Dienstag, 27. Januar 2015

Mozarts letzte Arie von Matt Beynon Rees

Wien 1791. Vor sechs Wochen hat Wolfgang Amadeus Mozart den Verdacht geäußert, vergiftet worden zu sein. Nun, am 5. Dezember, ist er tot, Diagnose: „hitziges Frieselfieber“. Fast vierzig Jahre später überreicht seine Schwester „Nannerl“ ihrem Neffen Franz Xaver, Mozarts Sohn, das Tagebuch einer Reise nach Wien kurz nach Mozarts Tod. Es erzählt die Geschichte ihrer Suche nach der Wahrheit, die sie in die Salons des Wiener Hochadels, in Geheimlogen und Konzertsäle, Palais und Opernsäle führt und mit den Komplotten österreichischer und preußischer Geheimdienste konfrontiert. Im Zentrum steht Mozarts letzte Oper Die Zauberflöte, die den Schlüssel für das Geheimnis um Mozarts Tod enthalten mag. Ein spannend geschriebener, atmosphärisch dichter Krimi um Verbrechen, Wahrheit und Lüge, Sehnsucht und das ewige Band der Geschwisterliebe.
So der Klappentext. Nach dieser verheißungsvollen Ankündigung war ich natürlich sehr neugierig auf diesen Kriminalroman.
Die Beschreibung des Autors machte mich dann aber wieder etwas stutzig: Matt Beynon Rees wurde 1967 in South Wales geboren. Er war lange Jerusalemer Bürochef der Time, für die er weiterhin schreibt. Er spricht u. a. Arabisch und Hebräisch und ist der Autor von „Cain’s field: Faith, Fratricide and Fear in the Middle East“.
Klingt interessant. Aber wo passen da Mozart, Österreich und Wien hinein? Egal, ich machte mich gespannt ans Lesen. Leider wurden meine Erwartungen nur bedingt erfüllt.

Der Plot an sich ist nicht schlecht, mit einigen historischen Fakten belegt und gut zu lesen. Dass jedoch Nannerl allein als Frau auf Reisen geht, Nachforschungen anstellt und auch noch so freigiebig Auskünfte erhält, ist schon ziemlich unglaubwürdig. In der damalige Zeit war das ein Ding der Unmöglichkeit! Und dass dann auch noch ein Freimaurer offen über seine Loge spricht (besonders in einer Zeit der Verfolgung) und das auch noch mit einer Frau – ausgeschlossen!
Apropos Freimaurer: Ich habe mich in den letzten Jahren ein wenig damit beschäftigt und kann daher sagen, dass sie in diesem Buch ganz zu Unrecht so negativ dargestellt werden. Auch werden Macht und Einfluss der Freimaurer doch sehr überschätzt. Dass eine neue, von Mozart gegründete Loge die Welt erschüttern können soll ist schon ziemlich weit hergeholt.

Nebenbei bemerkt ist Nannerl nie nach dem Tod ihres Bruders nach Wien gereist. Aber gut, bei einem historischen Roman kann man oft gar nicht anders, als die Tatsachen zurechtzubiegen. Indes einfach so einem Grafen, der wirklich gelebt hat, das Geständnis des Mordes unterzuschieben, geht dann doch ein wenig zu weit.

Überhaupt scheint mir letztlich alles doch sehr weit hergeholt. Da hilft auch die Liste wahrheitsgetreuer Informationen am Ende des Buches nicht, denn nachweisbare Ereignisse, die in die gegensätzliche Richtung des Buches weisen, wurden einfach unterschlagen.

Der Schreibstil ist ansprechend, wenn auch etwas langatmig, spätestens wenn es um Mozarts Kompositionen geht – der Autor scheint Wert darauf zu legen, dass er sich mit Mozarts Musik sehr eingehend beschäftigt hat. Für Musiker bestimmt sehr aufschlussreich. Für mich, die ich zwar Noten lesen, aber kein Instrument spielen kann, wurde es aber schnell langweilig.

Kurz und gut, das Ganze ist flüssig zu lesen, die Übersetzung sehr gut. Es ist dem Autor jedoch nicht gelungen, die Zeit, in der seine Geschichte spielt, nämlich eine Zeit, die von Umbrüchen geprägt war, realistisch darzustellen. Oft fehlt es der Geschichte auch an Spannung.


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