Dienstag, 6. Oktober 2015

Interview mit Bianca Bolduan zu "Wortwerke"

'Wortwerke' heißt ein Projekt, das dem Begriff 'Buchhandlung' eine ganz neue Bedeutung gibt. Hier findet man nicht die üblichen Bestseller und Massenbücher. Man kauft auch nicht die Katze im Sack. Und man kann sicher sein, dass das Angebot nicht nach Profit gewählt wurde, sondern mit viel Herzblut. Am 31. Oktober öffnet die Buchhandlung Wortwerke erstmals ihre Pforten und Bianca Bolduan, der Kopf und das Herz hinter dem Unternehmen, gab mir dazu ein Interview.

Bianca Bolduan
Ruth: Hallo Bianca, schön, dass du Zeit für uns hast.
Bianca: Sehr gerne, vielen Dank, dass ich hier sein darf.

Ruth: Du hast ja mit der Buchhandlung Wortwerke" etwas ungeheuer Spannendes und Neues in Sachen Bücher auf die Beine gestellt. Was darf man sich darunter vorstellen?
Bianca: Das Besondere an dieser Buchhandlung ist, dass sie nur Werke von Selbstverlegern und Kleinverlagen aufnimmt. Hier hat also einerseits der Autor ohne großen Verlag im Rücken die Möglichkeit, sein Werk in einer realen Buchhandlung zu präsentieren, und andererseits hat der Kunde die Möglichkeit, Bücher zu kaufen, die er sonst in kaum einer anderen Buchhandlung findet.

Ruth: Wie bist du auf diese Idee gekommen?
Bianca: Nun, ich bin selber Selbstverleger und weiß, wie schwer es ist, seine Werke in herkömmlichen Buchhandlungen unterzubringen. Da ist vielleicht die eigene Hausbuchhandlung", deren Betreiber so nett ist, ein paar Exemplare hinzustellen, doch im Grunde genommen laufen sie auch dort unter ferner liefen". Dazu kommt, dass die Marge für den Buchhandel so groß ist, dass sie oft all das frisst, was der Autor an dem Buch verdienen würde. Es ist also ziemlich frustrierend. Bei Wortwerke" läuft alles ein wenig anders. Jeder Autor, dessen Werk die Vorab-Prüfung bestanden hat, mietet einen Stellplatz, auf dem er sein Buch präsentieren kann - und zwar inklusive Werbematerial und Giveaways. Meine Aufgabe ist es, dieses Buch zu verkaufen ... und dazu haben sich meine Team und ich eine ganze Menge einfallen lassen. Der Verkaufserlös wird zu 100% an den Autor ausgezahlt. Keine Marge, keine zusätzlichen Kosten, nichts. Das Konzept geht auf und für alle drei Beteiligten ist es eine Win-Win-Situation. Mir ist es ganz wichtig, dass alle dabei ein gutes Gefühl haben: Der Autor mietet für knapp 6 Euro im Monat einen Platz und sein Buch wird deutlich sichtbar und neben den normalen Öffnungszeiten auch bei allen Events wirksam präsentiert. Der Kunde kann durch die Schmöker-Exemplare, die ausliegen, einen ersten Eindruck bekommen und wird, da ich alle Bücher lese, gut beraten. Erfüllt sich also als Kunde auch wirklich ernst genommen. Und ich habe das Vergnügen, total interessante Autorenkollegen kennenzulernen und kann mir den Wunsch nach einer eigenen Buchhandlung verwirklichen.
Die künftige Heimat von Wortwerke

Ruth: Bestimmt gab es da auch so einige Stolpersteine und Hindernisse auf dem Weg?
Bianca: Oh ja, die gab es und gibt es auch immer wieder. Das 1. Problem bestand darin, die richtige Immobilie zu finden. Nach sechs Monaten und zwei Umentscheidungen habe ich sie nun unter Vertrag – und am 31.10.2015 ist Eröffnung.
Die 2. Schwierigkeit liegt darin, einen hohen Qualitätsstandard zu halten. Die Bücher von Indie-Autoren haben den Ruf, oft von minderer Qualität zu sein, was Rechtschreibung, Grammatik, Satzbau oder Covergestaltung angeht. Viele Buchhandlungen nehmen genau aus diesem Grund keine Werke von Selfpublishern auf.
Meine Aufgabe ist es, die eingereichten Bücher zu überprüfen und jene auszusortieren, die dem Qualitätsstandard nicht genügen. Der Kunde bekommt bei "Wortwerke" nur Bücher, die es mit jenen der "großen Verlage" aufnehmen können, das ist mein oberstes Gebot im Verkauf. Man kann als Leser von dem Inhalt eines Buches enttäuscht sein, aber niemand wird behaupten können, er hätte bei "Wortwerke" ein schlechtes Handwerk gekauft. Und das bringt mich dann gleich zur dritten, emotionalsten Schwierigkeit: Immer wieder muss ich Autoren absagen, denn ihre Bücher erfüllen diesen Standard nicht. Und das finde ich jedes Mal furchtbar. In jedem Buch steckt so viel Arbeit und Einsatz - und dann scheitert es an der Rechtschreibung, die Grammatik ist nicht akzeptabel oder das Buch ist billig "zusammengeschmissen". So etwas verkaufe ich nicht und solche Bücher haben auch nichts neben denen zu tun, die "gutes Handwerk" sind. Ob ich einen Inhalt mag oder nicht, ist Geschmackssache, aber das Handwerk muss stimmen.

Ruth: "Wortwerke" ist ja nicht nur eine Buchhandlung. Was erwartet den Besucher denn sonst noch?
Bianca: Bei "Wortwerke" verkaufen wir auch Werke anderer Künstler wie Seifenmacher, Kerzenmacher, Maler, Bildhauer usw., aber wir haben daneben noch eine kleine Gastronomie eingerichtet, die "Blattlese". Hier gibt es Tee- und Kakaospezialitäten, Kuchen und Kleingebäck - und zwar alles aus eigener Küche. Und wir haben einen Workshopbereich mit Lesebühne, den wir für Veranstaltungen aller Art nutzen und der durch die Anbindung an "Blattlese" hervorragend geeignet ist für z.B. "Lesungen mit kulinarischem Hintergrund". Die Küche lässt sich z. B. für unsere im Februar geplante "Krimi-Nacht" einiges an skurrilen Dingen einfallen. Mein Mann ist da ganz in seinem Element.

Ruth: Und wo findet man das alles?
Bianca: Ihr findet uns in Bad Segeberg im schönen Schleswig-Holstein. So manchem dürfte Bad Segeberg ein Begriff sein, denn wir haben neben "Möbel Kraft" vor allem die Karl-May-Festspiele und unsere Fledermäuse samt Kalkberghöhle zu bieten. Ein Besuch ist Bad Segeberg alle Male wert. Und "Wortwerke" findet ihr in der Hamburger Straße 39, gleich an der Kreuzung bei "Möbel Kraft".

Ruth: Du schreibst ja auch selbst. Wie suchst du die Themen für deine Bücher aus und wie setzt du sie um? Machst du zum Beispiel erst eine Gliederung oder schreibst du drauflos?
Bianca: Ich habe inzwischen 10 Bücher veröffentlicht, ein weiteres liegt fertig in der Schublade und drei sind am werden. Aber durch "Wortwerke" kommt man ja zu nix . Obwohl ich eigentlich im Mystik-Thriller- und Fantasy-Bereich unterwegs bin, habe ich auch drei Kinderbücher geschrieben, die ich meinen Enkeln zu verdanken habe.
Die Themen zu meinen anderen Büchern kommen eigentlich immer durch das Leben an sich. Ich sehe etwas, höre etwas, lese einen Spruch - und da ist sie, die Idee. Eine Gliederung mache ich erst einmal nicht, ich fange an, sehe, wohin mich die Reise führt. Gerade meine "Niemandsland"-Trilogie hat sich oft "aus sich selbst heraus" geschrieben, da wusste ich so manches Mal nicht, wo das alles eigentlich her kommt.
Der "Moorhof" war ganz anders, denn den gibt es ja wirklich und ich habe lange recherchiert. Und nicht umsonst habe ich ins Vorwort geschrieben: "Die Recherchen waren mühsam, weil die, die etwas wissen, auch etwas zu verbergen haben!". Gerade schreibe ich an einem weiteren Buch dieser Serie und auch diese Recherchen sind höchst verzwickt, aber spannend.

Ruth: Wie bist du zum Schreiben gekommen?
Bianca: Das liegt mir scheinbar im Blut, ich kann nicht anders. Und ich bin viel in der Welt herumgekommen, habe viel gesehen, viel erlebt. Wenn man dann auch noch gerne schreibt, dann wird es irgendwann zur Passion und es geht nicht mehr ohne. Ich höre erst auf, wenn mir nichts mehr einfällt. Bei meinem bunten Leben hoffe ich, dass dieser Tag noch weit entfernt ist.

Ruth: Und dann gibt es ja auch noch den Nica Verlag, dessen Geschäftsführerin du bist. Wie schaffst du es, das alles unter einen Hut zu bekommen? Bleibt da überhaupt noch Platz für ein bisschen Freizeit und Privatleben?
Bianca: Ich denke, wenn du "Arbeit" und "Freizeit" trennen willst, kriegst du bei meinem Leben die Krise. 15-16 Stunden-Tage sind keine Ausnahme und eine 6 - 7-Tage-Woche ist normal. Aber das geht nur, wenn du liebst, was du tust und in deiner Freizeit auch nichts anderes machen würdest. Ich habe ein Schreibpensum von etwa 4 Stunden täglich. Was ist das? Freizeit? Arbeitszeit? Ich habe keine Ahnung. Ich bin Schriftstellerin, also ist es beruflich. Doch ich würde nach Feierabend auch schreiben, das wäre dann also Freizeit. Du siehst, eine Trennung geht nicht. Aber ich nehme mir auch den Luxus heraus, an schönen Tagen mittags mein Pferd zu satteln und einen 2-Stunden-Ausritt zu machen. Oder mit dem Hund zu gehen. Das ist definitiv Freizeit - mitten am Tag - und die genieße ich. Mein Mann ist ebenfalls ein sehr kreativer Kopf, der immer mit irgendeiner Sache beschäftigt ist. Und so sitzen wir oft abends im Arbeitszimmer, ich tüftle an neuen Geschichten und er an neuen Rezepten. Wir finden dieses Leben prima. Ein wenig ändern wird sich das mit der Eröffnung von "Wortwerke", weil wir feste Öffnungszeiten haben, aber darüber mache ich mir keinen Kopf. Es wird prima werden und ich werde auch da immer die Zeit haben,mich mit vorbeikommenden Autoren oder Künstlern zusammenzusetzen und einen Tee/Kaffee zu trinken.

Ruth: Vielen Dank. Ich wünsche dir viele Besucher und zahlreiche Leser und überhaupt ganz viel Erfolg für die Zukunft.


Bianca Bolduan und Wortwerke findet man im Internet übrigens unter http://www.biancabolduan.de. http://www.nica-verlag.de und http://www.wortwerke-und-mehr.de/

„Wortwerke“ wird am 31.10.2015 eröffnet! Und ihr könnt sicher sein, dass da einiges geboten wird.

Also nichts wie hin! Um 10.00 Uhr geht’s los.

Hier noch einmal die Adresse:

Buchhandlung Wortwerke
Hamburger Straße 39
Bad Segeberg

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