Dienstag, 21. Juli 2015

Hell's Gate - Mord in Kenia von Richard Crompton


Der eigenwillige Massai-Ermittler Mollel wird von Nairobi in die Provinz versetzt, in einen kleinen Ort direkt neben dem Nationalpark Hell’s Gate. Hier gibt es bis auf ein paar Touristen, die den Nationalpark besuchen und im örtlichen Hotel absteigen, nur sehr wenig Abwechslung ... Bis eine Blumenpflückerin ermordet wird, die auf einer nahe gelegenen Blumenfarm gearbeitet hat. Mollel argwöhnt schnell, dass eine Polizisten-Gang in den Mord verwickelt ist, die mit Gewalt und Selbstjustiz die Gegend unsicher macht. Für Mollel wird es brandgefährlich, aber heraushalten kann er sich aus dieser Sache nicht: Er muss sich fragen, ob er noch auf der richtigen Seite steht.

Eigentlich handelt es sich hier um das zweite Buch über den Massai-Detektiv Mollel, aber es ist das erste, das auch ins Deutsche übersetzt wurde. Warum, ist mir schleierhaft, aber wer bin ich schon? ;)

Die Geschichte beginnt damit, dass Mollel im Gefängnis landet. Es heißt, dass ein Masai nicht länger als drei Monate in Gefangenschaft überleben kann und das glaubt man sehr schnell, wenn man liest, wie es in diesem Gefängnis zugeht – man selbst würde es wohl kaum so lange dort aushalten. Cromptons Sprache ist so einfach wie brutal. Man meint den Urin zu riechen, den unappetitlichen grauen Abendessenbrei zu schmecken, die Feindseligkeit zu spüren.

Auch bei den Rückblenden, in denen erzählt wird, wie es dazu kommt, dass Mollel in seine Gefängniszelle schlurft, liegt immer eine gewisse Spannung in der Luft. Schonungslose Wahrheit paart sich mit der Faszination für ein Land und eine Kultur, die hierzulande ziemlich unbekannt ist.

Zeitweise ist das Buch mit seinen Rückblenden, mit Mollels inneren Monologen, seinen Gedanken und Erinnerungen ein wenig verwirrend. Dies ist ganz bestimmt kein Buch, dass man schnell einmal am Strand liest. Außer, man möchte ein Gänsehaut bekommen. Die wird sich nämlich sicher einstellen, wenn man erfährt, wie Mollel durch die Gerichte gezerrt und eingesperrt wird. Und dann fiebert man wieder mit, wenn er flüchtet.
Dieses Wechselbad der Gefühle stellt sich auch ein, wenn man liest, was die Weißen aus dem Land gemacht haben – im Guten, wie im Schlechten – und wie wenig Rechte die Einheimischen eigentlich haben.

Der Mord, zusammen mit den Intrigen und die Hintergrundgeschichte von Mollels Leben, all das zusammen sorgt für eine interessante Lektüre. Eingepackt in die spannende Handlung gibt es obendrein eine Vielzahl von Informationen über die kenianische Aufstand des Jahres 2007 und Kenias Kultur.

Ich weiß nicht so recht, ob ich noch einen weiteren solchen Krimi ertragen würde. Aber fest steht, dass er hervorragend geschrieben und fesselnd bis zur letzten Seite ist. Wer mehr über Kenia wissen möchte und außerdem auf Bücher mit einer Grundstimmung steht, wie man sie in einigen Skandinavienkrimis findet, der sollte hier auf jeden Fall zugreifen.


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