Dienstag, 4. November 2014

Land der Mythen von Michael Peinkofer


Es handelt sich hier um einen Kindle-Mehrteiler, der in Papierform als Roman in zwei Teilen 2007 erstmals erschien. Jetzt brachte ihn Piper also nochmal als eBook heraus. An sich lobenswert. Aber dass man kleine Häppchen daraus macht, stößt schon ziemlich sauer auf. Aus dem Zweiteiler wurden nämlich kurzentschlossen sechs Bände gemacht. Der auf den ersten Blick angenehme Preis erweist sich dementsprechend als gar nicht so günstig und der Kindle-Nutzer kommt sich doch sehr veralbert vor. Denn für die sechs eBooks muss man letztlich mehr zahlen, als für die gedruckte Taschenbuchausgaben.

Aber nun zum Buch selbst: Michael Peinkofer dürfte den meisten Liebhabern des Fantasy-Genres ein Begriff sein. Seiner Serie um die „Orks“ war zu recht sehr erfolgreich und seine Reihe „Die Zauberer“ und „Die Könige“ konnten an den Erfolg der Orks nahtlos anknüpfen.
„Land der Mythen“ entstand nach den Orks, aber vor den Zauberern oder Königen. Der Autor hat darin seiner Heimat, dem Allgäu ein Denkmal gesetzt. Es fällt auf, dass das Allgäu der Vergangenheit doch einige Parallelen mit dem Mittelerde Tolkiens zu haben scheint. Aber wenn ich mir die Mythen anderer Landstriche so anschaue, die von Bayern zum Beispiel, stelle ich ebenfalls etliche Ähnlichkeiten fest. Wandermythen, Völkerwanderung, menschliche Entwicklung und was weiß ich noch alles – ich bin ja kein Historiker – dürften daran ihren Anteil haben. Jedenfalls hat Peinkofers mythisches Allgäu genügend Eigenheiten, um eine Entdeckung interessant zu machen.
Ein wenig mehr stört da schon, dass auch die Geschichte selbst ein wenig an Tolkiens „Herr der Ringe“, sowie an hunderte von anderen Standardromanen erinnert. Anders gesagt, es passiert das Übliche: Das in ferner Vergangenheit zurückgedrängte Böse kehrt zurück. Es findet sich eine Gruppe von verschiedenen Völkern und Charakteren zusammen, welche die Helden im Kampf gegen das Böse werden sollen. Hier sind es sieben Helden, die sich um Erwyn scharen, der ausersehen ist, die Welt zu retten – hier davor, in ewigem Eis zu versinken. Natürlich darf auch ein magisches Artefakt nicht fehlen. Auf dem Weg zum Sieg erleben die Gefährten viele Abenteuer, denn wie immer kämpfen Gut und Böse gegeneinander, Feuer und Eis, Druide und Abtrünniger...
Es kommen finstere Gehilfen, mutige Jäger, Zwerge, Sylfen, Gestaltwandler und Drachen vor. Und ein wirklich reizender kleiner Kobling, mein absoluter Liebling und das Highlight der Geschichte.

Die Geschichte ist also alles andere als neu, aber im Gegensatz zu so vielen anderen Romanen mit diesem Handlungsgitter wird sie sehr gut erzählt, spannend, lustig, frech und erfrischend. Die Charaktere wachsen einem als Herz, die Dialoge sind spritzig und auch wenn die Handlung insgesamt vorhersehbar ist – es wird wohl kaum jemand ernsthaft erwarten, dass das Gute letztlich nicht gewinnt – gibt es doch immer wieder kleine Überraschungen und Wendungen, die man nicht erwartet hat.

Das Buch ist sehr gute Unterhaltung und wirklich lesenswert. Sie wäre mir durchaus fünf Sterne wert. Aber die EBook-Umsetzung ärgert doch sehr und so sind es letztlich nur vier Sterne geworden.
Wie schon gesagt, ich würde die Taschenbuchausgabe empfehlen.


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