Dienstag, 28. Juli 2015

'Der Winter erwacht' und 'Wenn der Sommer stirbt' von C.L. Wilson


Die Sommerprinzessin Chamsin kann nicht glauben, was ihr Vater von ihr verlangt: Sie soll Wynter Atrialan heiraten. Den Mann, der ihre geliebte Heimat mit einem grausamen Krieg überzog. Der das Reich durch seine Magie im ewigen Winter erstarren ließ. Und der jetzt als Tribut eine Sommerprinzessin fordert. Niemals! Lieber stirbt sie, als ihn zu heiraten. Sie ahnt nicht, dass ihr Vater sie tatsächlich vor diese Wahl stellen wird …

Ok, ich könnte mich treten. Ich bin selber schuld. Warum lese ich so etwas überhaupt? Aber na ja, dass es so schlimm ist, konnte ich ja nun wirklich nicht erwarten! Chicklit ist ja ok, kann sogar recht amüsant sein und Spaß machen. Aber eine Schmonzette? Tut mir leid, aber etwas anderes ist es nicht.
Das Ganze erinnert mich sehr an die Liebesromane der 80er Jahre. 'Miederaufreißer' nannten wir das, wenn ein total 'männlicher' Mann voller Leidenschaft und ununterdrückbarem Verlangen über seine Gefangene, Geliebte, Geisel oder so (Unzutreffendes bitte streichen) herfiel und ihr die Kleider vom Leib riss. Der einzige Unterschied ist, dass hier kein Pirat am Werk ist oder ein Macho-Highländer, sondern der Winterkönig Wynter Atrialan. Und der ist nicht nur ein Macho, sondern auch ein Esel und ein A... Nicht mehr und nicht weniger.
Überhaupt, die Liebesszenen! Vielleicht wären sie ganz gut, wenn die Heldin nicht immer entweder halb erwürgt oder unter Drogen wäre.
Aber egal wie sehr der Typ sie demütigt und erniedrigt, egal wie oft er ihre Gefühle mit Füssen tritt, respektlos, kränkend und beschämend ist – sie hält allem stand. Denn am Ende winkt nichts Geringeres als seine Liebe – die Liebe eines geläuterten Rüpels, der gar nicht weiß, was er an Chamsin hat! Jaja, er trägt einen dunklen Gott in sich und kann also gar nichts dafür ... du meine Güte! Das hätte literarisch eine Menge Möglichkeiten geborgen - innere Zerrissenheit, Kampf mit sich selbst, wenn ach, zwei Seelen sind in seiner Brust ... Aber rausgekommen ist eben doch der übliche 08/15-Schnulzenroman, wie ihn die Frauen meiner Kindheit liebten.

Wynther Atrialan, ein Kotzbrocken wieder Willen und die Frau dazu bestimmt ihn zu retten? Ich hätte dem Kerl einen Tritt gegeben und wäre meiner Wege gegangen. Oder ich hätte ihn vom Thron gestoßen und seinen Platz eingenommen. Beides wäre für Chamsin nämlich durchaus möglich. Aber die edle Heroin … ich glaube, mir wird schlecht.
Was hat die Autorin bloß geritten, so etwas zu schreiben? Ich gebe zu, dass ich bisher noch nichts von ihr gelesen hatte. Aber, im Ernst, die schreibt doch hoffentlich nicht immer so!

Im Original waren beide Bücher übrigens nur eines. Deshalb rezensiere ich sie auch zusammen, denn Teil 1 hört demzufolge mitten in der Handlung auf und Teil 2 knüpft nahtlos an. Warum der Verlag das so gemacht hat, ist mir schleierhaft. Vielleicht wollte man ja Rücksicht auf die Leser nehmen, denn ein über 600 Seiten starkes Taschenbuch ist nicht leicht zu halten.
Aber ich finde, am besten ist es immer noch, die Bücher gar nicht erst zur Hand zu nehmen.

 

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