Dienstag, 3. März 2015

Das Geheimnis der Lady Audley: Ein viktorianischer Krimi von Mary Elisabeth Braddon

Ein Londoner Anwalt versucht, den Mord an seinem Freund aufzuklären, doch die wunderschöne Lady Audley will dieses mit allen Mitteln verhindern. Ihm wird schnell klar, dass Lady Audley ein dunkles Geheimnis hütet. Um den Mörder seines Freundes finden zu können, muss er es lüften. Ein spannendes Katz-und-Maus-Spiel beginnt zwischen dem jungen Mann und der mysteriösen Frau.


Es handelt sich hier um einen 'echten' viktorianischen Krimi aus dem Jahr 1862, also keinen Historienroman. Übersetzt und bearbeitet wurde er übrigens von Anja Marschall und sie hat hervorragende Arbeit geleistet. Denn der Roman ist gut und flüssig lesbar und die Sprache lässt die damalige Zeit wieder aufleben, ohne altmodisch zu wirken.


Dass die Moralvorstellungen damals anders waren, als heutzutage, ist natürlich klar. Ein Mann, der eine Frau mit einem Baby einfach so sitzen lässt und sich erst nach mehr als drei Jahren wieder bei ihr meldet, sollte wirklich nicht mit Selbstverständlichkeit erwarten dürfen, dass die Frau brav und glücklich auf seine Heimkehr wartet. Mitte des neunzehnten Jahrhunderts aber ging das anscheinend noch.


„Das Geheimnis der Lady Audley“ war bereits im Jahr seines Erscheinens ein großer Erfolg. Ihn heutzutage zu beurteilen, ist nicht gerade einfach, denn schließlich ist der heutige Geschmack und die Erwartung an einen Krimi völlig anders, als damals. Um es gleich zu sagen: Wer einen Krimi zum Mitraten und -fiebern sucht, sollte nicht zu diesem Buch greifen. Zu schnell ist dem versierten Leser klar, was hinter all der Heimlichtuerei steckt. Und der Schluss ist doch ziemlich an den Haaren herbei gezogen.
Auch der Handlungsverlauf war viel zu offensichtlich und vorhersehbar um wirklich spannend zu sein. Robert möchte man manchmal am liebsten durchschütteln für seine manchmal wirklich dummen Einfälle, dennoch ist er ein angenehmer Protagonist und überaus liebenswert. Lady Audley, seine Gegenspielerin, verhält sich manchmal auch nicht besonders klug, doch steht sie ihm bis zum Ende hin in nichts nach. Sie weiß die Männerwelt mit ihrer Schönheit zu bezirzen und mit diesem Einfluss richtig umzugehen.
Überhaupt steht das Zwischenmenschliche in besonderem Vordergrund, sowohl die Beziehung zwischen den einzelnen Familienmitgliedern, als auch standesübergreifend zwischen Mrs. Audley und ihrer Zofe. Und immer wieder wird die Frage aufgeworfen, was einen Menschen zu dem werden lässt, der er ist.


Wie gesagt, ein spannender Krimi sieht anders aus. Aber ein Jane-Austen-Liebhaber und jeder, der ein Faible für diese Zeit hat, sollte sich das Buch unbedingt zulegen. Es ist wirklich eine echte Perle. Man fühlt sich sofort in die viktorianische Zeit zurück versetzt. Man kann das geheimnisvolle Audley Court richtig vor sich sehen und das Rauschen der Seidenkleider hören. Es zeigt die positiven Seiten jener Zeit genauso wie die negativen. Und auch, wenn man, besonders als Frau, heutzutage über manches den Kopf schüttelt, kann man sich doch dem Zauber des Buches nicht entziehen.

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