Dienstag, 2. Juni 2015

Cicely Mary Barker und ihre Flower Fairies

Am 28. Juni 1895 wurde Cicely Mary Barker in Croydon, südlich von London, geboren. Da sie in ihrer Kindheit unter epileptischen Anfällen litt, wurde sie von ihren Eltern, Walter Barker und Mary Eleanor Oswald, wie auch von ihren Geschwistern ganz besonders liebevoll umsorgt. Ihre Krankheit machte es ihr auch unmöglich, eine Schule zu besuchen. Sie wur­de daher zu Hause unterrichtet. Trotz aller Einschränkungen und zahlreichen Kuraufenthalten, zu denen die Krankheit sie zwang, ent­wickelte sie sich zu einem sehr fröhlichen Menschen. Schon früh brachte sie sich selbst das Malen bei, wobei schon damals ihr liebstes Motiv die Natur war. Auf langen Wanderungen beobachtete sie ihre Umwelt und dokumentierte diese Studien in zahlreichen Zeichnungen und Skizzen.

 Das künstlerische Talent kam nicht von ungefähr. Walter Barker entstammte einer langen Reihe von Holzschnitzern. Eindrucksvolles Zeugnis seines Könnens legt z.B. noch heute die Kanzel der St. Edmund's Kirche in Croydon ab, die er 1909 vollendete. Mr. und Mrs. Barker unterstützten und förderten die Kreativität ihrer Tochter daher nach Kräften. So konnte sich Cicely Mary Barker schließlich an der Croydon Art Society für ein Fernstudium einschreiben und ihre Begabung gezielt ausbilden.
Ihr Vater zeigte Arbeiten seiner Tochter schließlich dem Verleger Raphael Tuck und dieser veröffentlichte einige davon als Postkarten. Zu diesem Zeitpunkt war die junge Malerin gerade fünfzehn Jahre alt. Einige Monate später gewann sie den zweiten Preis bei einem Wettbewerb der Croydon Art Society und wurde jüngstes Mitglied der Gesellschaft. Der Grundstein für ihre Karriere als Künstlerin war gelegt.
Aber bereits zwei Jahre später, 1912 traf sie ein schwerer Schicksalsschlag: Ihr Vater, zu dem sie ein besonders inniges Verhältnis gehabt hatte, starb plötzlich und von allen völlig unerwartet.

Cicelys ältere Schwester Dorothy versuchte nun, ihre Geschwister und die Mutter mit ihrem spärlichen Lehrergehalt zu versorgen. Und auch Cicely bemühte sich hartnäckig, ihre Bilder und Gedichte an Zeitschriften zu verkaufen.
Mittlerweile hatte sie ihren ganz eigenen, unverwechselbaren Stil gefunden, den wir auch heute noch lieben. Auf ihren Malereien in Wasserfarben stellte sie jeweils eine in England heimische Pflanze detailgetreu vor - zusammen mit der in Kleidung und Haltung dazu passenden Elfe in Kindergestalt. Und zu jeder Pflanze gab es auch noch ein kleines Gedicht. Dabei ging es ihr vor allem um einen liebevollen und verantwortungsbewußten Umgang mit Gottes Geschöpfen, egal ob es sich dabei um Menschen oder Blumen und Bäume handelte, denn Cicely war ein tief religiöser Mensch. Bereits als Kind liebte sie die Bücher von Kate Greenaway und Beatrix Potter und ließ sich von deren Stil inspirieren. Später verband sie eine innige und schöpferisch sehr fruchtbare Freundschaft mit der Kinderbuchillustratorin Margaret Tarrant.

Während ihres Fernstudiums hatte sich Cicely Mary Barker verschiedene Techniken und zeichnerische Feinheiten angeeignet, sie konnte sowohl mit Wasserfarben als auch mit Tusche, ÖI- und Aquarellfarben malen. Trotzdem versuchte sie beim Zeichnen vor allem auf ihren Instinkt und nicht auf künstlerische Regeln und Theorien zu achten. Auf diese Weise bewahren ihre Bilder eine erfrischende Natürlichkeit, die nie gekünstelt wirkt.
Als nach dem ersten Weltkrieg Cicely Mary Barkers Epilepsie verschwand, konnte sie sich in der Folgezeit uneingeschränkt auf ihr Talent konzentrieren. 1923 erschien das erste Buch der Reihe „Flower Fairies" und die Künstlerin erlangte damit internationalen Erfolg und Anerkennung. Elfen waren zu dieser Zeit besonders beliebt. In einer Zeit, in der man immer mehr dem technischen Fortschritt und der Wissenschaftsgläubigkeit verfiel,  sehnten sich viele Menschen nach einer Anderwelt, in der Natur und Harmonie die Hauptsache waren. Der anmutige Charme der nostalgischen „Flower Fairies" von Cicely Mary Barker erfüllte genau diesen Wunschtraum und erlaubte es Kindern und Erwachsenen gleichermaßen in eine andere, zauberhafte Welt einzutauchen.
Der Erfolg dieses ersten Buches zog sieben Fortsetzungen nach sich.
1924 ließ sich die Künstlerin im Garten neben ihrem Wohnhaus ein Studio für ihr Atelier bauen. Außerdem entstand hier ein Kindergarten, der unter der Obhut ihrer Schwester Dorothy stand. Cicely liebte die ausgelassene Atmosphäre mit all den Kindern um sie herum. Obendrein hatte sie so jede Menge Modelle für ihre kleinen Elfen in unmittelbarer Nähe.
1954 starb Dorothy, mit der Cicely stets zusammengelebt hatte. Zum Gedenken an die geliebte Schwester, aber auch um den Schmerz über den Verlust kreativ zu verarbeiten, kreierte Cicely ein Fenster für die St. Edmund's Kirche.
Cicely Mary Barker hatte sich Zeit ihres Lebens kirchlich engagiert und bei zahlreichen Spendenaktionen ihre künstlerischen Fähigkeiten gewinnbringend eingesetzt. Nach ihren eigenen Maßstäben sah sie es als ihre Pflicht an, ihr Können zum Wohl und zur Freude der Menschen einzusetzen und befürchtete doch immer, zu wenig zu tun.
Bis ins hohe Alter bestimmten Kreativität und eine ungeheure Schaffenskraft ihr Leben. Erst als ihre Sehkraft allmählich nachließ, mußte sie ihre künstlerische Tätigkeit einschränken.
Cicely Mary Barker starb am 16. Februar 1973 im Alter von 77 Jahren.
Nach diesen Bildern werden die berühmten ‚Flower-Fairy’-Figuren auch heute noch entworfen. Bisher gibt es 84 verschiedene Formen, die letzte Sechserserie kam Juli 2002 auf den Markt. Alle zeichnen sich durch ihre individuelle Gestaltung aus und durch die Phantasie, die dahinter steckt. Darüber hinaus gibt es jetzt auch eine wetterbeständige ‚Garden-Collection’ – wesentlich größere bronzierte Flower Fairies für den Garten.
Daneben gibt es Fensterbilder, Kalender, Servietten, Tassen und was nicht noch alles mit den Motiven der Flower-Fairies – und es gibt immer noch Cicely Mary Barkers wunderschöne Bücher. Und auch heute noch sind sie ein offenes Tor zum Eintritt in die Anderwelt.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen