Dienstag, 25. August 2015

Der Tod kennt kein Erbarmen von Richard Thiess


Um an das Erbe seiner Schwägerin zu kommen, setzt sich der hoch verschuldete Familienvater Eugen M. kurz nach Mitternacht in sein Auto. Sein Ziel: das Haus seiner Verwandten. Heimtückisch und aus Habgier ermordet er seine beiden acht- und elfjährigen Nichten, seine Schwägerin entgeht seiner Wut durch einen Zufall. Es gibt ein regelrechtes Massaker. Er hat die Kinder erdrosselt, erschlagen und erstochen, 'übertötet' nennt man das, wenn einer nicht ablässt von seinen Opfern, die längst ohne Leben sind. Wie zynisch dieser Mörder ist, zeigt sich, als er aus der U-Haft heraus Kripobeamte um ein Gespräch bittet. Doch es geht nicht um Mitteilungen zum Mordfall, Eugen M. will nur wissen, wie der FC Bayern gespielt hat.
Richard Thiess stellt diesen und weitere eindringliche Mordfälle vor.

Dieses Buch hat mich hochgradig verstört. Das sollte es natürlich auch, denn was hier beschrieben wird, ist die Realität. Es ist ein Ding, gerne Krimis zu lesen, zu rätseln, wer der Mörder ist und sich am Ende befriedigt zurückzulehnen, wenn der Detektiv, der Kommissar oder sonstwer den Täter stellt und der gerechten Strafe zuführt. Die Gerechtigkeit hat gesiegt und die Welt ist wieder in Ordnung.
Wenn man dieses Buch liest, siegt die Gerechtigkeit auch. Aber die Welt ist danach kein bisschen in Ordnung. Denn die Fälle, die hier beschrieben werden, sind wirklich so passiert. Menschenleben wurden ausgelöscht – echte Menschenleben. Und auch die Mörder sind echte Menschen. Mit Gründen für ihr Tun, vor deren Banalität man fassungslos steht. Mit Vorgehensweisen, die keinem Krimischriftsteller einfallen würden.
Die Welt ist also so. Das Leben ist so. Denn die Menschen sind so grausam und brutal.

Dieses Buch ist nichts für schwache Nerven. Nicht weil es blutige Szenen in aller Breite beschreibt oder Horrorszenarien zum Besten gibt. Im Gegenteil, der Stil ist sogar eher nüchtern und objektiv. Aber gerade das ist es auch, was einen trifft wie ein Schlag in die Magengrube. Auch wenn es wohl kaum eine passendere Art gibt, die Wahrheit zu beschreiben. Ich gestehe, mir war es am Ende zuviel. Aber das ist natürlich subjektiv und ändert nicht daran, dass es für alle, die die ungeschminkte kaltblütige Wahrheit wollen, ein gutes Buch ist.


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