Dienstag, 1. März 2016

Blogtour "Erkül Bwaroo und der Mord im Onyx-Express": Privatdetektive im Kriminalroman



Gestern startete die Blogtour zu "Erkül Bwaroo und der Mord im Onyx-Express" mit einer Buchvorstellung von Alexandra Richter.

Das Buch selbst habe ich bereits vorgestellt. Es ist ein - wenn auch vielleicht ein wenig ungewöhnlicher - Kriminalroman.

In so einem Kriminalroman geht es darum, ein Verbrechen aufzuklären. Es muss nicht unbedingt ein Mord sein, ist es aber in den meisten Fällen doch und nicht selten gesellen sich zu dem einen Toten im Laufe der Handlung noch der eine oder andere hinzu. Verfolgung des Täters und Aufklärung des Falles sind natürlich Sache der Polizei, und es gibt eine Menge hervorragende Krimis, bei denen ein oder mehrere Polizisten genau das tun. Aber der Ermittler kann auch eine Privatperson sein. Oder ein Detektiv.

Als erste Detektivgeschichten gelten dabei vor allem Edgar Allan Poes Kurzgeschichten „The Murders in the Rue Morgue“ (1841), „The Mystery of Marie Rogêt“ und „The Purloined Letter“ (1844). Hier gibt es zum ersten Mal die beiden Merkmale, die in keiner klassischen Detektivgeschichte fehlen dürfen: Erstens muss ein unerklärliches Verbrechen geschehen sein, einen Mord in einem verschlossenen Raum zum Beispiel, einen Diebstahl aus einem ungeöffneten Safe oder einen Raub den niemand begangen haben kann. Zweitens braucht man einen brillanten Detektiv. Ein durchschnittlicher Detektiv, der mit Fleiß, Ausdauer und viel Erfahrung seine Fälle löst, ist dagegen völlig ungeeignet. Nein, es muss herausragender Detektiv sein! Er muss etwas von Psychologie und logischer Schlussfolgerung verstehen, verfügt über eine geradezu erstaunliche Intuition und messerscharfe Logik. Wenn er dann auch noch exzentrisch ist und einige Marotten hat, um so besser! Meist bewegt sich dieser Detektiv in gehobenen Kreisen oder stammt gar daraus.
Oft ist da auch noch der Begleiter des Detektivs. Er kann Auftraggeber, Assistent oder anderweitiger Helfer sein, ist aber auf jeden Fall auf die eine oder andere Art das Gegenteil des Detektivs. Entweder tappt er einfach bis zum Schluss im Dunkeln, oder er hat einen völlig anderen Charakter oder andere Moralvorstellungen, als der Detektiv.

Detektivgeschichten sind „Whodunits“ der Leser rätselt sozusagen in Konkurrenz mit dem Detektiv über den Hergang der Tat und vor allem darüber, wer der Täter ist. Um es schwerer zu machen, gibt es falschen Spuren (red herrings), mehrdeutige und versteckte Indizien und unschuldige Verdächtige. Nach Möglichkeit sollte dann am Ende eine Überraschung stehen: Der Täter ist nicht die Person, die der Leser vermutete. Und doch erschließt sich im Nachhinein ganz logisch, dass nur sie es gewesen sein kann.

Arthur Conan Doyle und Sherlock Holmes
Edgar Allan Poe ging es in seinen Kurzgeschichten vor allem um den geistigen Prozess, der zur Lösung des Falles führt. Dupin, sein Detektiv, ist im Grunde nicht so wichtig. Das änderte Sir Arthur Conan Doyle, als er 1887 seinen Sherlock Holmes erfand. Holmes ist der Urtypus der Detektivs, Vorbild und Pate für zahlreiche andere. Neben seiner überragenden Deduktionsfähigkeit ist es vor allem sein schroffer Charakter, der ihn so besonders macht. Sein Benehmen und seine Ansichten würden jeden anderen unsympathisch machen, gepaart mit seiner Genialität wirkt es jedoch faszinierend. Holmes hat einen ständigen Begleiter, der die Handlung in der Ich-Form erzählt: Dr. John Watson. Er wurde zum Modell für die meisten folgenden Begleiter von Detektiven, auch wenn nicht alle auch gleich noch die Erzählung übernehmen.

Frank Howell Evans und Jules Poiret
Der Jahrhundertwechsel zum zwanzigsten Jahrhundert brachte mit Jules Poiret einen neuen Detektivtypus mit sich. Obgleich er deutlich von Holmes inspiriert ist und auch einen Sidekick (Captain Harry Haven) hat, der ihn oft begleitet und dabei ähnlich im Dunkeln tappt wie Dr. Watson, ist dieser Detektiv völlig anders. Er ist Franzose, bisweilen extrem gefühlsbetont, sehr auf seine Erscheinung bedacht und manchmal geradezu albern in seinem Auftreten. Poiret ist die Rohfassung von Hercule Poirot, der bei Agatha Christie zu so großem Ruhm kommen sollte, während Poiret selbst heutzutage fast vergessen ist. Zu Evans Zeiten war er jedoch ziemlich beliebt und es gibt über fünfunddreißig Romane, in denen er die Hauptfigur ist.
Im Unterschied zu Doyle wählte Evans eine auktoriale Erzählperspektive, die es ihm erlaubt, den Blickwinkel über längere Zeit auch auf andere Figuren als den Detektiv zu richten.

Gilbert Keith Chesterton und Father Brown
Ab 1911 ermittelte Father Brown, ein katholischer Priester in ungefähr fünfzig Geschichten. Er ist kein rationaler Analytiker, sondern baut auf seine Erfahrungen als Beichtvater, seine Menschenkenntnis und die Fähigkeit, sich selber auch in die Gedanken- und Gefühlswelt des Kriminellen hineinversetzen zu können.

Agatha Christie und ihre Detektive
Ab 1920 erweckte die Krimiautorin Dame Agatha Christie gleich mehrere Detektive zum Leben. Miss Jane Marple und Hercule Poirot dürften die bekanntesten sein. Aber auch das Ermittlerpaar Tommy und Tuppence Beresford sowie mehrere Einzeldetektive sollten nicht vergessen werden.
Bei Christie werden Spannung und Überraschung noch gesteigert, indem die Rätselstruktur ausgeweitet und kompliziert wird. Die Anzahl der Verdächtigten sowie der Verdächtigungen wird erhöht, wesentlich mehr Figuren treten auf. Es gibt Nebenhandlungen und Unterverbrechen, beispielsweise Liebesbeziehungen, Diebstähle, Erpressungen oder Betrügereien.

Dorothy Leigh Sayers und Lord Peter Wimsey
1923 reihte sich Lord Peter Death Bredon Wimsey, ein Adliger mit kriminalistischem Spürsinn, in die Reihe der Detektive ein. Sayers stattete ihn mit Humor, Genialität und einem unerschütterlichen Butler aus. Aber auch mit einem Trauma, das Lord Wimsey von Zeit zu Zeit überfällt. Es gründet sich in seinen Erlebnissen während des Ersten Weltkrieges. Inspektor Charles Parker unterstützt ihn als Sidekick bei den Ermittlungen.

Earl Derr Biggers und Charlie Chan
Alle bisher genannten Detektive sind in England daheim. Aber die Privatdetektive erreichten schließlich auch Amerika. 1925 erblickte hier der chinesisch-hawaiische Detektiv Charlie Chan das Licht der Literaturwelt. Er ermittelt in sechs Romanen und ist natürlich nicht von Adel, sondern aus einfachen Verhältnissen. Genaugenommen ist er auch kein Privatermittler, sondern von der Polizei, hat aber alle Eigenschaften, die ein Detektiv so haben muss. Er ist brillant und gewieft und wird gern unterschätzt. Und egal was passiert, er ist stets von ausgesuchter Höflichkeit. Chans besonderer Charme liegt in der für den westlichen Kulturkreis damals fremden Logik und Weisheit begründet, mit der er seine Fälle löst.

Raymond Chandler und Philip Marlowe
Raymond Chandler erfand seinen Philip Marlowe 1939. Marlowe ist ein amerikanischer Privatdetektiv in Los Angeles. Er versucht, in einer Welt ohne Moral und Grundsätze nach seinen eigenen moralischen Grundsätzen zu leben. Inmitten einer korrupten Umwelt zeigt er sich zynisch und abgebrüht, versucht jedoch eigentlich, seine moralische Integrität zu bewahren. Marlowe ist der Prototyp des knallharten, unbestechlichen und dennoch sentimentalen Einzelgängers. Er verkehrt selten in den gehobenen Kreisen. Außerdem ist er oft auch mal knapp bei Kasse. Was er an Schulbildung nicht vorweisen kann, macht er durch Lebenserfahrung wett. Wie seine Vorgänger löst er seine Fälle mit Brillanz, die er allerdings nicht so offen zur Schau stellt wie viele seiner englischen Kollegen.

Es gibt noch zahlreiche weitere Autoren, die in diesem Zusammenhang genannt werden sollten, wie Anthony Berkeley, S. S. Van Dine, Margery Allingham, Ngaio Marsh, John Dickson Carr, Ellery Queen, Rex Stout, Josephine Tey und noch viele andere. Sie zu entdecken, überlasse ich aber lieber dir, geschätzter Leser.


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Und die heutige Frage lautet: Wer  von den oben genannten ist dein Lieblingsdetektiv?

Und morgen geht es weiter mit einem Interview mit Erkül Bwaroo persönlich!


Kommentare:

  1. andreahertz@gmx.de1. März 2016 um 08:49

    Wenn es schon nicht Erkül Bwaroo sein kann, dann eben Hercule Poirot

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  2. Die Frage ist heute schwer zu beantworten. Jeder Detektiv hat seine besonderen Eigenschaften und ich kann mich kaum zwischen Sherlock Holmes, Father Brown, Miss Marple und Hercule Poirot entscheiden. Erkül Bwaroo steht ja nicht auf der Liste. Aber es gewinnt knapp Miss Marple, weil sie so gar nicht in ein Detektivschema passt und auf sehr eigenwillige Art und Weise dem Mörder auf die Spur kommt.

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  3. Lord Peter Wimsey - schon als ich ihn das erste Mal gelesen habe, fand ich ihn absolut genial, hab mir die Bücher regelmäßig aus der Bibliothek geliehen, dann alle auf Deutsch und schließlich auch alle englischen Originale gekauft. Und ein paar hab ich sogar zusätzlich als Ebooks. Er ist einfach... *schmacht* ... einzigartig!

    // Da ich keine Ahnung habe, wie ich mich hier ordnungsgemäß mit Namen und Mail anmelden kann, habe ich die einzige Funktion ausgewählt, die funktioniert hat. Meine Mailadresse hat Ruth ja aber.
    Gruß,
    Alexandra Baginsky

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  4. Hallo,
    und danke für den tollen Beitrag. Die Wahl fällt mir niccht leicht, jeder hat sein gewisses Extra. Ich entscheide mich spontan für Sherlok Holmes.
    LG Bettina Hertz bettinahertz66@googlemail.com

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