Dienstag, 7. Juli 2015

Das grüne Rollo von Heinrich Steinfest


Vielleicht wäre das alles nicht passiert, wenn Theos Eltern ihm zugehört hätten. Aber sie bemerken das ungewöhnliche Rollo kaum, das sich eines Nachts in seinem Zimmer manifestiert … In der Tradition von Hoffmanns Elixieren des Teufels, Carrolls Alice im Wunderland und Kubricks Space Odyssee 2001 - der neueste Coup von Heinrich Steinfest. Theo ist gerade aufs Gymnasium gekommen, als es eines Nachts, um 23:02, mit einem Ratsch plötzlich da ist. Vor seinem Fenster bläht sich im Mondlicht ein grünes Rollo. Tagsüber verschwindet es, aber von nun an entrollt es sich jede Nacht um exakt dieselbe Zeit. Das ist unheimlich genug, und nicht nur, weil es in Theos Zuhause noch nie Rollos oder auch nur Vorhänge gab. Viel unheimlicher ist aber, dass es, wenn man genau hinschaut, Augen zu haben scheint ... Nein, keine Augen, Ferngläser. Aus dem Rollo blicken kleine Männer durch Feldstecher streng zu Theo herüber. Theo ist sich sicher, dass dort, auf der anderen Seite des Rollos, eine eigene Welt existiert. Eine grünliche Welt. Nach schlaflosen Nächten fasst er sich ein Herz und beschließt, in jene andere Sphäre hinüberzusteigen ... Vierzig Jahre später hat Theo das alles als eine Kindheitsfantasterei abgetan. Bis es plötzlich wieder da ist - das grüne Rollo.

Ich hatte von Steinfest schon mal einen Krimi gelesen. Dort hat mich gestört, dass der Autor, wann immer ihm nichts mehr einfiel, mal eben eine ungeahnte – und unglaubliche – Wendung ins Spiel brachte. So etwas ist immer ärgerlich, weil man das Gefühl hat, dass der Autor es nicht für nötig hält, die Handlung seines Buches logisch zu durchdenken. Bei Fantasy, dachte ich mir, fällt das nicht so auf und so habe ich dieses Buch gelesen. Ich muss sagen, es fällt auch hier auf. Aber zumindest im ersten Teil, der sich um den 10-jährigen Theo dreht, kann man das verschmerzen. Der erste Teil ist auch wirklich gut zu lesen und macht Spaß. Ich würde ihn jetzt nicht übermäßig spannend nennen, aber unterhaltsam auf jeden Fall.
Dann kommt Teil 2 – und es wird dröge. Theo, inzwischen 50 Jahre alt. Schippert im Weltraum Richtung Mars. Und eigentlich verbringt er die meiste Zeit damit, an sein bisheriges Leben zu denken. Und dieses Leben, nun ja, Theo scheint ein ziemlicher Langweiler und Versager zu sein. Mehr will ich dazu nicht sagen. Spannend, unterhaltsam, interessant ist jedenfalls anders. Selbst als das Rollo wieder auftaucht, bleibt es eher langweilig. Ich gestehe, ich habe stellenweise quergelesen, nur um nicht ganz aufzugeben.
Und dann ist da noch der 'mögliche' 3. Teil. Da ärgert mich schon die Betitelung. Warum möglich? Weshalb unbedingt zwangsweise noch etwas hinein geheimnissen? Das macht das Buch auch nicht spannender oder besser. Und die plötzlichen Wendungen, wenn sich der Autor mal wieder in eine Sackgasse geschrieben hat, macht es auch nicht verzeihlicher.

Hübsch fand ich dagegen die Idee, dass die Schrift grün wird, wenn Theo in das Rollo-Land eintaucht. Das erinnert an Michael Endes „Unendliche Geschichte“, bei der die Schrift rot wird, wenn Bastian die Welten wechselt.

Aber das allein reißt es jetzt auch nicht raus. Insgesamt ist das Buch jetzt nicht eines, bei dem man sich ärgert, dass man es angefangen hat. Aber es reißt auch nicht mit oder macht es einem schwer, es wieder wegzulegen. Und wie gesagt, man könnte vom Autor schon erwarten, dass er es sich nicht ganz so leicht macht.


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