Montag, 14. März 2016

Der beste Roman des Jahres von Edward St Aubyn


Wie immer steigt in den letzten Wochen vor der Verleihung des begehrten Elysischen Preises die Spannung ins Unermessliche. Und während jedes einzelne der überforderten Jurymitglieder seine ganz persönlichen Interessen verfolgt, bringen sich die Autoren in Stellung: Katherine Burns zum Beispiel, die begnadete Stilistin und Femme fatale, oder Sam Black, der liebestrunkene, vielversprechende Debütant, nicht zu vergessen der grenzenlos selbstgewisse Sonny, dessen Opus Magnum "Der Maulbeerbaum Elefant" natürlich von großen Gnaden ist. Eine missliche Fügung des Schicksals sorgt für eine außerordentlich originelle Entscheidung. - "Der beste Roman des Jahres" stellt mit seinem messerscharfen Humor und seinem pointensicheren Erzählen hintersinnige Fragen nach der Bedeutung der Literatur.

Der Elysia-Preis soll vergeben werden. Die fünfköpfige Jury leitet Malcolm Craig. Mit seiner Übernahme dieses Postens beginnt das Buch. Später taucht er dann allerdings kaum mehr auf. Stattdessen geht es, glaube ich, um die anderen Mitglieder und um ein paar Autoren – allerdings eigentlich ohne Sinn und Zweck. Denn eine vorkommende Schriftstellerin zum Beispiel nimmt gar nicht teil, weil ihr Lektor es verpatzt. Und zwei andere erfüllen die Wettbewerbsbedingungen nicht. Ach ja, der Lektor kommt auch zu Wort. 
Wer der eigentliche Protagonist ist, wird nicht so recht klar. Auch nicht, wer der Sympathieträger sein soll, den ein solches Buch einfach braucht. Dummerweise sind alle Figuren mehr oder weniger unsympathisch. Jede bedient ein Schema, leider wenig originell. Und so ist es einem bald egal, mit wem die nymphomane Schriftstellerin als nächstes im Bett landet, oder wie der liebeskranke Lektor aus seinem Selbstmitleid wieder herauskommt.

Aber es mangelt nicht nur an sympathischen Charaktern in diesem Buch. Es gibt auch nur sehr wenig richtige Handlung. Und einen Spannungsbogen suchte ich eigentlich völlig vergeblich. Stattdessen liest man seitenlange innere Monologe der verschiedenen Personen – ihre Gedanken und Gefühle zu den Dingen. Ein satirischer Text – und so etwas soll das hier ja wohl sein – könnte hier auftrumpfen. Leider tut er das aber nicht. Dazu fehlt ihm der Biss. Der Spott ist vorhersehbar, die Übertreibungen so derart übertrieben, dass sie bestenfalls albern sind. Die Personen wirken eher wie Karikaturen, Stereotype, Klischees. Und am Ende des Buches stehen sie genauso da, wie am Anfang. Ok, die sexbesessene Schriftstellerin knabbert am Ende an Jemandes anderem Ohr, aber das ist eigentlich auch schon alles. Weiterentwicklung, Verbesserung oder auch Verschlechterung – Fehlanzeige. Und auch die Überraschung, wer den begehrten Preis letztlich erhält, ist eigentlich keine. Denn es ist bereits nach dem ersten Drittel des Buches klar, wer als Sieger hervorgehen wird.

Ich hatte mich sehr auf dieses Werk gefreut, denn ein Roman über den Literaturbetrieb ist eine raffinierte Idee. Ich war gespannt auf einen Blick hinter die Kulissen. Klüngel, Machtkämpfe innerhalb der Jury, die Autoren und diverse Widrigkeiten würden genug Zündstoff für eine spannende Handlung bieten. Aber leider wurden die Möglichkeiten allesamt verschenkt. Die Konflikte innerhalb der Jury bei der Auswahl und Bewertung der ausgewählten Bücher werden nur in kurzen Sätzen angerissen und danach nicht mehr verfolgt. Wie es letztlich zur Entscheidung kam, wird gar nicht erst erwähnt. Von den immer mal wieder vorkommenden Autoren, die tatsächlich am Wettbewerb beteiligt sind, erfährt man am wenigsten.

Die einzige gut Idee im Buch sind Auszüge aus den Romanen, die für den Preis zur Debatte stehen. Das ist immerhin originell und ganz gut getroffen. Aber will ich wirklich ein Buch lesen, um ein paar Zeilen aus einem Roman zu erhaschen, der gar nicht existiert? Nein.

Ich hatte mir, besonders nach den vollmundigen Versprechungen des Klappentexts, entschieden mehr von diesem Buch versprochen. Und das, obwohl ich längst daran gewöhnt bin, dass Klappentexte die Wahrheit ganz schön dehnen können.


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