Dienstag, 5. Mai 2015

König Tod von Thilo Corzilius

Thaddäus von Bergen ist unkonventionell. Im Obergeschoss seiner Hamburger Villa lässt er Studenten wohnen – im Untergeschoss spielt er Schlagzeug und schreibt Reportagen für angesehene Zeitungen.

Eines Tages jedoch wird seine Mitbewohnerin Monika bestialisch ermordet aufgefunden und Thaddäus' Welt gerät aus den Fugen. Da sich die Polizei lange schwertut, greift er schließlich selbst ein. Gemeinsam mit dem israelischen Informatiker Amir ermittelt er hinter Monikas Mörder her. Dabei bringen sie nicht nur brisantes Material ans Licht – sondern lassen sich zudem auf ein extrem gefährliches Spiel ein ...

Ich habe dieses Buch gekauft, weil ich Thilo Corzilius als Fantasy-Autor kenne und schätze. Da wollte ich natürlich wissen, ob er auch Thriller kann. Um es kurz zu machen: Er kann.

Sein Held Thaddäus von Bergen ist durch und durch authentisch. Schnell schließt man ihn ins Herz und fiebert mit ihm mit. Auch sein 'Untermieter' und Mitermittler, der israelische Student Amir kommt glaubhaft rüber. Dass ich persönlich ihn nicht mag, spricht durchaus auch dafür, ansonsten hätte er mich kalt gelassen. Als großer Gegensatz zu Thaddäus ist er jedenfalls sehr passend und vielleicht sogar notwendig, um die Spannung auch außerhalb des Falles weiter zu tragen.
Sehr schön finde ich auch den Einblick in die Gedankenwelt der Hauptfigur Thaddäus, und zumindest ein wenig in die Amirs. Dadurch wird alles besser nachvollziehbar und das Dilemma, in dem sich Thaddäus befindet, wird so richtig deutlich. Die verqueren Ideen und Assoziationen ließen mich außerdem ab und zu schmunzeln. Dass das selbst in einem Krimi möglich ist, ohne die Spannung dadurch in den Keller zu fahren, spricht für die Qualität des Autors.

Das Ende bei der Enthüllung des Mörders ist eine Überraschung. Selbst für Krimimitratefreaks wie mich. Aber es kommt glaubwürdig und nachvollziehbar rüber.
Und dann ist da noch Hamburg. Ich bin ja ein großer Skeptiker bei regionalen Krimis. Viel zu oft werden da Wege anhand des Stadtplans beschrieben und dabei so in die Breite getreten, dass man nur noch den Kopf schüttelt. Hier läuft oder fährt man mit den Helden durch ein Hamburg, das lebt. Nichts ist übergestülpt, alles ergibt sich ganz natürlich. Wer wie ich noch nie in Hamburg war, wird sich überlegen, dass ein Besuch doch eine gute Idee wäre.

Kurz und gut, das Buch hat mich überzeugt. Ich würde gern noch mehr von Thaddäus lesen. Vielleicht mit einem anderen Assistenten, aber notfalls nähme ich auch Amir mit in Kauf.

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