Dienstag, 1. Dezember 2015

BLOGTOUR: Die 13. Jungfrau von Katharina Münz

Willkommen zur Blogtour!



Zunächst einmal ein paar Worte zum Buch:

Viele Mythen ranken sich um die Stadtheilige von Köln und ihre elf jungfräulichen Hofdamen. Doch bis zum heutigen Tag bleibt das Schicksal der 13. Jungfrau ein Rätsel.
Zur Zeit der Wikingerüberfälle verlässt die junge Melwyn im Gefolge einer Fürstentochter ihre Heimat Cornwall. Um die Anerkennung ihres Vaters zu gewinnen, schwört die Bastardtocher eines Edelmanns, sich um die jüngere Halbschwester zu kümmern. Als ein Sturm die Reisenden nach Köln verschlägt, geraten die jungen Frauen in Gefahr. Beim verzweifelten Versuch, ihre Schwester zu retten, lädt Melwyn große Schuld auf sich, ehe sie beginnt, ihren eigenen Wert als Schildmaid zu erkämpfen.


Mit historischen Romanen ist das so eine Sache. Nicht selten wird einem das Lesen ganz schnell verleidet, weil einem a) das pseudoantike Gerede auf den Geist geht, b) unsere heutigen Moralvorstellungen über die Handlungen gestülpt werden, c) die Handlung schlecht recherchiert ist oder d) die Verhältnisse damals - vor allem in Bezug auf die Hygiene - übertrieben betont werden. Besonders heikel wird es, wenn der Held eine Frau ist. In einer Zeit, in der Frauen nicht viel zu sagen hatten, steht die Heldin dann plötzlich emanzipiert (aber wenig glaubwürdig) da und kommandiert die Männer herum, die grummelnd gehorchen.

Nun, in diesem Buch ist fast alles hervorragend recherchiert. Wobei ich nicht weiß, inwiefern Absicht hinter den Veränderungen steckt. Aber ich bin verwirrt, denn was mir fehlt, ist nicht die dreizehnte Jungfrau, sondern die zwölfte. Die Heilige Ursula war mit zehn Hofdamen unterwegs. Sie selbst war die elfte Jungfrau. Elf, nicht zwölf. Aber vermutlich wurde das sehr bewußt so gehandhabt. Nur dann hätte mir ein kleiner Hinweis gut gefallen. Aber was soll's, es ist ein Roman. Vor Köln stehen hier auch nicht die Hunnen, sondern die Dänen. Und das ist, mit Verlaub, wesentlich logischer als in der Legende. Überhaupt, das Buch ist gut geschrieben, und darauf kommt es schließlich an. Man wird praktisch schon auf der ersten Seite in die Geschichte gezogen und ist gefesselt, sowohl von der Handlung als auch von den lebendigen Protagonisten, die einem entgegentreten.
Besonders Melwyn, die Heldin des Buches, berührt durch ihre Ambivalenz. Sie ist die Tochter einer Fürsten mit seiner dänischen Sklavin, christlich erzogen, doch stets gegenwärtig der heidnischen Wurzeln ihrer Mutter. Sie ruft bei jeder sich bietenden Gelegenheit "Sankt Silyen" an, trägt aber andererseits einen "Thorshammer" um den Hals. In der Schar der Jungfrauen fällt sie genauso durch ihre Größe und ihr fremdländisches Aussehen auf wie durch ihre kluge und klare Art zu denken - mal abgesehen davon, dass sie etwas abergläubisch ist. Sie tritt uns sehr menschlich entgegen, wenn sie ihre Halbschwester stets und immer, immer wieder ihre "kleine, süße Schwester" nennt; eine Schwester, die sie gleichzeitig um ihre Schönheit beneidet.



Aber ich habe noch mehr für euch - ist ja schließlich eine Blogtour! Und bei mir geht es um ein Thema, das dem Buch mit zugrunde liegt:

Die Ursula-Legende

Viele Mythen ranken sich um die Stadtheilige von Köln und ihre elf jungfräulichen Hofdamen. Doch bis zum heutigen Tag bleibt das Schicksal der 13. Jungfrau ein Rätsel“ heißt es im Klappentext des Buches „Die 13. Jungfrau“. Die Stadtheilige, von der dabei die Rede ist, ist niemand anders, als die Heilige Ursula. Zumindest ging sie unter dem Namen Ursula in die Heiligenlegenden ein. Wie sie wirklich hieß und ob sie überhaupt wirklich existierte – wer weiß? Ich möchte euch hier jedenfalls die Heilige ein wenig näher bringen. Dazu muss ich anmerken, dass ich eigentlich evangelisch bin: wenn auch mit einer katholischen Mutter (damals weigerten sich katholische Priester noch, Mischehen mit 'Ketzern' zu segnen, die evangelischen fanden jedoch nichts dabei - sofern die Kinder auch evangelisch würden). Die Heiligen haben mich aber schon als Kind fasziniert, nicht zuletzt, weil es bei uns Protestanten keine gab. Sie kamen mir immer wie kleine Untergötter vor, an die sich die Menschen mit ihren Bitten lieber wenden, statt den Chef persönlich zu stören. Eine menschliche Eigenschaft, die man überall findet. An Sankt Ursula nun wenden sich vor allem die Kölner. Warum? Nun, dazu muss ich erst einmal ihre Legende erzählen, wie ich sie in meinem Heiligenkalender (ja, so etwas steht bei mir im Regal) bei ihrem Gedenktag, dem 21. Oktober fand:

  21. Oktober
HL. URSULA
und die elftausend Jungfrauen
Märtyrerinnen, um 238, 386 oder 453

Ein frommer christlicher König von Britannien, ein gewis­ser Nothus oder Maurus, hatte eine Tochter mit Namen Ursula. Von deren ehrbarem Wandel, ihrer Schönheit und Klugheit hörte auch der König von England, ein mäch­tiger Herr mit vielen Völkern unter seiner Herrschaft. Er wollte sie seinem Sohn zur Frau geben und sandte Boten nach Britannien, die geschickt schmeicheln, aber nötigen­falls auch drohen sollten. Während der Vater in Furcht geriet, weil er seine Tochter keinesfalls einem Heiden zur Frau geben wollte, willigte diese scheinbar ein. Sie for­derte allerdings, der Engländer solle ihr tausend Mägde stellen, außerdem zehn Hofdamen mit ebenfalls je tausend Mägden. Dann brauche sie drei Jahre Brautzeit zur Vor­bereitung, und während dieser Frist solle sich der Bräuti­gam taufen lassen. Überraschenderweise nahmen die Eng­länder die Bedingungen sofort an. Jungfrauen aus den verschiedensten Ländern kamen an Ursulas Hof, und als sie vollzählig waren und alle zum Christentum bekehrt, da gab Ursula den Befehl zum Aufbruch. Sie segelten auf vielen Schiffen durch Gallien, kamen nach Köln und fuh­ren auf dem Rhein nach Basel. Von dort zogen sie zu Fuß nach Rom zum Heiligen Vater. Dieser bereitete ihnen einen überaus freundlichen Empfang, segnete sie und ehrte sie sogar durch seine persönliche Begleitung auf der Rückreise. In einer Vision war ihm nämlich die Weisung zuteil geworden, sich der frommen Schar anzuschließen, um mit allen gemeinsam den Märtyrertod zu erleiden. Gegen den Willen der Kleriker in Rom hatte er deshalb einen Vertreter eingesetzt, und aus diesem Grunde wurde sein Name aus der Reihe der Päpste getilgt. Als sich ihre Schiffe Köln näherten, fanden sie die Stadt von den Hunnen belagert. Kaum hatten diese die Jungfrauen erblickt, da stürzten sie sich in wilder Gier auf sie, um ihnen Güter und Ehre zu rauben. Bereit, eher zu sterben, als ihre Unschuld entweihen zu lassen, fielen alle Mädchen dem barbarischen Gemetzel zum Opfer. Nur vor Ursula wichen die Würger scheu zurück. Ihr Fürst Julius sah ihre Schönheit und entbrannte in Liebe zu ihr. Er ver­suchte, sie über den Tod ihrer Gefährtinnen zu trösten, und bot ihr an, sie zum Weibe zu nehmen. Ursula jedoch wies seinen Antrag mit Abscheu zurück. Da zog der Gedemütigte einen Pfeil aus seinem Köcher und schoß ihn der Heiligen in die Brust. Ein plötzlicher Schrecken ergriff nun aber die wilde Horde und trieb sie in die Wucht. Die Bürger Kölns begruben die edlen Leichname und errichteten an dieser Stelle eine Kirche.

Attribute: Pfeil in der Hand, mit Palme, Kreuzfahne, Krone, Mantel über die Jungfrauen breitend; Schiff neben sich; von Jungfrauen umgeben bei der Landung.
Patronin: des Ursulinenordens, der Jugend, der Universitäten Wien und Paris, des Ehestandes, der Lehrerinnen, Tuchhändler; für günstige Heirat, seligen Tod; in Kriegszeiten; gegen Kinderkrankheiten; gegen die Qualen des Fegefeuers.


Dies ist aber nur eine Fassung der Legende. Die Rede von 11.000 Leidensgenossinnen beruht wohl auf einer versehentlichen Multiplikation der tatsächlichen Zahl mit dem Faktor Tausend. In frühen Quellen ist tatsächlich nur von elf Jungfrauen die Rede. Wahrscheinlich wurde die Angabe „XI.M.V.“ statt als „11 martyres virgines“ fälschlich als „11 milia virgines“ gelesen. In einer anderen Fassung ist dann prompt auch nur von elf Jungfrauen die Rede:

Diese Legende erzählt von Ursula als der – durch ihre Schönheit weithin berühmten – Tochter des christlichen Königs Maurus. Schon in jungen Jahren habe sie sich ewiger Jungfräulichkeit verschrieben, ihr Vater aber verlobte sie mit dem englischen Fürstensohn Ætherius. Dem sei vom Kaiser für erwiesene Treue ein Stück Land – die heutige Bretagne in Frankreich – geschenkt worden; hier wollte er sich nach seiner Eheschließung niederlassen. Ursula erbat drei Jahre Frist; in dieser Zeit sollte Ætherius im christlichen Glauben unterrichtet und getauft werden.
Ursula selbst wollte sich mit zehn erlesenen Jungfrauen, denen sie selbst als elfte angehören wollte, vorbereiten. Alle Jungfrauen sollten dabei geweiht und getauft, aber auch in ritterlichen Spielen ausgebildet werden und einen Schwur auf neue Ritterschaft leisten; Schiffe sollten gebaut werden, weltliche und geistliche Beschützer, darunter die Bischöfe Pantalus und Mauritius von Sizilien, sollten die Jungfrauen auf einer Fahrt nach Rom begleiten. Zu den Vorbereitungen für diese Reise kam auch Gerasina, die verwitwete Königin von Sizilien und Schwester von Ursulas Mutter Daria, mit ihrem Sohn und den vier Töchtern, die sich den Jungfrauen anschlossen.
Als der Wind gut stand brachen sie auf, gelangten aber in der Nordsee durch einen schweren Sturm in die Rheinmündung und dann nach Köln, wo Königin Sigillindis sie freundlich begrüßte. Ursula erfuhr im Traum von einem Engel, dass sie nach ihrem Besuch in Rom wieder nach Köln zurückkehren werde, um hier das Märtyrium zu erleiden.
Alle fuhren zunächst auf dem Rhein weiter nach Basel; dort erinnert das vom Rhein zur Martinskirche führende Elftausendjungfern-Gässli an den Weg, den Ursula mit ihren Gefährtinnen beim Kirchgang beschritten haben soll. Von dort gingen sie zu Fuß weiter nach Rom.
Inzwischen erschien auch dem Ætherius ein Engel, der ihm kundtat, er solle seiner Braut entgegen fahren. Mit Mutter, Schwester und dem Bischof Marculus von Griechenland gelangte er ebenfalls nach Rom. Ursula wurde vom Papst Siricius empfangen. Dieser schloss sich mit vielen Bischöfen der Rückreise nach Köln an, nachdem auch ihm ein Engel erschien, der ihm kundtat, dass er in Köln zum Märtyrer werden würde.
Zwei christenfeindliche römische Herren, die die Jungfrauen vergeblich für sich hatten gewinnen wollen, bewegten hinterrücks die Hunnen, Ursula und ihre Gesellschaft in Köln zu überfallen und zu töten. Das Blutbad unter den 11.000 Jungfrauen wurde bei der Ankunft der Schiffe um das Jahr 451 aufs Grausamste verwirklicht. Zuletzt blieb Ursula alleine übrig. Der Hunnenfürst begehrte sie für sich, doch als sie sich ihm standhaft verweigerte, erschoss er sich zutiefst gedemütigt mit einem Pfeil.


Andere Legenden erzählen, dass die Jungfrauen bei ihrer Landung in Köln auf die Hunnen stießen, die damals die Stadt besetzt hielten. Die Soldaten überfielen, misshandelten und töteten die Frauen, Ursula aber wurde vom Hunnenkönig begehrt. Sie verweigerte sich ihm, worauf sie mit einem Pfeil getötet wurde. Daraufhin kamen 11.000 Engel vom Himmel herab und trieben zur Strafe die Hunnen aus der Stadt.
Zum Dank bestatteten die Kölner Bürger die Märtyrerinnen feierlich und stellten ihre Stadt unter das Patronat der heiligen Ursula.
Die Grabkirche Ursulas hat im Laufe der Zeit so einiges mitgemacht. Nach einer Inschrift des 4. Jahrhunderts baute ein Kölner Bürger an der Stelle der heutigen St.-Ursula-Kirche in Köln eine zerstörte Kapelle über den Gräbern von Märtyrerinnen wieder auf. Tatsächlich wurde damals jedoch über einem römischen Gräberfeld ein Sakralraum errichtet, der im 6. Jahrhundert ausgebaut wurde. 866 gab es hier ein Kanonikerstift, in jener Zeit wurde wohl eine Basilika errichtet. Beim Einfall der Normannen 881/882 wurde diese Basilika beschädigt, Beim Wiederaufbau wurde der Altarbereich mit 11 Reliquiengräbern umgestaltet. Die heutige Kirche ist ein Neubau aus dem 12. Jahrhundert, erweitert um 1280, umgebaut im 15. Jahrhundert, und dann noch einmal umgestaltet im 17. Jahrhundert. Damals nämlich, genauer gesagt 1608, wurde die Goldene Kammer zur Aufbewahrung der Reliquien errichtet. Dort finden sich – neben dem Ursula zugeschriebenen Kopf – zahllose Knochen und zudem 122 goldene und silberne Büsten und Kopfreliquien, darunter auch Männer- und Kinderköpfe.

Im Stadtwappen von Köln erinnern bis heute die elf schwarzen Flämmchen bzw. Blutstropfen auf weißem Grund an die heiligen Jungfrauen.

Die heilige Ursula gilt überdies als Schutzpatronin von Kindern und Jugendlichen, für eine gute Ehe und als Patronin der Tuchhändler. Ebenso wird sie auch als Beschützerin in Not- und Kriegszeiten verehrt.
Schließlich gilt sie auch als Helferin in der Todesstunde. Dies ist auch der Hintergrund für die Entstehung von Ursula-Schiffchen. Das waren Bruderschaften, die sich unter den Schutz der heiligen Ursula stellten. Die Mitglieder der Ursula-Schiffchen – unter ihnen häufig hohe geistliche und weltliche Würdenträger – hofften insbesondere auf die Fürsprache der Heiligen für einen seligen Tod sowie beim „Übersetzen” in die Ewigkeit. Das Motiv des Schiffs verbindet hier also ein Element der Ursula-Legende mit der Hoffnung auf einen „sicheren Hafen” im Jenseits. Gebete, Messopfer, Almosen und gute Werke dienten dabei sozusagen als „Fahrpreis”. Man hielt Versammlungen zu Ehren der Patronin ab, stiftete Gottesdienste und beging natürlich vor allem ihren Gedenktag am 21. Oktober mit großer Feierlichkeit. Daraus entstanden bald an einigen Orten die Ursula-Märkte, so zum Beispiel in Moosburg a. d. Isar, in Grafenwöhr in der Oberpfalz, in Dinkelsbühl sowie an einigen Orten im Allgäu und im österreichischen Kärnten. In Prettnau im Südtiroler Ahrntal wird der „Uschentag” mit Prozession und Volksfest begangen.

Quellen: Immerwährender Heiligenkalender von A. Ch. Sellner (Die Andere Bibliothek),
Websites: Heilige Ursula, Ökumenisches Heiligenlexikon, Prinzessin Ursula, St. Ursula, Stadtpatronin von Köln

Und hier die direkten Links zur Blogtour:

29.11.2015 – Bücherfunke
01.12.2015 – Ruths Anderwelten
02.12.2015 – Wild Book Heart
03.12.2015 – Sunny’s Bücherschloss 
04.12.2015 – Tenzmeeloves 
06.12.2015 – Helli’s Bücherland



Kommentare:

  1. Hallo,

    wirklich interessant was man als Leser heute so erfährt..diese Ursula ziemlich bewegt des Leben die Gute!!

    Bin gespannt auf morgen ..LG..Patrick

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  2. Hm, noch ne Frage..gibt es heute keine Frage zu beantworten?

    LG..Patrick...

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  3. Hallo,

    sehr interessanter Beitrag :)

    LG
    SaBine

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  4. Hallo,

    ein toller Beitrag, den ich sehr informativ fand ;)

    LG (PPS13743@ku.de)

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