Dienstag, 6. Januar 2015

„Monsieur weilt nicht mehr unter uns“ – (Pariskrimi, Band 4) von Claude Izner

Ein Einbruch in die Wohnung seines Kompagnons versetzt den Buchhändler Victor Legris in helle Aufregung. Gestohlen wurde zwar nur ein wertloser Kelch, doch als sich herausstellt, dass mehrere Personen ermordet wurden, die früher im Besitz des Erinnerungsstücks waren, begibt sich Legris auf die gefährliche Suche nach der Wahrheit.


Nun, der Klappentext gibt nicht viel her – zumindest nicht, wenn man wie ich die ersten drei Bände nicht gelesen hat. Also hier noch einmal alles etwas ausführlicher:

Das Buch spielt im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts. Unruhe liegt in der Luft, politischer Umbruch kündigt sich an, nicht zuletzt in einer Reihe von Anschlägen.
Es ist also eine Zeit, in der eine Leiche in einer dunklen Gasse keine große Aufregung hervorruft. Ein toter unbekannter, scheint es. Doch anhand eines Wäschezettels kann man den Mann identifizieren. Es stellt sich heraus, dass er erst vor Kurzem in der Buchhandlung von Victor Legris und seinem Partner Kenji Mori gewesen ist leider kann sich der dort angestellte Joseph nicht mehr daran erinnern, was er da eigentlich wollte.
Fast zeitgleich wird in Kenji Moris Wohnung eingebrochen und ein merkwürdiger Kelch entwendet. Keineswegs wertvoll, wie Mori feststellt, als er diesen von der Schwester eines Freundes aus England erhalten hatte. Warum aber dann wird just dieser Kelch gestohlen? Warum findet sich das Tuch, in dem der Kelch eingewickelt war, plötzlich im Besitz des geistig verwirrten Schwiegervaters des ermordeten Mannes wieder?

Fragen über Fragen, die vor allem dem von Natur aus neugierigen und abenteuerlustigen Victor Legris keine Ruhe lassen. Auch wenn er seiner Geliebten Tascha versprochen hat, sich nie wieder durch seine Hobbyermittlungen in Gefahr zu bringen, Victor kann die Finger nicht davon lassen. Er macht sich also auf und stellt eigene Nachforschungen an. Dabei wird er von Joseph unterstützt und seiner Halbschwester Iris, die gleichzeitig die Tochter von Kenji ist.
Nicht nur die Verwandschaftsverhältnisse in diesem Buch sind verwickelt, sondern der ganze Fall.
Im ersten Drittel des Buches erhält man praktisch überhaupt keinen Hinweis, worum es eigentlich gehen könnte und muss sich in Geduld fassen. Außerdem wird man stellenweise geradezu überschüttet mit merkwürdigen Charakteren wie verwirrten Greisen, einem schneidigen Polizeioffizier und eigenwilligen Concierges.
Manchmal wird dabei entschieden zu dick aufgetragen. Aber letztlich spürt der leser doch ganz besonders das Paris Anfang der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts, das Brodeln der Stadt, den aufkeimenden Antisemitismus, aber auch die Leichtigkeit des Lebens.

Insgesamt also eine spannende Lektüre, wobei es jedoch nicht schaden kann, die ersten drei Bände vorher zu lesen.


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