Dienstag, 23. Dezember 2014

Die Speere Gottes von Daniel Loy


Der Kaiser ist tot, und der Westen des Landes versinkt im Bürgerkrieg. Die mächtigen Ritterorden des Ostens wittern ihre Chance und wollen das Reich unter einem König im rechten Glauben vereinen. Unerkannt lauert jedoch die wahre Gefahr für das Land jenseits der Grenzen: die gefürchteten Steppentrolle. Ritter Hragaud an Dantuir ist der Einzige, der ihnen entgegen tritt. Die Rettung des Reichs hängt von ihm ab. Doch die Trolle sind stark und in der Übermacht.

Über den Autor Daniel Loy: Der Verlag verkündet ganz geheimnisvoll: „... das Pseudonym eines erfahrenen deutschen Fantasy-Autors. Neben einer Vorliebe für Gothic Rock und Kampfsport zählt der studierte Historiker vor allem Zeitreisen und Ausflüge in fremde Welten zu seinen Hobbies. In seinen zahlreichen, bereits veröffentlichten Erzählungen und Romanen nimmt er die Leser gern dorthin mit.“ Anders gesagt, kokettiert man damit, dass der Name ein Pseudonym ist, will aber doch vom bisherigen Ruhm profitieren. So etwas, ich gestehe es, stößt mir schon mal sauer auf. Entweder soll sich der Autor zu seinem Buch bekennen, oder aber er soll das Pseudonym benutzen, um – wie eigentlich bei so etwas üblich – die wahre Identität zu verbergen, und zu sehen, ob das Buch genügend Qualitäten hat, um für sich allein zu stehen.
Und um es gleich vorweg zu nehmen: hat es nicht.
Dieses Buch ist dermaßen auf kommerziellen Erfolg geschrieben, dass es wirklich nicht mehr schön ist. Wie schon der Klappentext zeigt, ist hier Standardfantasy zu erwarten – König- bzw. Kaiserreich (das sind ja eigentlich zwei ganz verschiedene Dinge, aber so genau wird da nicht unterschieden) wird bedroht, und wenn nicht durch Oger, dann eben durch Trolle. Und, natürlich, wenn alles so richtig hoffnungslos ist, kommt ein Soloheld und rettet die Welt.
Schön und gut, so ein Standardplot ist zwar nichts Neues, kann aber doch unterhaltsam sein, wenn der Autor ein paar neue Ideen hat und das Ganze entsprechend originell und unterhaltsam schreibt. Das ist hier aber nicht der Fall. Kein einziger Charakter hat wirklich Tiefe, die Handlung zieht sich und auch die Sprache bietet keinen neuen, frischen Reiz.
Dabei ist der Anfang gar nicht schlecht – nicht Herausragendes, aber doch spannend. Die abgehackten Sätze nerven vielleicht auf Dauer ein wenig, aber der Text soll ja Tempo vermitteln und Gefahr, da ist das eben ein beliebtes Mittel. Leider wird der Stil nicht viel besser, wenn die gefährliche Situation vorüber ist. Und der Plot wird immer uninteressanter, je weiter er fortschreitet.
Man wird die ganze Zeit das Gefühl nicht los, dass hier lediglich auf 'Bestseller' geschrieben wurde, ein Standardbuch und möglichst dick, aber ohne Liebe, ohne Herzblut. Auf die Dauer fühlt man sich als Leser erst einmal veralbert, dann verärgert. So verärgert, dass zumindest ich das Buch schließlich zur Seite legte und mich ernsthaft fragte, ob ich wissen will, wie die Geschichte endet. Und meine Antwort war: nein, wollte ich nicht. Es war mir egal, und das passiert mir ziemlich selten bei einem Buch.
Kann also sein, dass es ein ganz tolles, überraschendes, fulminantes Finale gibt. Ich kann's nicht sagen – die Lust darauf ging mir leider schon vorher verloren.

Insgesamt ist das Buch meiner Meinung nach bestenfalls Durchschnitt – eher sogar drunter, weil hinter dem Pseudonym ein, wie es im Buch heißt „erstklassiger deutscher Fantasy-Autor“ steckt, der es eigentlich besser wissen sollte. Deshalb bekommt das Buch auch nur zwei Sterne von mir.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen