Dienstag, 19. Januar 2016

Der Leprechaun

In meinem neuesten Buch "Erkül Bwaroo und der Mord im Onyx-Express" spielt er eine wesentlich Rolle: Der Leprechaun.
Da hat er es doch verdient, dass wir ein wenig mehr über ihn erfahren, oder? Also los:

Der Name kommt wohl ursprünglich vom keltischen 'Luchorpan', was soviel wie 'kleiner Körper' bedeutet. Er wird auch Lubrican, Lubberkin, Luchorpan oder Lupracan genannt. In Ulster heißt er Luchramán, Luchrragán oder Lurgadán in Munster. Im Süden von Leinster ruft man ihn Lúracán, im Osten Loimreachan. Er ist der irischste aller Kobolde und mit dem römischen Salat, der seinen Namen trägt, hat er nichts am Hut. Die Iren lieben ihn heiß und innig, obwohl er nicht gerade den besten Charakter hat.

Eigentlich ist er der Schuster der Sidhe - des Adelsgeschlechts unter den Elfen. Und das Klopfen eines kleinen Hämmerchens auf Leder ist auch das Geräusch, das unfehlbar seine Anwe­senheit anzeigt. Aber irgend­wie wird er stets von etwas abgelenkt und so kriegt er meist nur einen Schuh fertig, während der zweite unvollendet liegen bleibt. Alles um ihn herum ist ja so rasend interessant!

Wenn man sein Klopfen hört, sollte man es am besten ignorieren, denn es ist nicht ratsam, sich ihm zu nähern. Er kann einem durchaus gefährlich werden - besonders, wenn er schlecht gelaunt ist. Ein Leprechaun spielt gerne Streiche und kann einen Menschen in jede Gestalt verwandeln und hintransportieren, wohin er nur will. Wird man seiner ansichtig, sollte man sich also höflich nähern. Am besten ist es, ihm Schnupftabak anzubieten oder Tabak für seine lange Tonpfeife. Zu erkennen ist er leicht: Er hat einen gepflegten Bart und ist ganz in grün gekleidet, seltener in rot, mit einem runden Hut, oder, in manchen Gegenden, einem Dreispitz. Besonders augenfällig sind die Silberschnallen seiner Schuhe und die Silberknöpfe an seinem Wams. Kein Leprechaun, der auf sich hält, würde jemals ohne aus dem Haus gehen. Oft trägt er auch eine lederne Schürze, wie es sich für einen echten Schuster gehört.

Neben der Schuhmacherei hütet der Leprechaun auch die Schätze der Sidhe und Danaan. Eine Menge Leute haben daher schon versucht, ihn einzufangen, um an dieses Gold zu kommen - der behütete Goldtopf ist ja schon legendär. Aber die Sache st kniffliger, als man denkt. Zwar läßt sich ein Leprechaun schon mal überraschen und einfangen - manchmal scheint er es sogar regelrecht darauf anzulegen - und er benimmt sich dann auch immer nett und diensteifrig, aber man darf ihn keine Sekunde aus den Augen lassen. Schaut man auch nur einen Augenblick woanders hin - ist er verschwunden. Und selbst, wenn man es schafft, dauernd nur auf ihn zu gucken und nach seinen Anweisungen an den Ort zu kommen, wo so ein Schatz liegt, ist man noch nicht vor seinen Streichen sicher. So gab es einmal einen Mann, der einen Leprechaun einfangen konnte. Der Leprechaun zeigte ihm einen Busch, unter dem ein Goldtopf vergraben war. der Mann ließ ihn daraufhin wieder frei und, weil er keinen Spaten bei sich hatte, markierte er die Stelle mit einem seiner roten Sockenhalter, wie man sie damals üblicherweise trug. Als er nach ganz kurzer Zeit an den Ort zurückkehrte, fand er bei jedem Busch im Umkreis einen roten Sockenhalter liegen und konnte den Schatz so nicht wiederfinden.

Am besten, man denkt gar nicht an das Gold! Viel besser ist es, einfach die Gesellschaft des Leprechauns zu genießen, wenn man ihn in guter Stimmung antrifft. Er hat ein schier unerschöpfliches Repertoire an kurzweiligen Geschichten und schönen Liedern und ist ein geselliger, fröhlicher Kamerad, besonders beim Guinness, das er sehr zu schätzen weiß. Zu fortgeschrittener Stunde kann es da sogar passieren, daß er einem - einfach so - einen Beutel voller Gold zusteckt.

Außerdem ist er ein wahrer Zaubergeiger und hat die größten irischen Musiker im Bogenspiel unterwiesen. Und er ist ein richtiger Meister beim Golf und beim Hockeyspiel. Niemand kann so mit dem Hurley umgehen wie er - und er kann es sogar mit verbundenen Augen! Zugegeben, er schummelt. Aber derartige Bemerkungen sollte man sich in seiner Gegenwart doch besser verkneifen.

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