Dienstag, 24. November 2015

Schneefrei von Karoline Adler (Herausgeber)


Wintersportler und Weihnachtsfans, Adventsbastler und Glühweintrinker, Kaminfeueranzünder und Wollmützenträger, Faschingsnarren und Sockenstricker – viele freuen sich auf den Winter, aus ganz unterschiedlichen Gründen. Andere wiederum würden am liebsten von Oktober bis März gen Süden ziehen und Schnee und Eis den Rücken kehren. In unserer neuen Wintergeschichtensammlung findet jeder etwas Passendes. Ein herrlich bunter Mix der schönsten, spannendsten und witzigsten Erzählungen rund um die kalte Jahreszeit.
Mit Texten von Riikka Ala-Harja, Ewald Arenz, Eva Berberich, T.C. Boyle, Alex Capus, Frank Goldammer, David Guterson, Elke Heidenreich, Ulrike Herwig, Mascha Kaléko, Arnold Küsters, Siegfried Lenz, Harry Luck, Annette Petersen, Elke Pistor, Jutta Profijt, Eugen Roth, Asta Scheib, Ingo Schulze, Jan Weiler, Liv Winterberg und Thomas Zirnbauer.

Das Cover fand ich witzig und die versammelten Autoren interessant. Also schlug ich das Buch auf – und gleich die erste Geschichte, nämlich die von T.C. Boyle, ging mir gehörig auf den Geist. Ich hoffte ja erst noch, dass wenigstens das einzige sympathische Wesen in der Geschichte überlebt. Aber nein, der Bär ging drauf und die Langweiler besoffen sich weiter. Das fing ja wenig vielversprechend an.
Aber die nächste Geschichte von Alex Capus machte es wieder gut. Obwohl nicht viel geschieht in seiner kleinen Erzählung, zieht einen die Stimmung doch gleich in ihren Bann.

Um es gleich zu sagen: Dieses Buch ist wie die meisten Anthologien ein Auf und Ab an guten und schlechten Geschichten, wobei die Beurteilung natürlich absolut subjektiv ist. Jan Weiler fand ich großartig, Siegfried Lenz befremdlich, Liv Winterberg so lala.

Ein großes Plus dieses Buches ist, dass hier nicht nur die üblichen bekannten Namen versammelt sind, sondern auch Autoren, von denen ich noch nichts gehört hatte. Darunter sind auch Autoren, bei denen man hofft, dass man noch mehr von ihnen lesen wird. Mein Favorit hier ist Thomas Zirnbauer. Es ist ein bisschen schwer, von seiner Geschichte zu erzählen, ohne alles zu verraten. Vielleicht so: Am Anfang hat man das Gefühl, in einem Philip Marlowe-Krimi zu sein, dann fragt man sich kurz, ob es hier vielleicht um eine Zeitreise geht, dann ist es wieder Marlowe, aber mit vertauschten Rollen und am Ende kommt ein Knalleffekt, und dann noch einer, der sich gewaschen hat. Ja, so ungefähr.Nur dass eine Kugel zu hören sein soll, bevor sie trifft, hat mich gestört, denn sie sind nunmal schneller als der Schall und man hört den Knall erst, nachdem der Schuss sein Ziel traf. Aber das nur nebenbei.

Das Buch ist für jeden etwas, der passend zur Jahreszeit ein paar kleine Geschichten lesen will, die mal nichts mit rührseligen Weihnachtserinnerungen zu tun haben. Obendrein bietet es eine bemerkenswerte Bandbreite unterschiedlichster Herangehensweisen an das Thema „Winter“ und ist bestimmt für die eine oder andere Entdeckung gut.


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