Dienstag, 10. November 2015

Asterix 36: Der Papyrus des Cäsar von Jean-Yves Ferri und Didier Conrad


DIE GALLIER sind wieder da! Und nicht nur die Gallier, sondern auch der gute alte Julius (Cäsar) – seines Zeichens größter Feldherr aller Zeiten und neuerdings auch Schriftsteller ... Ja, der große Feldherr Julius Cäsar hat ein Buch geschrieben – und zwar kein geringeres als den Latein-Klassiker "Der Gallische Krieg/ De bello Gallico". Auf Drängen seines Verlegers und PR-Beraters Syndicus unterschlägt er darin allerdings ein nicht ganz unwesentliches Kapitel der gallischen Geschichte. Nämlich jenes, das von den unbeugsamen Galliern handelt. Cäsar behauptet, ganz Gallien besiegt zu haben und das können unsere gallischen Freunde Asterix, Obelix & Co. natürlich nicht auf sich sitzen lassen. So entbrennt die vermutlich erste PR-Schlacht der Geschichte: eine Schlacht voll hintergründigem Witz und mit großer Spannung, jeder Menge verkloppter Römer – und verspeister Wildschweine? Lassen Sie sich überraschen!

Zu diesem Asterix raunte die Gerüchteküche, er sei richtig gut. Viel besser als die letzten. Nun, besser als die letzten ist jetzt nicht unbedingt schwer – die Ausgaben, die nach dem Tod René Goscinnys 1977 erschienen sind, waren, äh, bescheiden. Aber nun haben Jean-Yves Ferri und Didier Conrad das Ruder übernommen und mit „Asterix bei den Pikten“ immerhin schon mal einen Achtungserfolg hingelegt. Da die Messlatte extrem hoch lag, bekamen die beiden einen Guter-Willen-Bonus. Jetzt aber, mit Band 2 dieses Duos, erwartet man doch wieder eine Geschichte ähnlicher Spritzigkeit und gespickt mit Anspielungen, wie es die Ausgaben des Duos Uderzo/Goscinny meistens waren.

Wurden diese Ansprüche erfüllt? Nun, jein. Es stimmt, wie gesagt, dass es der beste Asterix-Band seit langem ist. Vor allem die Zeichnungen sind ausgezeichnet. Man kann sie kaum von Uderzos Bildern unterscheiden, auch nicht in Sachen Detailfreude und Witzigkeit. Aber die Handlung … Der Ansatz ist gut: die Story nimmt sich mutig eines aktuellen Themas ernst und doch amüsant an. Es geht um die Whistle-Blower Snowden und Assange – letzterer spielt sogar mit. Doch die Qualität früherer Goscinny-Geniestreiche wird eher selten erreicht. Oft werden leider doch einfach nur recht uninspirierte Runniggags zu Tode geritten: Die Gallier und ihr Glaube an Horoskope, der Römer, der aus irgendeinem nie erklärten Grund panische Angst vor Gras hat.
Die Twitter-Analogie mit den Brieftauben fand ich dagegen wirklich witzig.

Die Story selbst ist leider recht handlungsarm und lässt ein wirklich spannendes Abenteuer vermissen: Asterix und Obelix gehen in den Wald zu einem Oberdruiden, kehren dann wieder ins Dorf zurück und das war es dann auch schon ziemlich. Es fehlt weitgehend an Action, Spannung und einem wirklich großen Finale, das alles Handlungsstränge auflöst. Stattdessen wird viel geredet und wenig gehandelt und gibt es viele Elemente, die nirgendwo hinführen und ohne Konsequenz bleiben.

Insgesamt kann man sagen, dass die Geschichte keinesfalls misslungen ist. Sie unterhält über weite Strecken recht gut und die neuen Autoren sind definitiv auf dem richtigen Weg. Der Abstand zu früheren Goscinny-Glanztaten ist allerdings nach wie vor groß. Das ist eben das Dumme, wenn man so großen Vorbildern nacheifert. Es ist definitv noch Luft nach oben, aber ich traue den beiden durchaus zu, dass sie noch wachsen werden.


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