Montag, 21. März 2016

Die Murdstone-Trilogie von Mal Peet


Eine schwarze Komödie voller abstruser Situationen und verrückter Charaktere: Als Autor anspruchsvoller Literatur liegt Philip Murdstone nichts ferner als Fantasy. Daher ist seine Verwunderung groß, als seine Agentin ihm nahelegt, eine Fantasy-Trilogie zu schreiben, um seine Geldsorgen zu beheben. Doch wenn man wie Philip bereits von Tolkien Ausschlag bekommt, ist das leichter gesagt als getan. Seine dunkelste Stunde scheint gekommen, als er im Suff einen Kobold namens Pocket halluziniert, der ihm einen Fantasyroman diktiert. Überraschenderweise landet Philip damit einen Millionenbestseller und wird zur Fantasy-Ikone. Nur war der Kobold mehr als eine Halluzination. Und er ist gar nicht begeistert, dass sich Philip nicht an ihren Deal erinnert.

Es war eine Freude, dieses Buch zu lesen! Nicht nur der Ansatz war mal etwas völlig anderes, auch Umsetzung und Sprache.
Philip Murdstone ist der Stereotyp eines einsam vor sich hinschreibenden Autors schlechthin. Einer, der mit der Grammatik um der rechten Ausdruck ringt, der Facebook eher vom Hörensagen kennt und Twitter meidet. Einer, der in einem abgelegenen Cottage haust und in der tiefgründigen 'ernsten' Literatur Zuhause ist. Dazu kommen dann noch ein paar verschrobene Dorfbewohner – auch genau so, wie man sie sich vorstellt. Dem gegenüber steht Murdstones Literaturagentin, beladen mit allem, was die Klischeevorstellung einer solchen Frau anhängt, oberflächlich, geldgierig, ehrgeizig, schick und hochmodern.
Überhaupt wird hier eigentlich alles und jeder aufs Korn genommen! Die Kurzfassung, was in so einem Fantasyroman drinzustehen hat, ist absolut köstlich. Auch die Unterkategorien der Fantasy und die Vermarktung der Bücher wird thematisiert und persifliert. Überhaupt wird von Computerspielen bis hin zu einsamen Mönchen in den Anden alles durch den Kakao gezogen. Dabei kommt die Handlung aber nicht zu kurz. Witzig, temporeich und voller ungeahnter Wendungen ist sie spannend bis zum Ende.
Nur das Ende selbst, ja, das hat mich ein wenig enttäuscht. Bei längerem Nachdenken komme ich aber zum Schluss, dass eine andere Auflösung kaum möglich ist.

Ich habe das Buch jedenfalls so genossen, wie schon lange keines mehr.


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