Dienstag, 16. Dezember 2014

Lutetia Stubbs: Herz aus Stein von Matthias Czarnetzki


Ein Buch voller schwarzem Humor, treffsicher und zielgenau, angesiedelt in einem kleinen Ort in Schottland, irgendwann vor der flächendeckenden Verbreitung von Handy und Smartphone – klar, so etwas kann nur ein Brite geschrieben haben, richtig? Falsch.
Der Autor der Lutetia-Stubbs-Reihe ist ein Deutscher. Matthias Czarnetzki begann als Banker, wurde Journalist und studierte Informatik, bevor ihn der Ruf der Literatur ereilte. Und so erblickte dann also Lutetia Stubbs das Licht der Welt. Eine junge Frau, so intelligent wie schlagfertig – sowohl verbal als auch physisch. Lutetia ist extrem rabiat und ungemein zynisch, trotzdem ist sie einem sympathisch; ein Spagat, den wenige Schriftsteller hinbekommen.

Lutetia Stubbs: Herz aus Stein“ ist der 2. Band der Reihe, der erste heißt „Kellerleichen“. Es ist nicht fatal, wenn man den nicht zuerst liest. Allerdings gibt es so einige Anspielungen und Hinweise, die man wohl nur dann richtig versteht, wenn man Band 1 bereits kennt.
Genaugenommen sind es in „Herz aus Stein“ zwei Geschichten, die so ziemlich nebeneinander verlaufen und erst ganz am Ende verbunden werden. In der einen geht es natürlich um die Heldin der Reihe, ihres Zeichens die Lebensgefährtin eines Bestatters, dem auffällt, dass bei den Leichen, die ihm geliefert werden, gewisse Teile fehlen: Lungen, Nieren, Leber oder eben auch mal ein Herz (das durch eines aus Stein ersetzt wurde – daher der Titel). Und ehe man es sich versieht, treten amerikanische Gangster auf den Plan, mischt sich die russische Mafia ein und versuchen die örtliche Kriminellen, ordentlich Reibach zu machen.
In der zweiten Geschichte geht es um Lutetias Vater, eigentlich ein Genie und entsprechend weltfremd. Er gerät in Las Vegas in Schwierigkeiten, bei denen ihm nur seine Putzfrau Brenda zur Seite steht, eine Frau, die in Sachen Gewaltbereitschaft Lutetia durchaus das Wasser reichen kann. Es folgt eine waghalsige Flucht durch die Staaten, bei der Autodiebstahl noch zu den kleinen Vergehen gehört und selbst der Einsatz einer Stingerrakete nicht wirklich verwundert.


Insgesamt hat man hier einen Roman vor sich, voller haarsträubender Ereignisse, Total überzogen, abstrus und abgedreht. Die einzige normale Person im ganzen Buch scheint Lutetias Geliebter George zu sein. Von ihm hätte ich gern mehr gelesen, denn er ist der Ruhepol, den der Leser braucht, um nicht ins Schlingern zu geraten. Dann wäre dieses Feuerwerk an Sprachwitz und unerhörten Einfällen noch ein bisschen zündender.

Aber auch so hat man viel Spaß am Lesen und wer typisch britischen Humor mag, ist hier bestens aufgehoben.
Und damit der Einstieg noch ein bisschen einfacher ist, hier noch ein kleiner
Tipp: Inzwischen gibt es „Lutetia Stubbs: Die Fälle 1-3 in einem Band“ als eBook!

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