11 am 21. Juli 1969 auf dem Mond landete, und dass der erste Mensch auf dem Mond Neil Armstrong war, hätte ich liebend gern dem Autor zugeschrien: „Das weiß ich! Ich hab's im Fernsehen live gesehen!“
Dem Goldenen folgte das 'Dunkle Zeitalter' und das wird auch noch ein bisschen beschrieben. Aber immer, wenn es interessant wird, muss abgebrochen werden, weil die Nachweise fehlen. Komisch. Vom 'Goldenen Zeitalter' gibt es davon anscheinend genug. Dabei sind in einer Zeit des Chaos die ersten Dinge, die verlorengehen, die aus dem unmittelbaren Zeitabschnitt davor.
Von einem Autor mit McDevitts Renommee hätte ich jetzt schon eine bessere Ausrede erwartet, wenn er es schon nicht schafft, sein eigenes Gedankengebilde ordentlich zu durchdenken und zu strukturieren.

Alex Benedict wird gern der 'Indiana Jones der Zukunft' genannt. In diesem Band würde ich ihn eher als lustlosen Klinkenputzer bezeichnen. Ein Anschlag auf sein Leben (und das seiner Assistentin Chase) geschieht so zufällig und nebenbei, dass man das Gefühl hat, das er nur reingeschrieben wurde, weil in jedem Alex-Benedict-Roman der Held einmal in Lebensgefahr gerät. Auch eine Romanze, die Chase hat, wird eher oberflächlich behandelt.
Der Klappentext (jemand will sie mit allen Mitteln aufhalten ... die Zeit drängt ...) ist so etwas von irreführend, dass es an eine Lüge grenzt. Von 'aufhalten' kann kaum die Rede sein und die Zeit drängt schlicht und ergreifend überhaupt nicht.
Da ist kein Drama und keine Spannung. Es gibt die üblichen falschen Fährten und Sackgassen, aber keinen Aha-Effekt, wenn das Ganze aufgelöst wird. Selbst als der lange totgeglaubte Onkel nach Jahren in einer Zeitschleife endlich zurückkehrt, wird das Wiedersehen eher geschäftsmäßig abgewickelt. Alles wirkt leb- und lieblos, als hätte es der Autor lustlos runtergeschrieben, damit da halt noch ein Buch mehr ist.

Vielleicht liegt es ja auch am Alter - Jack McDevitt ist 1935 geboren und damit immerhin schon 81. Aber dann sollte er vielleicht die Konsequenzen ziehen und aufhören, an dieser Serie weiter zu schreiben.

Ob ich das nächste Buch der Alex-Benedict-Serie, sollte es eines geben, noch lesen werde, weiß ich nicht. Dieses hier ist jedenfalls uninteressant und, ich nenne es mal beim Namen, langweilig.


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