Dienstag, 12. Januar 2016

Später Ruhm: Novelle von Arthur Schnitzler

Späten Ruhm erfährt Eduard Saxberger in vorgerücktem Alter. Ein junger Mann sucht den ehemaligen Poeten auf und gibt sich als Leser jenes schmalen Bandes zu erkennen, mit dem Saxberger einst für Furore sorgte; der Verehrer lädt ihn in einen Schriftstellerverein ein, dem er als Vorbild gilt. Zuerst beschämt, an das verlorene Vergangene erinnert zu werden, dann fasziniert von den Debatten um die wahre Kunst, schließt sich Saxberger den Literaten an. Aber Neues zu schreiben, bemerkt er bald, schafft er nicht mehr.

Gut 80 Jahre nach Arthur Schnitzlers Tod wird nun endlich seine Novelle „Später Ruhm“ herausgebracht. Warum der Autor die Veröffentlichung nie wirklich selbst betrieben hat, wird immer ein Rätsel bleiben. Vielleicht wollte er ja nicht, dass sein damaligen Freunde die Geschichte lesen und dann womöglich wenig geschmeichelt reagiert hätten. Denn Ähnlichkeiten mit damals lebenden Personen, wie es so schön heißt, sind durchaus vorhanden.

Die Novelle handelt von einem einstmals hoffnungsfrohen Dichter, der, inzwischen gealtert, ein vielleicht ein wenig langweiliges, aber nichtsdestotrotz zufriedenes Leben führt. Aus diesem Leben wird er durch einen Nachwuchsdichter gerissen, der ihn besucht und in einen Kreis junger Künstler einführt, die ihm – zumindest anfangs – regelrechte Verehrung entgegenbringen. Eduard Saxberger genießt diese Achtung natürlich. Wer von uns täte das nicht? Und so ist der Leser hin und hergerissen zwischen der Freude für Saxberger und dem Bangen, weil es ja doch nicht von Dauer sein kann und auch nicht ist.

Dem damals gut dreißigjährigen Autor Schnitzler gelingt dabei mit leichter Hand eine blitzsaubere und genaue Beschreibung der Charaktere. In wenigen Sätzen ist jeder beschrieben – der Möchtegernkünstler, der eigentlich nur ein Schmarotzer ist, der mittelmäßige Schauspieler, der sich für groß hält, der Schriftsteller, der eigentlich gar nichts vorzuweisen hat, aber an etwas ganz Großartigem schreibt … alle sind sie da. Und mittendrin der gutmütige und wohlerzogene Eduard Saxberger, bei dem man immer ein wenig Angst hat, dass sie ihn ja eigentlich nur auf den Arm nehmen und dass er daran zerbricht. Aber das sei schon verraten: Für Saxberger geht es eigentlich ganz gut aus, wenn auch ein Hauch Melancholie bleibt.

Eine wunderbare Novelle. Es wäre ein Verlust gewesen, wäre sie nie veröffentlicht worden.


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