Dienstag, 8. Dezember 2015

Der kleine Weihnachtsbösewicht von Dietmar Bittrich


Der kleine Weihnachtsbösewicht rettet das Fest. Er schafft gute Laune mitten im Stress. Er bietet Erste-Hilfe-Tipps gegen anrückende Verwandte, Abhilfe gegen herumschwirrende Engel und durchtriebene Pointen gegen allzu rührselige Stimmung.

Ok, gegen rührselige Stimmung hilft dieses Buch bestimmt, wenn man die darin stehenden Ratschläge beherzigt. Aber ob es das Fest rettet? Wohl eher nicht. Wenn man allerdings möchte, dass man nie, nie, nie wieder mit den lieben Verwandten und der eigenen Familie zusammen Weihnachten feiern muss, sollte man die Ratschläge dieses Buches ruhig buchstabengetreu befolgen.
Nein, im Ernst: Das Büchlein ist amüsant zu lesen und bei so manchem Vorschlag denkt man sich schon im ersten Moment „Ja, das ist eine gute Idee.“ Eine Idee allerdings, die man niemals umsetzen wird. Denn seien wir ehrlich – wir fluchen über den Weihnachtsstress, verdrehen die Augen, wenn die lieben Verwandten anrücken und die Eltern einen immer noch behandeln, als wäre man sechs Jahre alt. Wir schimpfen auf den Kommerz und verdammen die weihnachtliche Rührseligkeit. Und nächstes Jahr machen wir aufs Neue alles wieder ganz genauso. Höflichkeit, Rücksichtnahme, Pflichtbewusstsein, aber auch Liebe, Herzlichkeit, Rührung – kurz der ganze Gefühlscocktail – lassen uns eigentlich gar keine andere Wahl.
Aber zwischendurch würde man doch gern die Schwiegermutter auf den Mond schießen, die so viel besser weiß, was ihr Sohn gerne isst, oder den Schwippschwager, der nur ein Thema hat: sich selbst. Genau für solche Momente ist dieses Buch. Man liest darin und malt sich genüsslich aus, eines der vorgeschlagenen Geschenke tatsächlich zu verschenken. Eines der abgedruckten Gedichte vorzulesen oder einen der 'freundlichen' Sprüche anzubringen. Das Menü der nervigen Tante verdient vielleicht wirklich den Kommentar „Das Essen passt zu deiner Frisur“. Und möglicherweise wäre dem Onkel tatsächlich mit einem gefälschten Behindertenausweis für seinen SUV gedient?
Ach ja, ein bisschen träumen ist ja erlaubt und obendrein gut für die eigene Laune.

Was das Kapitel zu den Engeln in dem Buch soll, ist mir jedoch wirklich nicht klar. Was soll das? Und wie passt das überhaupt hinein?
Es ist auch nicht unbedingt ratsam, das Buch in einem Zug durchzulesen (was ich natürlich gemacht habe). Es gibt da doch die eine oder andere Wiederholung und auf Dauer ist der 'Humor' dann doch ein wenig ermüdend.
Aber hin und wieder, so als Notfallprogramm, wenn die Nerven zu reißen drohen, ist es sehr gut.



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