Dienstag, 14. April 2015

Musik in Sachen Anderwelt

Immer häufiger findet man CDs mit Titeln wie Elfen-Musik oder Feen-Musik. Meist handelt es sich dabei um Musik, die mit ätherischen Klängen - angereichert mit etwas irischer Volksmusik - die Meditation anregen und damit den Übertritt in die Anderwelt erleichtern sollen. Damit ist das Thema ‚Musik und Anderwelt’ aber noch längst nicht ausgeschöpft. In vielen Buchhandlungen findet man neben Rollenspielen und Fantasy-Büchern zunehmend auch eine passende Auswahl an Musik-CDs. Das sind zum einen CDs, die ausdrücklich für Fantasy-Fans gedacht und gemacht sind, und zum anderen solche, die irgendwie passend erscheinen, vor allem Mittelaltermusik und Soundtracks zu einschlägigen Kinofilmen. Es gibt sogar CDs, die dazu gedacht sind, Rollenspielszenen zu untermalen und passende Stimmungen erzeugen.

Rollenspiel-Musik

Das Rollenspielsystem mit der größten Musikauswahl ist zwei­fellos Das Schwarze Auge (DAS): Neben der inoffiziellen CD Von Helden und Göttern von Der Schwarze Barde, gibt es auch Alben, die das DSA-Logo tragen: Eine CD mit dem schlichten Ti­tel Aventurien erschien 1998 bei World of Fantasy und ist teilweise noch erhältlich. Martina Nöth, Autorin der DSA-Romane Die Zwergenmaske und Verbor­gene Mächte, hat unter dem Na­men Amber und Gefährten die DSA-CD Bardensang herausgebracht, auf der folkige Stücke mit aventurischen Texten zu finden sind. Die Musik ist fast ausschließlich mit natürlichen Instrumenten eingespielt und hat einen sehr warmen, angenehmen Klang.
Etwas neueren Datums ist Geistersang und Lautenklang von Matthias Harnitz. Die Musik ist rein instrumental und zur Untermalung von Rollenspielszenen gedacht. Die Stücke decken von fröhlicher Morgenstimmung über Wüsten- oder Kneipenszenen bis hin zu bedrohlichen Situationen ein breites Spektrum ab und sind, wenn sie auch zum Teil etwas elektronisch wirken, gut gemacht.
Auch für Dungeons & Dragons (D&D) gibt es eigene Hintergrundmusik. So die z.B. offizielle Dungeons & Dragons -CD von Midnight Syndicate. Die Band ist auf düster-bombastische Synthie-Sounds spezialisiert und somit nur für die unangenehmeren (sprich: spannenden) Stunden des Heldendaseins geeignet.
Aber nicht nur Rollenspiele, sondern auch das Table Top Warhammer kommt in den Genuß eines eigenen Sound­tracks: Die Alben The Sound of Warhammer 40.000 Chapter 1-3 enthalten Stücke, die namhafte, überwiegend deutsche Künstler extra für das Spiel komponiert haben.

Fantasy-Musik

Natürlich gibt es auch spezielle CDs, die nur bedingt für Rollenspiel, aber auf jeden Fall für Fantasy-Fans gedacht sind. Ein Beispiel dafür ist Lunas Fantastische Musik, die von Mondschatten  und Pegasus Press präsentiert wird. Die erste CD Helden, Mythen und Magie bietet neben reinen Mittelalter-Bands wie Schelmisch und Furunkulus auch Bands, die mit­telalterliche Einflüsse in moderne Musikstile übernehmen.
Bezug zur Fantasy, vor allem zu ihrer düsteren Seite findet man oft auch im Heavy Metal. So ist  Blind Guardian eine deut­sche Metal-Band, deren englischsprachige Texte sich um Fantasy-Themen drehen. Aber auch die finnische Metal-Band  Battlelore hat sich der Fantasy verschrieben. Erwähnt sei auch die CD Middle Earth von Bob Catley. Oder Rhapsody, die, verstärkt durch Christopher Lee als charismatischem Sprecher, komplette Legenden in Musical-Form in Symphony of the Enchanted Lands I + II erzählen.

Mittelaltermusik

Wer sich am liebsten mit Mittelaltermusik auf die Anderwelt einstimmt, findet sich auf einem weiten Feld: Die Bandbreite reicht von historisch korrekten Interpreta­tio­nen über nachem­pfundene Mittelaltermusik bis hin zu modernen Musikstilen mit mittelalterlichen Einflüssen.
Wer in der Klassik-Abteilung eines guten CD-Ladens nach al­ter Musik fragt, wird erstaunlich viel finden: Vor allem aus der Renaissance kommen viele schöne höfische Stücke. Wer sich dafür interessiert, der sollte Grup­pen wie Anno Domini oder dem Ensemble Alte Mu­sik sein Ohr leihen und das Programm des Verlags der Spielleute unter die Lupe nehmen. Historische Bordunmusik, also Musik, bei der das ganze Stück hindurch ein fester Grundton klingt, kann aber leicht langweilig werden. Hier springen die modernen Mittelalter-Bands in die Bresche: Im Kielwasser von Corvus Corax, den Dinosauriern der Szene, gibt es mittlerweile eine ganze Reihe Dudelsack- Bands, die es problemlos mit den Urvätern aufnehmen können, etwa Wolfenmond, Cultus Ferox oder Schelmisch. Als herausragendes Beispiel sei hier Heptessenz von Saltatio Mortis genannt, die mit historischen  Instrumen­ten so aufwendig produziert ist, daß sie auch modernen Ohren und nicht nur eingefleischten Dudelsack-Fans gefällt. Und dabei ist sie höchst spannend: Saltatio Mortis hat viele bisher noch nie veröffentlichte Stücke ausgegraben und bricht da­mit aus den end­losen Wiederholungen der ewig gleichen Mittelalter-Klassiker aus.

Aber auch Mischungen aus mittelalterlicher und moderner Musik erfreuen sich großer Beliebtheit. Dead Can Dance verarbeitet schon lange mittelalterliche Elemente mit moder­nen Synthesizern zu erstaunlichen  Klanggebilden. Ritchie Blackmore, der ehemalige Gitarrist von Deep Purple, liefert mit Blackmore's Night einen interessanten Crossover aus Mittelalter, Folk und Pop. Die schwedische Band Garmarna deckt von schwedischer Folklore bis hin zu Techno-Interpretationen oder Stücken der mittelalterlichen Mystikerin Hilde­gard von Bingen ein sehr breites Feld ab. Auch und gerade aus Deutschland kommt viel Mittelalter-Crossover: Bereits in den Siebzigern hat die Gruppe Augenweide Mittelaltermusik mit elektrischen Gitarren und anderen neuzeitlichen Einflüssen verbunden, und heute gibt es eine ganze Reihe von deut­schen  Bands, die auf verschiedenste Art und Weise mit­telalterliche und moderne Einflüsse mit­ein­ander verwe­ben. Beispielsweise ist In Extremo für harten Rock mit grö­lendem Gesang und Dudelsäcken bekannt. Qntal interpretiert historische Stücke auf höchst moderne Weise, und Tanzwut vermischt Dudelsäcke und Dancefloor-Sounds. Auch Saltatio Mortis ist mit den Alben Das Zweite Gesicht und Erwachen in der Disziplin Mittelalter-Rock angetreten und serviert sowohl historische als auch selbst komponierte Stücke in einem sehr modernen, eigenwilligen Stil.

Und sonst...

Im CD-Regal des Fantasy-Händlers stehen diese Mittelalter-Alben oft einträchtig neben Film-Soundtracks, die meist von klassischen Orchestern eingespielt sind. Fantasy- und Ritterfilme haben eigentlich mit authentischer Musik des Mittelalters eher weniger zu tun. Aber sie wecken natürlich Erinnerungen an die jeweiligen Filme und damit auch an die entsprechenden Bilder. So sei hier stellver­tre­tend „Robin Hood – König der Diebe" oder „Der Erste Ritter" genannt. Und nicht zu vergessen Filme, die wirklich von der Anderwelt handeln -  allen voran natürlich die Mu­sik zu den drei Teilen von „Herr der Ringe" oder auch „Dark Crystal", „Legende", „Krieg der Elfen" oder „Das Laby­­rinth".
Natürlich findet sich auch ‚normale Musik’, die durchaus passend ist: Die CDs der Neuseeländerin Hayley Westen­ra mit ihrer glockenreinen Stimme entführen einen schnell in die andere Welt. Oder wie wäre es mit etwas Klassik: Etwa Tschaikowsky. Seine Nußknackersuite wurde nicht umsonst in „Fantasia" von Walt Disney mit Elfen asso­ziiert. Oder De­bussy, der einem Faun ein musi­kalisches Denkmal setzte. Nicht zu vergessen Vivaldi oder Brahms.
New Age-, Ambient-, Esoterik-, Ethno- und Entspannungsmusik geben, wie schon Eingangs erwähnt, meist schon durch den Titel eine enge Verbindung mit der Anderwelt vor. Das Angebot ist so riesig wie die Geschmäcker der Hörer unterschiedlich. Und gerade der eigene Geschmack sollte es ja sein, der ausschlaggebend ist. Dieser Artikel ist denn auch nur als kleiner Leitfaden gedacht – viel Spaß also beim Suchen und Hören.

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