Dienstag, 4. August 2015

The Lodger von Marie Belloc Lowndes


Somewhere in London a madman was at large. And then one night there came a knock at the door of a quiet lodging house in the Marylebone Road ...

The famous first-class, highly acclaimed thriller written in 1914 but very readable today and based on the grisly Jack the Ripper murders that occurred in Whitechapel, London twenty years before. An early must-read classic of the suspense and horror genres.

Dieser Krimi (es gibt ihn leider nur auf englisch, soweit ich weiß) bietet einen faszinierenden Blick auf den noch heute berüchtigten Fall von Jack the Ripper. Zumindest indirekt, denn der Mörder hier nennt sich „The Avenger“. Die Pipper-Morde sind aber ganz eindeutig die Grundlage für diesen Roman. Ungewöhnlich und faszinierend macht ihn vor allem der Blickwinkel: Hier folgt man nicht einem Detektiv oder Polizisten, auch nicht dem Mörder selbst, sondern seiner Wirtin, Mrs. Bunting. Sie ist die zentrale Figur des Buches, um die sich eigentlich alles dreht. Von den Morden erfährt man eigentlich nur indirekt. Und damit wären wir bei einem weiteren Plus des Buches, das man in den meisten modernen Krimis leider vergeblich sucht: Subtilität.

Mrs. Bunting und ihr Mann sind tief gesunken. Früher bei diversen Herrschaften in Dienst mussten sie inzwischen alles, was sich irgendwie zu Geld machen ließ, verpfänden und trotzdem sind sie inzwischen so mittellos, dass sie bereits kurz davor sind, zu verhungern. Da klopft es an ihre Tür und ein Fremder fragt nach den Zimmern, die die Buntings zur Vermietung ausgeschrieben haben. Er nimmt sie und zahlt im Voraus. Das Ehepaar ist gerettet.
Doch der Untermieter hat ein paar seltsame Eigenheiten, zum Beispiel neigt er zu mitternächtlichen Streifzügen durch Londons nebligen Straßen. Und jedes Mal berichtet die Presse am Tag darauf über einen neuen Mord des „Avengers“, wie sich der Verbrecher selbst nennt. Bald hat Mrs. Bunting einen schrecklichen Verdacht, den sie jedoch immer wieder zu verdrängen und zu entkräften sucht. Sie schreckt vor der Idee zurück und kann doch nicht widerstehen, Gewissheit zu suchen, ob der Mann, der bei ihr wohnt und Schutz gesucht hat, der Mann, der sie und ihren Ehemann rettete und ihnen nun eine sichere Zukunft garantiert, ob dieser Mann ein bestialischer Mörder ist.

Dieser Roman ist eine Charakterstudie, grüblerisch und melodramatisch, verstörend und fast schon klaustrophobisch in seiner Intensität. Mrs. Bunting ist hin- und hergerissen zwischen nagenden Zweifeln und vermeintlicher Gewissheit einerseits und Abscheu und Anziehung andererseits. Sie ist voller Angst, aber doch wild entschlossen, ihren Untermieter zu schützen.

Dieses Buch ist kein Thriller und es ist auch nicht voller Action. Es ist sogar eher langsam, aber während es die Schraube der Beklommenheit immer weiter andreht, gerät der Leser immer tiefer in die Welt von Mrs. Bunting und wird langsam mit in ihr unsägliches Grauen und ihre Hoffnung hineingezogen.

Enttäuschend ist lediglich der Schluss, denn der ist viel zu rasch, viel zu hektisch. Als hätte die Autorin plötzlich keine Lust mehr gehabt und wollte möglichst schnell fertig werden. Schade.
Trotzdem ist „The Lodger“ ein Buch, dass man gelesen haben sollte, wenn man Spannung, Schauder und subtiles Grauen mag.

Marie Adelaide Elizabeth Rayner Lowndes (1868 - 1947), war ein berühmte englische Schriftstellerin. Sie hatte vor allem einen literarischen Ruf für die Kombination von aufregenden Ereignissen und psychologischer Darstellung. „The Lodger“ ist ihr berühmtester Roman basiert auf den 'Jack the Ripper'-Morden von 1888. Das Buch war Grundlage für nicht weniger als fünf Filme. Die erste Filmversion war Alfred Hitchcocks Stummfilm „The Lodger: A Story of the London Fog“ (1927), gefolgt von Maurice Elveys Verfilmung im Jahr 1932. Dann kam John Brahm mit seiner Version 1944. 1953 folgte „Man in the Attic“ und David Ondaatjenahm sich des Stoffs noch einmal im Jahr 2009 an.



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