Dienstag, 14. Juli 2015

Miss Minotaurus und der Huf der Götter von A. Lee Martinez


Sie sind verflucht. Ihr Hund heißt Achilles. Und sie sind die wohl unwürdigsten Helden, die jemals mit einer göttlichen Odyssee betraut wurden. Die Fast-Food-Vekäufer Helen und Troy haben keine hervorstechenden Merkmale, bis vielleicht auf ihr Äußeres: Sie hat Hufe und viel zu viele Haare, und er ist einfach zu schick. Naja, aber wenn der Auftraggeber ein dunkler Burger-Gott ist, dann erklärt das vielleicht einiges ... Selbst im modernen magischen Amerika ist man nicht gegen die guten alten Götter und ihre Spielchen gefeit. Dies müssen auch die Jugendlichen Helen und Troy erfahren, die von einem machthungrigen Burger-Gott zuerst verflucht und dann auch noch auf eine Odyssee geschickt werden - epische Zyklopenkämpfe, verzauberte Orte und mysteriöse Rätsel inklusive ... Verfolgt von einer Bande spießiger Ork-Biker cruisen Helen und Troy geradewegs ins Verderben. Denn was sie nicht umbringt, macht den dunklen Gott, der sie beauftragte, stärker. Und der hat nichts anderes als den Untergang Amerikas im Sinne ...

Dies ist nun also das zehnte Buch aus der Feder von A. Lee Martinez. Und ich schäme mich nicht zu sagen, dass ich alle zehn Bücher mag. Martinez Geschichten sind absurd, herrlich absurd. Aber auf den zweiten Blick findet sich immer auch ein gewissen Tiefgang und der eine oder andere Magenhieb für unsere ach so aufgeklärte und tolerante Gesellschaft ist auch noch darin verpackt – schön unter der Oberfläche, damit man ihn nicht kommen sieht.
Und auch bei dieser zehnten Geschichte zeigt der Autor wieder, was er drauf hat.

Im Mittelpunkt stehen hier Helen, die Minotaurenfrau mit Hörnern und Fell und ihr Arbeitskollege Troy, der asiatisch angehauchte Adonis. Später kommt noch ein dreibeiniger Hund dazu.
Und dann ist da noch eine Motorradgang, die (fast) nur aus Ogern besteht.

Warum der Klappentext behauptet, dass es sich bei Helen und Troy um unwürdige Helden handelt, ist mir nicht so ganz klar. Vielleicht wäre ein etwas weniger gezwungener Humor hier besser gewesen. Aber egal. Wer den Autor kennt, weiß, was ihn zu erwarten hat. Und er bekommt es.

Ein Wermutstropfen muss ich aber auch ansprechen: Troy sieht verdammt gut aus und ist durch und durch nett. Immer. Von Anfang bis Ende. Kein dunkles Geheimnis, keine kleine Schwäche, die ihn menschlich machen würde – der Typ ist auf Dauer schon etwas nervend. Wenigstens eine Kante oder einen winzigen Widerhaken hätte ich dieser Figur schon gewünscht, damit sie einem nicht dauernd entgleitet. So erweckt der Typ einfach keine Sympathie, sondern langweilt irgendwann nur noch.

Vor allen anderen geliebt habe ich ja ohnehin die Oger, die längst nicht so sind, wie man es erwartet und sogar eine rasante und erstaunliche Entwicklung hinlegen.

Insgesamt also wieder eine vergnügliche Lektüre und durchaus zu empfehlen.


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