Dienstag, 10. Februar 2015

Der Meister der Türme von Martin Alexander

Die Herrscherin Windfalls stirbt durch ein unheilbares Fieber, und ihr Sohn Karol soll der neue Windfürst werden. Doch seine Zwillingsschwester Kaia plagen Zweifel: Könnte ihr Bruder etwas mit dem Tod der Mutter zu tun haben? Oder hatte sein mysteriöser Berater, der so genannte Thaumaturg, die Finger im Spiel? Dieser geheimnisvolle Mann mit der goldenen Maske, dem nachgesagt wird, er habe magische Fähigkeiten ... Als sich Kaias Verdacht zu bestätigen scheint, muss sie vom Hof fliehen und will mehr über den Thaumaturgen herausfinden. Dabei ahnt sie noch nicht, dass seine Absichten das gesamte Reich in den Abgrund reißen könnten.

Nein, dieses Buch hat nichts mit Schachspielen zu tun. Auch mit dem Buch zu dem Rollenspiel „Das schwarze Auge“ (Meister der Türme - Die Türme von Taladur, DSA 148 von Stefan Schweikert) hat es nichts zu tun. Aber letzteres weist zumindest in die richtige Richtung: Es ist ein Fantasyroman.
Auf den ersten Blick hat man es hier mit Standard-Fantasy zu tun. Auf dem Cover ein Typ mit Goldmaske und Kapuzenumhang, im Hintergrund ein leuchtender Turm. Auch der Klappentext verheißt Standard pur. Ein Königliches Geschwisterpaar – der missratene Sohn bringt auf Anraten seines maskierten Beraters die Königin um, damit er nicht so lange auf den Thron warten muss. Die Schwester wird misstrauisch. Eine verloren geglaubte Prophezeiung erklärt, dass sie die einzige ist, die den Maskierten stoppen kann. Der will sie natürlich umbringen. Die Schwester flieht, schart einen bunten Haufen an Gefährten um sich und zieht los, das Reich zu retten. Alles so wie immer und wie in hunderten anderen Fantasyromanen ähnlich erzählt.

Aber bei diesem Roman lohnt sich auf jeden Fall ein zweiter Blick. Nicht nur, dass die Sprache, mit der Autor erzählt, angenehm und flüssig zu lesen ist, auch die Geschichte erweist sich in ihren Einzelheiten schnell als außergewöhnlich. Da gibt es Veteranen, vom Kampf gezeichnet und voller Selbstzweifel, schwule Detektive, mutige Frauen, die über sich selbst hinauswachsen. Hier sind keine Holzschnittprotagonisten, sondern Wesen aus Fleisch und Blut, denen der Autor gekonnt Leben einhaucht. Das sind keine unbesiegbaren Helden, durch und durch gut oder ganz und gar böse. Vielmehr sind es Menschen mit Eigenarten und Fehlern, die zweifeln, sich auch mal falsch entscheiden, und sich letztlich weiterentwickeln und auch mal ändern können. In diesem Roman ist nicht alles schwarz oder weiß. Es kommt vielmehr auf die Grauschattierungen an und von denen gibt es eine ganze Menge. Das gilt übrigens nicht nur für die Menschen, sondern auch für die anderen Wesen, die vorkommen – zum Beispiel die Golemarmee des Maskierten oder die Gnome.
Schön ist auch die Art der Erzählung. Es wird nicht einfach nur gradlinig erzählt, sondern auf mehreren Ebenen. Die einzelnen Protagonisten trennen sich immer mal wieder, erleben eigene Abenteuer, bis sich ihre Wege wieder kreuzen. Dabei kommt es immer wieder zu Entwicklungen, die man nicht erwartet hat, so dass der Spannungsbogen bis zuletzt gehalten wird.
Das Ganze spielt in einer Welt, die durchdacht und ausgefeilt ist. Sie hat eigene Regeln und Gesetzmäßigkeiten, die auch stets eingehalten werden, was man wirklich nicht von jedem Fantasyroman behaupten kann.

Alles in allem: Klare Lesempfehlung!


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