Dienstag, 16. Juni 2015

Stadt der Vergessenen von Stephen Blackmoore

Joe Sunday gehört schon lange zum Abschaum von Los Angeles. Doch sein Leben wird noch wertloser, als er vom Rivalen seines Gangsterbosses umgebracht wird und als Untoter zurückkehrt. Da sein Körper nun zu verfallen droht, besteht Joes einzige Hoffnung darin, einen mystischen Stein zu stehlen, der ihm wahre Unsterblichkeit verleihen kann. Doch zu allem Unglück ist jeder untote Ganove in Los Angeles hinter genau diesem Artefakt her.


Der Klappentext ist etwas irreführend. Joe wird nicht einfach so umgebracht und sein Körper droht zunächst auch nicht zu zerfallen. Er muss den Stein auch nicht suchen, sondern hat ihn zu Anfang bereits. Und zunächst einmal muss er überhaupt damit zurecht kommen, dass er ein Untoter ist und dass es sich auf Dauer nicht vor seinen früheren lebenden Freunden verbergen lässt – es fällt einfach auf, wenn man keine Luft holt und selbst bei der größten Anstrengung kein Tröpfchen Schweiß absondert.
Aber da ist ja auch noch dieses Parallel-Los Angeles, wo die Untoten und Geister kuschelig unter sich sind. Und als Joe diesen Ort endlich findet, wird es wirklich interessant.

Das Buch ist gut geschrieben. Es gibt auch jede Menge Spannung und unerwartete Wendungen. Blut fließt auch in Mengen, ist schließlich ein Zombie-Roman. Auch die Ideen sind originell und der Plot angenehm anders und unverbraucht, verglichen zu den meisten Romanen über Untote. Nur … nun ja, ich werde mit Joe einfach nicht warm. Und das liegt nicht daran, dass er ein kalter Toter ist. Eher daran, dass er ein kalter Mensch ist. Mit dem Helden eines Buches sollte man sich doch identifizieren können, um mit ihm zu leiden, zu hoffen und zu bangen. Ich will mich aber nicht mit jemandem identifizieren, der im Auftrag seines Bosses, anderen Leuten mal eben die Hände in den Müllschredder steckt, damit sie reden, oder jemanden in den Kofferraum eines Wagens steckt, der als nächster in die Schrottpresse kommt. Es ist mir völlig egal, was mit jemandem passiert, der über solche Sachen in einem Nebensatz erzählt wie andere über das Wetter.

Da kann die Schreibe so gut sein, wie sie will, mir hat der entscheidende Kick gefehlt. Für Tarantino-Fans ist das Buch sicher ein Leckerbissen.


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